Landau
Landau: Phantom-Absturz bei Mörzheim jährt sich zum 40.Mal
Am Freitag ist es 40 Jahre her, dass ein Kampfflugzeug der Bundeswehr vor Mörzheim abgestürzt ist. Aus dem Unglück wäre beinahe eine Katastrophe geworden. Eine Zeitzeugin hat die Flammensäule noch vor Augen.
Ruth Sponheimer erinnert sich genau an den 20. Dezember 1979. Es war der dramatischste Tag ihres Lebens. Gegen 11.15 Uhr sitzt sie am Küchentisch ihres Weinguts, als sie einen lauten Knall hört. „Es hat alles vibriert, die Scheiben haben angefangen zu klirren. Ich bin erst in den Garten gerannt und dann zur Küche. Von dort konnte ich die Flammen sehen“, erzählt sie. Ihr Mann, der zum Zeitpunkt des Unfalls gerade in der Garage arbeitet, eilt herbei. Im Hof der Familie, wenige Meter vor dem Haus, liegt ein großes Wrackteil. Weiter entfernt steigt eine Flammensäule weit in den Himmel auf.
Was genau den Absturz des Bundeswehrflugzeugs vom Typ Phantom F4-F verursachte, wurde nie endgültig geklärt. Der 43 Jahre alte Pilot Helmut Brodam war mit 4500 Flugstunden einer der erfahrensten der Bundeswehr. Mit ihm an Bord war Leutnant Erich Wiessler, 32 Jahre. Beide gehörten zum Jagdgeschwader 35 von Sobernheim an der Nahe. Rund 50 Kilometer legten sie bei einer Übung vom Flugplatz aus zurück, ehe sie offenbar die Kontrolle über die Maschine verloren hatten. Ein Funkspruch oder Notsignal erfolgte nicht. Beide starben beim Aufprall.
„Die Polizei hat mir erst gar nicht geglaubt“
Als Ruth Sponheimer begreift, was sich gerade vor ihrer Haustür zugetragen hat, steht sie zunächst unter Schock. Ihr Mann drängt sie dazu, den Notruf zu wählen. „Die Polizei hat mir das erst gar nicht geglaubt, als ich ihnen sagte, bei uns sei ein Flugzeug abgestürzt.“ Dennoch sind bald die Martinshörner der Landauer Feuerwehr zu hören. Bald darauf treffen in der Nähe stationierte amerikanische Truppen ein, die das Absturzgebiet abriegeln. Das Stück vom Absturzort, dem 300 Meter entfernten Weinberg, bis zum Grundstück der Familie Sponheimer ist eine Schneise der Zerstörung.
Am Nachmittag schlägt die Bundeswehr mit 30 Soldaten auf. Sie werden auf dem Weingut einquartiert, wo sie von der Familie mit Glühwein warm gehalten werden. Sponheimer erinnert sich, dass es frostig war und die Männer deshalb ein Quartier brauchten. Die Bergungsarbeiten beginnen am darauffolgenden Tag und dauern bis in die Nacht an.
„Es hätte furchtbar für das Dorf ausgehen können“
Die damals 36-jährige Sponheimer beschäftigt vor allem eine Frage: „Was wäre gewesen, hätte die Maschine nur einige Meter weiter eingeschlagen? Unser Haus wäre dann nicht mehr da, und ich auch nicht.“ Ähnliche Gedanken hatte zu dem Zeitpunkt wohl so mancher Mörzheimer. „Wir hatten damals alle Ölheizungen und Öltanks im Haus. Es hätte furchtbar für das Dorf ausgehen können“, sagt Sponheimer.
Die beiden Piloten wurden für viele zu Helden. Statt den Schleudersitz zu betätigen, hätten Brodam und Wiessler die Maschine absichtlich in den Berg gelenkt, um das Dorf und seine Bewohner nicht zu gefährden. Es gibt aber auch Stimmen im Dorf, für die der Absturz durch puren Übermut verschuldet wurde. Gewagte Flugmanöver der Streitkräfte über bewohntem Gebiet seien damals an der Tagesordnung gewesen.
Regelmäßige Besuche in Bad Sobernheim
Durch das Unglück entstand eine Partnerschaft der Gemeinde mit dem Geschwader, dass vom damaligen Bürgermeister Günther Linz in die Wege geleitet wurde. Über viele Jahre kam es zu Besuchen der Mörzheimer in Bad Sobernheim und umgekehrt. Ruth Sponheimer ist mit der Witwe eines Piloten noch immer in Kontakt. Vier- oder fünfmal im Jahr besuche sie die Unfallstelle.
Eine Gedenkveranstaltung ist am Freitag um 11 Uhr. Der Absturz jährt sich dann fast auf die Minute genau zum 40. Mal. Am Gedenkstein an der Absturzstelle an der Impflinger Straße vor dem Ortseingang von Mörzheim werden Bürgermeister Maximilian Ingenthron, Ortsvorsteherin Dorothea Müller sowie Vertreter der Bundeswehr der beiden verstorbenen Piloten gedenken.