Rodalben
55 Jahre Seliger Bernhard: Jubiläumsgottesdienst und Festakt geplant
Den Corona geschuldeten Ausfall des 50. Jubiläums holt die Pfarrgemeinde Seliger Bernhard an diesem Wochenende nach mit der Feier des 55-jährigen Bestehens. Das Jubiläum bezieht sich auf die Kirchweihe im Mai 1970 durch den Speyrer Bischof Friedrich Wetter und erinnert an „ein Gemeindeleben voller Lebendigkeit“ über fünfeinhalb Jahrzehnte, wie es der Förderverein formuliert.
Ein Jubiläumsgottesdienst am Sonntag, 28. September, 10 Uhr in der Pfarrkirche mit Weihbischof Otto Georgens eröffnet das Festprogramm. Im Anschluss folgt ein Festakt mit Grußworten im Pfarrsaal, zu dem alle Gäste und Gottesdienstbesucher eingeladen sind. Dort zeigt eine Ausstellung historische Eindrücke. Bilder aus der Geschichte und umfangreiche Informationen aus der Chronik enthält die zum Jubiläum erstellte Festschrift, die der Förderverein für seine Zwecke zum Verkauf anbietet.
Außergewöhnlicher Kirchenbau
Die Kirche Seliger Bernhard von Baden gehört zu den wenigen in Deutschland, die nach dem zweiten Vatikanischen Konzil erbaut wurden. Der moderne Bau mit dem Halbrund im Inneren, gelenkt auf den zentralen Altarraum, strahlt die „Aufbruchstimmung“ dieser Zeit aus, übermittelt Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Er steht nach seinen Worten für „eine offene Christenheit“, für Gemeinschaft, Austausch und Begegnungen, bewusst mit „Bon Bernhard“ als Namenspatron, dem „Freund der Armen und Notleidenden“.
Auch Pfarrer Bernd Schmitt (früher Dahn, jetzt Waldfischbach-Burgalben) geht in seinem Grußwort auf den Baustil ein. Hier sei „die Kehrtwende weg von den Busfahrerkirchen“ vollzogen worden, „in denen man in langen Reihen hintereinander sitzt“, verlautet von ihm. Die gerundete Form des Inneren gewährleiste nicht nur den Blick auf den Altarraum von allen Plätzen, es fördere auch Gemeinschaft. Dabei vermag sich Schmitt nicht die Anmerkung verkneifen, dass ausgerechnet dieses „symbolträchtige und Gott geweihte Haus aus Kostengründen in Gefahr gerät“.
Zentrum des Glaubens
Solchem Ansinnen stellt sich der Gemeindeausschuss entschlossen entgegen. „Wir freuen uns über das Erreichte, und wir freuen uns auf kommende Jubiläen“, bekunden Dominik Tretter und Felix Edrich. „Überleben werden Gemeinden und Gemeinschaften, wenn sie von Aktiven getragen werden und nicht allein vom Priester vor Ort“. „Ein lebendiges Zentrum des Glaubens und des Miteinanders zu sein, getragen vom Ehrenamt“, bestätigt Bürgermeister Claus Schäfer. Dies soll laut Bischof Wiesemann so bleiben, gerade im Hinblick auf die zunehmende Entwicklung zu „einer Diasporakirche in einer pluralen und säkularen Gesellschaft“.
In Rodalben wurde also 1970 mit der Kirche Seliger Bernhard eine neue Pfarrkirche eingeweiht und eine neue, zweite Pfarrei eingerichtet. Dem Vorgang lagen wirtschaftliche Ursachen und deren Folgen zugrunde. Die Schuhindustrie blühte Ende der 50er Jahre auf, die Bevölkerungszahl stieg, die Gemeinde brauchte neues Baugelände. Es entwickelten sich die Stadtteile Lohn und Heide, der Neuhof gehörte zu dieser Zeit kommunalpolitisch noch zu Pirmasens, kirchlich aber schon zu Rodalben.
Kirchenbauverein sammelt Spenden
Bis 1964 war die Zahl der Katholiken so angestiegen, dass eine Kuratie eingerichtet wurde, wie die Festschrift informiert. Die Urkunde unterzeichnete Bischof Emanuel, um die kirchliche Arbeit vor Ort zu verbessern. Pfarrer Fritz Schwarz und Kurator Norbert Mohr, später der erste Pfarrer in der Pfarrei Seliger Bernhard, brachten die Gründung eines Kirchenbauvereins auf den Weg, der bald monatlich 2500 Mark an Spenden verbuchen sollte.
Die Planung unter der Leitung von Architekt Atzberger, Speyer, sah einen Gottesraum im Sinne der neuen Liturgie nach dem zweiten Vatikanischen Konzil vor. Dessen Form sollte die „Tischgemeinschaft mit Gott schon durch den Raum unmittelbar erfahren lassen“ (Festschrift). Vonstatten ging der Bau sehr zielstrebig, den ersten Kindergarten auf der Heide nutzte man zunächst als Behelfskirche: Baubeginn August 1964, Grundsteinlegung Oktober 1968, Kirchweihe 9. Mai 1970. Einrichtungen ergänzten den Kirchbau: das Jugendheim (1970), der Kindergarten (1989) oder der Hort, der im vergangenen Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiern konnte. Mit ihm verfügt die Gemeinde über ein besonderes Angebot der Betreuung für schulpflichtige Kinder von der ersten bis zur fünften Klasse.
Und es bildeten sich Gemeinschaften. Schon drei Jahre vor der Einweihung hatte sich der Kirchenchor zusammengefunden, der aus der Schola hervorging, die Emil Schumacher (über 30 Jahre Chorleiter) auf Anregung von Norbert Mohr gegründet hatte. Aktuell leistet der Chor unter der Leitung von Felix Edrich erfolgreiche Arbeit- von der Gottesdienstbegleitung bis zum konzertanten Auftreten. Als jüngste Gemeinschaft kam erst im Februar dieses Jahres der Förderverein zu den vielfältig aktiven Gruppen hinzu.
Der Förderverein um Markus Matheis und Eva Leininger versteht sich als „wichtiger Baustein in der Pfarrgemeinde, um handlungsfähig zu bleiben und neue Wege für den Fortbestand zu erschließen“. Bei solchem Unternehmungsgeist sollte die Pfarrgemeinde trotz schwieriger Klippen mit Zuversicht das Jubiläum an diesem Wochenende begehen können.