Venningen RHEINPFALZ Plus Artikel Was hat es mit dem Schaumteppich auf dem Triefenbach auf sich?

Der Schaumteppich auf dem Triefenbach. War Reinigungsmittel im Spiel?
Der Schaumteppich auf dem Triefenbach. War Reinigungsmittel im Spiel?

Kompost am Bachbett des Leiselbachs in Rhodt, Spritzmittel im Modenbach bei Edesheim, nun das: Schaumteppiche auf dem Triefenbach bei Venningen. Die jüngsten Verschmutzungen der Gewässer entrüstet die Dorfbewohner. Wie Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.

Im Edenkobener Tal entspringt der Triefenbach. Nach rund 20 Kilometern, im Bereich zwischen Geinsheim und Hanhofen, mündet er in den Kropsbach. So weit, so idyllisch. Auf seinem Weg von der Südpfalz in Richtung Mittelhaardt schlängelt sich der Bach unter anderem durch Venningen. Genau dort machten Spaziergänger vor Kurzem innerhalb weniger Wochen zwei rätselhafte Entdeckungen: Sie beobachteten Schaumteppiche, die sich jeweils über mehrere Meter erstreckten. Die Polizei geht davon aus, dass das Gewässer in beiden Fällen mit Reinigungsmittel verschmutzt wurde. Das wird derzeit geprüft.

Dabei analysiert ein Ingenieurbüro die beiden Wasserproben. Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen stehen auch drei Wochen nach dem ersten Vorfall noch aus. Fest steht: „Die Wasserproben selbst zeigten keine geruchlichen oder optischen Auffälligkeiten über ein übliches Bachwasser hinaus“, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ mit.

Gibt es natürliche Gründe?

Die Wasserproben werden unter anderem auf Stoffe untersucht, die in Waschmitteln enthalten sind und Schaum bilden. Geprüft wird außerdem, ob der organische Wert erhöht ist. Denn: Schaum auf Bächen kann auch auf natürliche Art und Weise entstehen. Durch Regenfälle kann beispielsweise abgestorbenes pflanzliches Material wie Laub oder Schilf ins Gewässer gelangen. Die in diesen Materialien enthaltenen Eiweiße und Saponinen, sprich seifenartigen Stoffe, reduzieren nach Angaben der Wasserschutzbehörde „die Oberflächenspannung des Gewässers und tragen dadurch zu einer natürlichen Schaumbildung bei“.

Es sei jedoch ungewöhnlich, dass innerhalb kurzer Zeit an derselben Stelle zwei Schaumteppiche gemeldet wurden. Deshalb könne nicht ausgeschlossen werden, dass Umweltfrevler am Werk waren. Menschen, die möglicherweise Behälter am Bach ausgespült haben. Diese Vermutung anhand chemischer Analysen nachzuweisen, sei nach Angaben der Behörde aber schwierig.

Mehrere Vorfälle in der VG

Sollte es sich bewahrheiten, dass der Triefenbach verunreinigt wurde, wäre das nur einer von vielen weiteren Umweltsünden, die dieses Jahr allein in der Verbandsgemeinde Edenkoben begangen wurden. So war bereits am Bachbett des Leiselbach in Rhodt Kompost abgeladen worden. Auch das Wasser im Modenbach in Hainfeld und Edesheim war im Frühjahr verunreinigt worden.

Im letzteren Fall konnte die Stelle der Eintrübung nachgewiesen werden, sodass auch der Täter ermittelt werden konnte. Laut VG-Bürgermeister Olaf Gouasé handelte es sich um einen Landwirt, der Spritzmittel im Bach entsorgt hatte. Der Christdemokrat warnt jedoch davor, die Landwirte unter Generalverdacht zu stellen. „Wir arbeiten eng mit der Landwirtschaft zusammen, um unsere Gewässer reinzuhalten. Das ist wichtig, da sie unsere Region, unsere Flora und Fauna, prägen.“

Natürlich erzürnten solche „böswillige Taten“ die Bürger, weiß Gouasé. „Glücklicherweise handelt es sich aber um Einzelfälle, für die nur Wenige verantwortlich sind.“ Wer auf solche Ideen komme, gehöre jedenfalls bestraft. Mit was muss der Verursacher rechnen? Laut Strafgesetzbuch droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Selbst der Versuch ist strafbar. Im Fall Edesheim wurde die Tat als Ordnungswidrigkeit eingestuft, der Betroffene kam mit einem Bußgeld in dreistelliger Höhe davon.

Hat sich die Tat in Venningen abgespielt?

Was den Fall Venningen betrifft: Im oberen Bereich des Triefenbaches, wo die Schaumbildung beobachtet wurde, besteht nach Angaben der Kreisverwaltung ein vergleichsweise hohes Gefälle. Dort verlaufe das Gewässer in einer engen Kurve von Westen nach Süden, die Strömung sei turbulent. Allein schon wegen dieser Bedingungen könne es dort zu erhöhter Schaumbildung kommen. Nach diesem turbulenten Bereich liege bachabwärts eine Ruhezone. „Daher hat sich dort der Schaum ansammeln können“, erklärt die Verwaltung.

Vor diesem Hintergrund geht Venningens Ortsbürgermeister Jürgen Leibfried nicht davon aus, dass der Vorfall sich in seinem Dorf abgespielt haben könnte. „Ganz gleich, was passiert sein sollte: Ich hoffe sehr, dass der Verantwortliche gefunden und zur Rechenschaft gezogen wird.“

Vielleicht war das Ganze aber keine Absicht. Auch Unwissenheit führe nämlich häufig dazu, dass Gewässer verschmutzt würden. Darauf weist Gouasé hin und nennt Beispiele: Wenn ein Fahrzeug auf dem Bürgersteig gewaschen, wenn Waschwasser achtlos in den nächsten Straßeneinlauf geschüttet wird oder sogar Farbreste in den Gully gekippt werden. Das alles könne gravierende Folgen für die Umwelt haben. „Das durch Reinigungsmittel, Farbe, Öl oder andere Fremdstoffe verschmutzte Wasser gelangt dort nämlich nicht über die Kanalisation zur nächsten Kläranlage, sondern fließt direkt in den jeweiligen Bach.“ Dabei werden Kleinstlebewesen getötet und das ökologische Gleichgewicht gestört.

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