Edenkoben
Proteste gegen Bauprojekt auf Areal des Klosters Heilsbruck
Thomas Speeter und Michael Englert wollen dem Kloster Heilsbruck in Edenkoben neues Leben einhauchen. Die Investoren aus der Südpfalz haben 2019 das Areal erworben. Sie planen, das seit 1981 unter Denkmalschutz stehende Kloster und das Außengelände innerhalb des geschichtsträchtigen Gemäuers zu touristischen Zwecken aufzuwerten. „Die Anlage muss wirtschaftlich betrieben werden, damit sie für die Zukunft erhalten werden kann. Sonst droht der Verfall.“
Mit ihren Ideen stoßen sie aber auf Widerstand. Edenkobener wie Michael Becker und Günter Weis haben sich mit Gleichgesinnten zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen. Die aus 15 Menschen bestehende Gruppe bezieht Stellung: in Leserbriefen nach dem ersten RHEINPFALZ-Bericht, in anderen Medien und auf einer privaten Homepage. Der IG geht es primär um den Denkmalschutz. Sie rechnet aber auch mit Verkehrschaos und Lärmbelästigung. Um Mitstreiter zu gewinnen, hat sie eine Unterschriftenaktion gestartet und dabei nach eigenen Angaben 400 Unterstützer.
Kritik auf verschiedenen Kanälen
Speeter und Englert wollen in der Anlage Beherbergungsmöglichkeiten schaffen: ein Hotel garni mit zwölf Zimmern im Hauptgebäude, für längere Aufenthalte ein Boardinghaus mit vier Zimmern im Nebengebäude. Platz soll es auch für eine Anwaltskanzlei oder eine Arztpraxis geben. Gegen all diese Punkte hat die IG keine Einwände, geht es doch um die Sanierung und damit den Erhalt des Klostergebäudes.
Sie lehnen allerdings die Chalets westlich des Gebäudes im Bereich des Klostergartens ab. Dort müssten Weinbergsflächen weichen. Dabei sei die Klosteranlage seit 1996 eine Denkmalzone. Weis fordert daher: „Das Kulturdenkmal sollte in seiner bestehenden Form erhalten bleiben.“ Neubauten würden den Charakter der Anlage zu stark verändern.
„Weder Ablehnung noch Zustimmung“
Die Denkmalschutzbehörden sind in die Pläne der Investoren eingebunden. Noch vor wenigen Tagen gab es ein gemeinsames Treffen. „Bislang gab es von ihrer Seite keinen Widerspruch“, sagt Speeter. Laut der Behörden wird erörtert, was im Rahmen des Möglichen ist. Denkmalzonen dürften nämlich bebaut werden. Der Austausch werde noch Zeit in Anspruch nehmen.
Allerdings stellt die Landesdenkmalpflege auch klar, dass sie das aus Klostergebäuden, Klostermühle und zugehörigen Frei- und Grünflächen bestehende Areal als eine historische Einheit betrachtet. Sie habe frühere Bauprojekte im Westen der Anlage negativ bewertet – stets mit dem Verweis auf die Integrität der seit dem Mittelalter bestehenden historischen Aussage der Kloster- und Weingutanlage. An dieser Einschätzung hält sie fest. Die geplante Bebauung der Rebflächen würde die Denkmalzone optisch erheblich beeinträchtigen und ihre historische Aussage zerstören.
Dürfen Denkmalzonen bebaut werden?
Für Entscheidungen vor Ort ist jedoch die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Kreisverwaltung SÜW zuständig. Sie merkt an, dass Bauprojekte auf dem Klosterareal unabhängig vom Denkmalschutz gescheitert seien. Sie seien bauplanungsrechtlich nicht zulässig gewesen. „Dies ist der Grund, warum die Stadt aktuell eine Bebaubarkeit durch die Erstellung eines Bebauungsplanes herstellen will.“
Die Stadt hat die Pläne der Investoren frühzeitig offengelegt, damit sich Bürger einbringen. Laut Stadtbürgermeister Ludwig Lintz taten das bereits einige. So wurde Anwohnerparken angeregt, damit Stellplätze an angrenzenden Straßen nicht dauerhaft blockiert werden. Der Stadtrat werde diese und andere Ideen bei der neuen Version des Bebauungsplanes berücksichtigen, welches ein zweites Mal offengelegt wird. „Am Ende liegt es an uns als Stadtrat, einen Bebauungsplan zu formen, der den Erhalt des Klosters wirtschaftlich tragfähig macht, die Auswirkungen auf die Anwohner begrenzt und das historische Erbe und seine Wirkung im Landschaftsbild erhält.“ Wobei die Verwaltung darauf achten muss, dass das Projekt dem Denkmalschutz gerecht wird, sonst ist der Bebauungsplan anfechtbar.
