Militär-Tankflugzeug
Was hinter dem Tiefflug über der Pfalz steckte
Die Irritation ist groß. Eine viermotorige Militärmaschine donnert über die Südpfalz hinweg – unter anderem über die nördliche Landauer Innenstadt. Eine RHEINPFALZ-Leserin schildert, dass Marktbeschicker und Kunden sofort von technischen Problemen und einem Notfall ausgehen. Kurz darauf bestätigt die Luftwaffe, dass es eines ihrer Airbus-A-400-Tankflugzeuge war – und, dass es sich um eine Übung gehandelt hat. Der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner, gleichzeitig der Sprecher für Sicherheitspolitik der Grünen-Fraktion, nimmt sich des Falls an und befragt das Verteidigungsministerium. Dessen Antwort ist nun bei Lindner eingetroffen. Sie liegt auch der RHEINPFALZ vor.
Der Überflug der Landauer Innenstadt war einer von 51 Übungsflügen im Mai im Militärischen Übungsraum TRA Lauter, heißt es in der Antwort des Bundesverteidigungsministeriums. Dieser Raum erstreckt sich grob über die Pfalz und das Saarland. Der Flug über Landau war Teil eines Waffentrainings.
Eines der Ziele der Übung war der Eskort eines Airbus-A-400-M durch einen Tornado-Kampfjet. Eine Bodenbedrohung, also Geschütze, wurden dabei über ein elektronisches System namens Polygone simuliert. Die Crews sollten die simulierte Landezone, den Zweibrücker Flugplatz, erreichen, dort Personal aufnehmen und dann aus der Gefahrenzone sicher verschwinden. Dabei sollten auch Luftbetankung, Luftkampf und „Unterdrückung der feindlichen Luftabwehr“ geübt werden. Dabei wurden auch taktische Tiefflüge eingesetzt – einer davon offenkundig über der Stadt Landau mit rund 50.000 Einwohnern.
So lief der Flug
Wie das Verteidigungsministerium Lindner weiter mitteilt, erreichte der A-400-M-Airbus die TRA Lauter um 9 Uhr. Über Teilen des südlichen Rheinland-Pfalz und des Saarlands liegt ein „Luftbetankungsorbit UTE“. Die zur Betankung vorgesehene Mindesthöhe liege bei rund 4500 Metern über Meeresspiegel. Bis zirka 10.50 Uhr flog die Militärmaschine in dieser Höhe, dann sank sie auf eine, wie das Ministerium betont, „vorschriftenkonforme Mindestflughöhe von 500 Fuß über Grund“. Das sind rund 150 Meter. „Diese wurde während des gesamten Tiefflugs nicht unterschritten.“ Wie das Ministerium erklärt, existiert keine Flugroute, die Piloten müssen je nach Lage – also Wetter oder simulierte Bodenbedrohung – selbst entscheiden, wie sie fliegen. „Die nachverfolgte Tiefflugroute zentrierte sich auf den Raum westlich von Mannheim.“ Gegen 12 Uhr wurde der Tiefflug beendet.
Das Ministerium betont, dass die Bevölkerung über diese Trainingsflüge nicht informiert werden könne – die Einflüsse wie das Wetter änderten sich. Bei größeren Übungen werde der jeweilige regionale Raum vorab informiert. Aber: Grundsätzlich müssen die Streitkräfte sich auf Einsätze vorbereiten und zwecks Verteidigungsvorsorge üben. Das gelte auch für den militärischen Tiefflug. „Das Bestreben, die Auswirkungen des militärischen Flugbetriebs zu minimieren, findet grundsätzlich dann seine Grenzen, wenn signifikante negative Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte zu erwarten sind“, betont das Verteidigungsministerium. Echte Flüge und Tiefflugübungen blieben unumgänglich.
Info
Bürger mit Fragen zu militärischen Flügen können sich an das Luftfahrtamt der Bundeswehr unter der Rufnummer 0800 8620730 (montags bis donnerstags zwischen 8 und 17 Uhr, freitags bis 12.30 Uhr) oder per E-Mail an fliz@bundeswehr.org.


