Südpfalz
Südpfalzkorn als neue Marke für Backwaren für den Klimaschutz
Drei Bäcker aus der Südpfalz – der Edesheimer Claus Becker, Volker Stephan aus Maikammer und Sabine Seither aus Kandel – haben Brötchen und Brote kreiert, die sie nun stolz beim Pressetermin in der Gläsernen Backstube in Edenkoben präsentieren. Das Besondere an diesen Waren ist die Produktion. Also das, was dem Kunden eigentlich verborgen bleibt, ihm aber durch den neuen Markennamen Südpfalzkorn vermittel werden soll: Dass der Geschmack noch stärker mit dem Klimaschutz einhergeht als bei anderen Produkten. Denn alle Arbeitsschritte – von der Aussaat über die Verarbeitung bis hin zum Verkauf – erfolgten ausschließlich in der Region.
Kurze Transportwege
Damit es etwas zu produzieren gab, waren zunächst Thomas Knecht aus Herxheim und Dominik Bellaire aus Neupotz gefragt. Die beiden Landwirte haben auf einer zusammengerechnet etwa 60 Hektar großen Fläche Winterweizen und -roggen unterschiedlicher Qualitäten angebaut, die sich je nach Eiweißgehalt für bestimmte Brotsorten besser eignen. Im Juli war die Ernte, rechtzeitig vor Beginn des Regens vergangener Tage, der in anderen Gegenden Deutschlands solch einen Schaden anrichtete, dass das Getreide nur noch als Futtermittel dienen kann.
Die Schnittstelle für die beiden Landwirte war die Bischoff-Mühle, wo ihr Getreide zu Mehl verarbeitet wurde. Der Transportweg von ihren Feldern zu Johannes Frey nach Appenhofen war somit kurz und blieb auch kurz, weil das Mehl in die Backstuben der besagten drei Bäcker kam.
Landwirte: mehr Wertschätzung
Diese Umstellung auf heimische Rohstoffe und Produktion werde sich für die Kunden preislich nicht bemerkbar machen, sagen die Bäcker. Schließlich blieben bei ihnen Personal und Energie die wesentlichen Kostentreiber, die sich letztlich auch auf den Endpreis niederschlagen. Allerdings steht die Regionalität noch stärker im Vordergrund, die Claus Becker in Zeiten des Klimaschutzes höher einschätzt als das Bio-Siegel.
Landwirt Dominik Bellaire geht davon aus, dass die Arbeit von ihm und seinen Kollegen durch die Zusammenarbeit mit Johannes Frey und den Bäckern mehr wertgeschätzt wird. Die Kunden würden besser nachvollziehen können, wo ihr Getreide später benötigt wird und was daraus entsteht. Nicht zu vernachlässigen sei das Thema Unabhängigkeit. Thomas Knecht erklärt in diesem Zusammenhang, dass er bei Anfragen von benachbarten Bäckern anders reagieren könne als bei Bestellungen von Großhändlern. Umgekehrt sind die Bäcker nicht auf Getreideimporte aus der Ukraine oder anderen Nationen angewiesen. Wobei bei Kürbiskernen doch über die Grenzen der Südpfalz geschaut werden muss. Denn, wie Volker Stephan berichtet, stammen diese hauptsächlich aus China und werden in Deutschland nur vereinzelt angebaut, etwa im Raum Augsburg und Schwäbisch-Hall.
Wo die Reise hingehen soll
Die Geschäftspartner wollen sich jetzt nicht auf die Schulter klopfen und Kunden auf den Geschmack ihrer Waren bringen, sondern wachsen. Es sollen Mitstreiter gewonnen werden, sowohl Bauern als auch Bäcker. Letztere wurden auch schon vor einiger Zeit angeschrieben und gefragt, ob sie mitwirken möchten, berichtete Claus Becker. Spätestens jetzt, wo das Südpfalzbrot in den Handel kommt, hoffen sie auf eine ansteckende Wirkung bei Berufskollegen, damit mehr Menschen aus ihren Branchen auf den Zug aufspringen. Um die Marke bekannter zu machen, wird es bald auch eine Webseite zur Bedeutung des Südpfalzkorns geben.
Sabine Seither und Johannes Frey fehlen aus betrieblichen Gründen beim Pressetermin, dafür sitzt die Politik mit am Tisch. So kann sich Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) gut vorstellen, dass sich Lebensmittelhändler aus der Region von der Marke angesprochen fühlen und es ins Sortiment aufnehmen. Zufrieden ist auch der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart (CDU), der das Projekt initiiert und moderiert hat. Schließlich sei die Idee relativ spontan innerhalb kurzer Zeit umgesetzt worden. Im Februar hatten die Akteure das Projekt öffentlich gemacht, nicht einmal ein halbes Jahr später kommen die Waren nun in den Handel, bevor im Laufe der kommenden Wochen das Getreide für die nächste Anbauperiode bestellt werden muss.