Ilbesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tiefflug über die Pfalz: „Innerhalb der Toleranzschwelle“

Die Tornados sind eigentlich am Fliegerhorst Büchel stationiert, dieser wird aber derzeit umgebaut.
Die Tornados sind eigentlich am Fliegerhorst Büchel stationiert, dieser wird aber derzeit umgebaut.

Zwei Tornado-Jets der Luftwaffe flogen am Donnerstagnachmittag extrem niedrig über die Südpfalz. Woher kamen die Flieger und was ist bei einem Tiefflug erlaubt?

Beinahe scheint es so, als könnte man die Tragflächen der beiden Tornado-Kampfjets der Luftwaffe berühren, als diese am Donnerstagnachmittag im Tiefflug über die Südpfalz donnern. Quasi so, als trennten nur noch wenige Meter Hausdächer und Nachbrenner. Faktisch waren es beim Überflug über Ilbesheim 135, beziehungsweise 228 Meter Höhe über dem Boden, wie ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr der RHEINPFALZ bestätigt.

Gegen 15.19 Uhr überfliegen die beiden Tornados Ilbesheim bei Landau von Süden nach Norden mit etwa 700 Kilometer pro Stunde. „Der Flug war für 500 Fuß gemeldet“, erklärt der Sprecher. 500 Fuß entspricht etwa 150 Meter. Mit 445 Fuß, also 135 Metern über dem Boden, war der eine Kampfjet zumindest kurzzeitig darunter. „Die Höhe lag aber noch innerhalb der Toleranzschwelle“, so der Sprecher. Die Flüge fanden im Sonderluftraum TRA Lauter statt, der für militärische Trainingsflüge im Südwesten zwischen der Pfalz, dem Saarland, Teilen der Eifel und dem Hunsrück eingerichtet ist.

Tiefflug über die Südpfalz: Was ist erlaubt?

Wer die beiden Jets am Himmel sieht oder hört, der schaut am Donnerstag gespannt in Richtung Himmel. Zunächst ist nur einer der beiden Flieger zu sehen, kurze Zeit später rauscht der zweite Tornado tief über Ilbesheim in Richtung Arzheim nach Norden. Wie die beiden Düsenjets weiter fliegen, darüber darf das Luftfahrtamt der Bundeswehr keine Aussagen treffen, die genaue Flugroute der Tornados muss geheim bleiben. Die Bürgerinitiative Fluglärm mit Sitz in Kaiserslautern bringt etwas Auflösung. Denn einer der beiden Jets hatte einen Tracker verbaut. Demnach gibt es eine Flugspur über weitere Regionen der Pfalz, unter anderem über Grünstadt. Genaue Angaben hat aber auch die Bürgerinitiative nicht.

Ein Tornado in der Luft. Am Donnerstag waren zwei Kampfjets der Bundeswehr im Tiefflug über der Südpfalz unterwegs (Symbolbild)
Ein Tornado in der Luft. Am Donnerstag waren zwei Kampfjets der Bundeswehr im Tiefflug über der Südpfalz unterwegs (Symbolbild)

Klar ist aber, nach dem Abstecher über die Pfalz flogen die Tornados am Donnerstag zurück nach Nordrhein-Westfalen zum Stützpunkt in Nörvenich. Eigentlich gehören die beiden Düsenjets dem Taktischen Luftwaffengeschwader 33 aus Büchel an. Derzeit sind die Jets in Nörvenich stationiert, da Büchel saniert wird. Die Büchel-Tornados sind die einzigen, die im Zuge der Nuklearen Teilhabe der Nato im Ernstfall mit Atomwaffen ausgerüstet werden könnten.

Grundsätzlich sei militärischer Flugbetrieb über Deutschland erlaubt, erklärt der Sprecher des Luftfahrtamtes. Die Mindesthöhe beträgt 1000 Fuß, also ungefähr 300 Meter. Wenn angemeldet, dann darf in „wenigen, aber unverzichtbaren, festgelegten Ausnahmen auf 500 Fuß (etwa 150 Meter) über Grund reduziert werden“, sagt er. Bei dem tiefen Überflug über die Südpfalz war dies der Fall. „Der Flug fand unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen statt“, betont der Presseoffizier. Auch Holger Marzen, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative, erklärt, dass normalerweise nicht tiefer als 150 Meter geflogen werden darf. „Allerdings zeigt die Erfahrung, dass man die Maschinen meist tiefer fliegend einschätzt, als sie in Wirklichkeit fliegen – auch weil sie so abartig laut sind“, urteilt Marzen.

Bürgerinitiative kritisiert Tiefflüge

Von den Tiefflügen ausgeschlossen sind übrigens Gebiete wie Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, Flugplätze und bestimmte Industrieanlagen. Ebenso würden sensible Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser berücksichtigt. Die Verantwortlichen würden versuchen, die Belastungen durch Militärflüge gering zu halten. Viele Flüge fänden außerdem im Simulator statt. Dennoch müssten die Streitkräfte sich auf mögliche Kriseneinsätze vorbereiten. Dieses Vorgehen wird bei der Bürgerinitiative kritisch gesehen. Die Politik versuche demnach, „die Bevölkerung auf Krieg einzuschwören.“

Erinnerungen an Phantom-Absturz über Mörzheim

Wenn über der Südpfalz Jets im Tiefflug unterwegs sind, erinnern sich manche Menschen an den Absturz eines Bundeswehrflugzeugs des Typs Phantom bei Mörzheim im Dezember 1979. Beide Piloten kommen in der Nähe des Landauer Stadtdorfs ums Leben. Bezogen auf das furchtbare Unglück und ob sich sowas heutzutage wiederholen könnte, verweist der Sprecher auf die technischen Entwicklungen bei den modernen Fliegern. „Die Standards bei Tornado oder Eurofighter sind nicht mit damals zu vergleichen.“

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