Neupotz / Herxheim
Projekt Südpfalzkorn: Kurze Wege für Weizen und Mehl
Kräftig hell leuchtet der reife Weizen auf dem Feld von Dominik Bellaire vom Schmiedhof in Neupotz. Dieser Tage wird geerntet und es ist diesmal etwas Besonderes. Während der Landwirt die vergangenen Jahre sein Korn an Großabnehmer wie etwa die Raiffeisen-Zentralgenossenschaft abgeliefert hat, geht das Getreide diesmal ausschließlich an die 25 Kilometer entfernte Bischoff-Mühle in Appenhofen, Ortsteil von Billigheim-Ingenheim. Dort wird es gemahlen und an drei Bäckereien der Region verkauft und transportiert. „Dadurch bleibt das Korn, das hier wächst, auch hier bei uns und das verringert CO2-Emissionen“, sagt Dominik Bellaire: „Wir nennen es ,Südpfalzkorn’ und hoffen, dass die Verbraucher diese Backwaren mit besserer Klimabilanz dann auch kaufen.“
Ab voraussichtlich Ende August werden Brot, Brötchen und Co. mit Südpfalzkorn im Handel sein, und zwar in Kandel (De Zille-Bäck), Edenkoben (De Bäcker Becker) und Maikammer (Bäckerei Stephan). Die Zeichen, dass alles klappt, stehen gut. „Das Wetter war die letzten Wochen doch noch besser als erwartet und die Kornqualität wird hervorragend“, meint Thomas Knecht, Landwirt aus Herxheim, der als zweiter Korn-Erzeuger beim Projekt beteiligt ist.
Ein bisschen entstand die Idee zu der neuen Kooperation aus Frust. Und zwar von allen Beteiligten. Die Landwirte etwa wollen ihren ökologischen Fußabdruck klein halten, wissen aber, dass ihr Korn, das in die Vertriebswege des Großhandels kommt, sehr schlechte Klimabilanzen nach sich zieht. Das ärgert sie. Bei der Bischoff-Mühle hingegen – die einzig letzte verbliebene Mühle der Region – ringt man um Aufträge. Beim Bäckerhandwerk wiederum weiß man, dass Kunden regionale Produkte besonders schätzen. „Allerdings ist es den Bäckern oft unmöglich, dafür auch heimische Zutaten zu beschaffen“, sagt der Brotsommelier Claus Becker, Obermeister der Bäckerinnung Pfalz-Rheinhessen. Oft lässt sich auch aufgrund komplexer Lieferketten des Großhandels der Herkunftsort des Mehls nicht genau bestimmen. „Das wollen wir nicht mehr“, so Becker, der wegen des „Südpfalzkorns“ jetzt froh und zuversichtlich ist.
Angebaut wurden für diese Saison in Herxheim und Neupotz auf etwa 60 Hektar Winterweizen und Winterroggen. Daraus werden ungefähr 400 Tonnen Mehl. Beide Landwirte sind in puncto Nachhaltigkeit sehr aktiv. Sie richten zwischen den Feldern Blühstreifen für Insekten ein oder lassen im Acker Lerchenfenster stehen. Das sind unbestellte Flecken, die den Lerchen als Start- und Landeplatz dienen. Anbau für zertifiziertes Bio-Getreide machen die beiden Landwirte aber nicht.
Vermittelt und die Partner zueinander gebracht hat der Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart (CDU), der vor einem Jahr im Gespräch mit Dominik Bellaire von der unbefriedigenden Situation erfahren hatte. Gebhart klopfte bei der Bäckerinnung an. Dort rannte er offene Türen ein. Zukünftig soll auch ein Logo entworfen werden, damit das Südpfalzkorn visuell ansprechend und einheitlich vermarktet werden kann. Das Projekt steht allen Bäckereien und weiteren Landwirten der Landkreise Germersheim, Südliche Weinstraße und Landau offen. Der Getreideanbau der beteiligten Höfe wird sich dann zukünftig nach den gemeldeten Bedarfen der Bäckereien richten. Eventuell werden die kommenden Jahre auch weitere Kornsorten ausgesät. Angedacht ist auch, dass vor Ort an den Feldern für Passanten Schilder mit Infos zum „Südpfalzkorn“ angebracht werden. Man könnte einen Lehrpfad für Umweltbildung oder ähnliches einrichten. Die Öffentlichkeit nämlich weiß letzten Endes wenig „um ihr täglich Brot“. Der Proteingehalt des Korns etwa unterliegt Schwankungen. Und ebenso hat das Mehl, je nach Stärkeanteil und Typenzahl, unterschiedliche Kleberqualitäten.
Der Brotsommelier kennt sich damit bestens aus und Claus Becker wird das Mehl aus Südpfalzkorn, bevor er es verarbeitet, genau prüfen. Im Idealfall werden zukünftig die Backwaren seines gesamten Sortiments aus Südpfalzkorn hergestellt.