Rodalben
Kirche Seliger Bernhard soll aufgegeben werden
Gemeindemitglieder verärgert es, dass die Kirchen unzureichend geheizt werden und Gottesdienste deshalb – wie in Donsieders die Christmette – in Pfarrsäle verlegt werden. Ist der finanzielle Druck tatsächlich so gestiegen, dass ein rigoroser Sparzwang besteht?
In der Tat hat der Verwaltungsrat aus Kostengründen – sie beruhen hauptsächlich auf sinkenden Schlüsselzuweisungen aus Speyer – entschieden, die Kirchen nicht zu heizen. Auch der Speyerer Dom wird nicht geheizt. Ausnahmen bilden Gottesdienste und Veranstaltungen wie Konzerte zwischen Weihnachten und Ostern sowie die Erstkommunionfeiern. Dafür werden die Kirchen grundtemperiert. Nur in Donsieders hat die Gemeinde dennoch entschieden, die Gottesdienste vorübergehend in das Pfarrheim zu verlegen.
Die Regeln zum Sparen haben ihre Gründe. Speyer hat die Schlüsselzuweisungen, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, ab 2024 um jährlich zehn Prozent gekürzt. Im Jahr 2027 stehen den Pfarreien demnach nur noch 60 Prozent der Mittel aus der Zeit von 2023 zur Verfügung. Wir haben festgestellt, dass das Heizen der Kirchen 2022 rund 30.000 Euro gekostet hat. Bei auf 162.000 Euro gekürzten Schlüsselzuweisungen für 2024 können wir uns diesen Betrag einfach nicht mehr leisten. Erst recht im Hinblick auf die vorgesehene neue Strukturreform mit größeren Einheiten über die Großpfarreien hinaus steht der Bestand der Kirchen in den Dorfgemeinden auf dem Prüfstand. Unantastbar bleiben nach aktuellen Vorgaben nur die Hauptkirche St. Josef in Rodalben und die historische Marienkirche.
Was ist dran an dem Gerücht, dass die Kirche Seliger Bernhard in Rodalben bereits zum Verkauf steht?
Diese Diskussion wird ja schon seit Jahren geführt. In Anbetracht der schwindenden Gelder, der zunehmenden Kirchenaustritte und der sinkenden Anzahl der Gottesdienstbesucher bei gleichzeitig hohem Sanierungsbedarf – beispielsweise am Dach für ein paar Hunderttausend Euro – , ist ein Grundsatzbeschluss gefasst worden, wonach die Kirche aufgegeben werden soll. Man hat Verständnis für die emotionale Bindung, hofft aber auch darauf, dass solche Energien genutzt werden für das Zusammenrücken der Pfarreien. Der Verwaltungsrat würde gerne Schönwetter-Entscheidungen treffen, muss aber verantwortlich für das Ganze, die Großpfarrei Maria Königin, handeln und sich darum bemühen, dass alle Gemeindemitglieder an einem Strang ziehen.
In der Pfarrei Seliger Bernhard soll es wohl aufgrund dieser belastenden Umstände Bestrebungen geben, sich aus der Großpfarrei Maria Königin zu lösen und sich Waldfischbach-Burgalben anzuschließen. Ist dem so?
Derlei Bestrebungen sind dem Vorstand der Pfarrei nicht bekannt. Eine aufkeimende allgemeine Unzufriedenheit mag für die mittlerweile wenigen Gläubigen, die sich noch für „ihre“ Kirche interessieren, daran festzumachen sein, dass alte Gewohnheiten aus Geld- und Personalmangel nicht mehr weitergeführt werden können. Die Gremien jedenfalls funktionieren nach wie vor alle, das gilt ebenso für die Zusammenarbeit mit dem Pfarrer. Natürlich können unpopuläre Entscheidungszwänge Verstimmungen auslösen.
Aufregung hat auch das Gerücht von der Streichung von Aufwandsentschädigungen für Chorleiter, Organisten und Sakristane verursacht. Stimmt das?
Hier muss deutlich differenziert werden. Es erfolgt keine Streichung bei den Honoraren für Organisten. Jeder Dienst wird nach der Honorarordnung des Bistums vergütet und soll auch weiterhin so vergütet werden. Was die Chorleiter betrifft, erhält künftig nur noch eine Chorleitung innerhalb der Pfarrei eine Vergütung.
Bei den Sakristanen gibt es aus historischen Gründen Gemeinden, die diesen Dienst vollständig ehrenamtlich stemmen, und es gibt Gemeinden, die dazu Mitarbeiter gemäß einem Dienstvertrag vergüten. Diese Vergütungen werden entfallen. Sie sind nicht mehr zu rechtfertigen aufgrund des Rückgangs der monatlichen Gottesdienste. Mitunter findet dort nur noch ein Gottesdienst im Monat statt, bedingt durch den Priestermangel. Die Stellen des Pastoralteams sind innerhalb eines Jahres von 4,3 auf 2,5 Stellen gesunken, wobei sich an den zu leistenden pastoralen Aufgaben nichts geändert hat.
Stehen weitere einschneidende Entwicklungen bevor?
Die geplante Strukturreform wird zu massiven Veränderungen führen. Vor zehn Jahren sind die Großpfarreien gebildet worden. Jetzt wird der nächste Schritt folgen, eine Stufe höher in der räumlichen und personellen Dimension. Die Dekanate mit einem Pool an Mitarbeitern, Priestern und Pastoralreferenten werden wohl künftig die Großpfarreien ersetzen. Vor Ort bleibt nur der leitende Pfarrer. Es entstehen größere seelsorgerische Einheiten nach dem aktuellen Vorbild von Freiburg oder Trier.