Edenkoben
Landwirte bringen mit Bäcker und Bischoff-Mühle neues Produkt auf den Markt
Nachhaltigkeit und Regionalität sind Schlagworte, die beim Einzelhandel immer häufiger fallen. Den Kunden macht es froh, wenn er weiß, dass die Kartoffeln auf seinem Teller von einem Bauernhof aus der Umgebung kommen und nicht erst durch halb Europa transportiert wurden. Dieses Gefühl beruht aber auf Gegenseitigkeit: Auch die Erzeuger und Händler verkaufen lieber an die Nachbarn als an eine Masse am anderen Ende der Welt. Das ist der Kern von „Südpfalzkorn“, einer Idee, die zwei Landwirte, einen Bäcker, einen Bundestagsabgeordneten und die Appenhofer Bischoff-Mühle zusammenbrachte.
Thomas Gebhart (CDU) kam die Idee bei einem Besuch bei der Mühle in Appenhofen. Warum essen die Pfälzer eigentlich Brot aus fremdem Getreide, wenn doch alles, was man braucht, auf heimischen Boden wächst? „Als ich mich mit Claus Becker über meinen Gedanken unterhalten habe, hat er mir gesagt, dass er da schon mindestens seit drei Jahren drüber nachdenkt.“
„Kunden sollen sehen, was verbacken wird“
Claus Becker ist Obermeister der Bäcker-Innung Pfalz-Rheinhessen und Betreiber von „De Bäcker Becker“, die in der Südpfalz neun Filialen hat. In seiner Gläsernen Backstube in Edenkoben luden die beiden gemeinsam mit den Landwirten Thomas Knecht und Dominik Bellaire sowie Johannes Frey von der Bischoff-Mühle zu einem Pressegespräch ein, um ihr neues Produkt vorzustellen.
„Wir wollen, dass der Verbraucher wieder mehr Bezug zu uns hat. Dass die Leute auf unsere Felder schauen und sagen: Da wächst unser Brot“, erklärt der Neupotzer Dominik Bellaire. Seinem Kollegen Thomas Knecht aus Herxheim geht es ähnlich: Die Ware solle wieder ein Gesicht haben, sagt er. Für Claus Becker ist neben der Nachhaltigkeit auch Transparenz ein Anliegen: „Wir sitzen hier nicht umsonst in meiner Gläsernen Backstube – die Kunden sollen wissen, was verbacken wird, wie verbacken wird.“
Wird das neue Produkt teurer?
Knecht und Bellaire haben bereits erste Felder mit Dinkel, Roggen und Weizen besät. Am Juli steht die Ernte an, ab September will Claus Becker die ersten Brote aus Südpfalzkorn über die Theke reichen. Andere gibt es dann bei ihm auch nicht mehr. Er stellt seine Produktion völlig auf die Körner um, die bei Knecht und Bellaire wachsen und anschließend in der Bischoff-Mühle zu Mehl verarbeitet werden. Etwa 20 Tonnen im Monat wird er verbrauchen, sagt er. Das ist weit weniger als die Gesamtproduktion der beiden Landwirte, die sich laut Knecht auf jeweils rund 450 Tonnen beläuft.
Die Gruppe hofft, dass das Projekt wächst und gedeiht. Becker ist mit Kollegen im Kontakt, die ebenfalls auf das regionale Getreide wechseln möchten. An den Preisen werde sich „aller Voraussicht nach“ nichts ändern, sagt Becker. Mehl sei ohnehin kein großer Preisfaktor. Wenn auch nicht ganz auszuschließen sei, dass die Energie- und Rohstoffpreise zu einer Verteuerung führen könnten.