Wellnessbereich könnte gestrichen werden
Für Lintz kommen die Sorgen der Kritiker nicht überraschend: „Es gibt eine Vorgeschichte.“ Vor dem Eigentümerwechsel habe es oft Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben, verursacht durch Feiern auf dem Klosterareal. Die Bauaufsichtsbehörde musste einschreiten. „Nun wird befürchtet, dass das Ganze von vorne losgeht.“ Deshalb hatten sich manche die Stadt als Eigentümerin des Areals gewünscht. „Wir können es uns aber finanziell nicht leisten.“ Das Land hatte ein Vorkaufsrecht für das Objekt, sah jedoch davon ab.
Die Investoren versichern, dass sie keine Partymeile planen. Lediglich eine Handvoll Veranstaltungen im Weinkeller im Jahr mit bis zu 60 Besuchern seien denkbar. Sie würden auch Abstriche machen. So könnte das Wellnessangebot statt im Außenbereich alternativ im Weinkeller geschaffen werden. Festhalten wollen sie jedoch an den zehn geplanten Chalets, damit der Pächter die Anlage wirtschaftlich betreiben kann.
Chaos in der Klosterstraße?
Kritiker rechnen darüber hinaus mit einem Verkehrschaos, da die ohnehin vielbefahrene Klosterstraße die einzige Verbindung zur Anlage ist. Sie befürchten auch einen zunehmenden Parkdruck in der Stadt. Wie die Unternehmer erklären, seien innerhalb des Geländes rund 70 Parkplätze geplant. Sie würden für Gäste und Personal ausreichen. Vorgesehen sei auch ein Shuttle-Service, der aber nur in Einzelfällen aus Lärmschutzgründen im Einsatz sein werde. Nur dann etwa, wenn alle Unterkünfte belegt wären. Also auch jene zwei Chalets und vier Ferienwohnungen, die Klaus Schlosser auf dem angrenzenden Kräutergarten plant. Kommt es abends zu mehr An- und Abfahrten würde der Shuttle ab 22 Uhr Menschen zwischen der Anlage und einem gesonderten Parkplatz am SBK verkehren.
Was ist an Gastronomie geplant?
Bei voller Belegung der Unterkünfte sei mit rund 90 Gästen zu rechnen. Die IG erwartet dagegen Tausende Besuchern. Sie beruft sich auf Zahlen in den Planunterlagen. Speeter sagt: „Sie begehen den Fehler, dass sie alle Zahlen addieren.“ Also auch die Anzahl der Besucher der angedachten Arztpraxis oder des Büros sowie Gäste und Personal der Gastronomie, die alle großzügig geschätzt wurden.
Speeter stellt klar: „Für die Feriengäste planen wir nur ein Frühstück, auf dem Außengelände sollen sie mittags mal eine Tasse Kaffee genießen können.“ Eine größere Gastronomie sei nicht vorgesehen. Auch den DJ verweisen sie ins Reich der Fabel. Kritiker sehen das anders, weil im Lärmschutzgutachten von solch einer Person die Rede ist. Englert zufolge war der Plattenaufleger jedoch in Zusammenhang mit einem Szenario genannt, das nur zur Ermittlung der Lärmgrenzwerte diente. Es würde nicht der Wahrheit entsprechen.
Speeter betont: „Für die Gäste planen wir nur ein Frühstück, auf dem Außengelände sollen sie mittags mal eine Tasse Kaffee genießen können.“ Eine größere Gastronomie sei nicht vorgesehen. Nachbar Klaus Schlosser plant ein Gartencafé. Als Ergänzung zum bisherigen Angebot, also zu den Führungen durch den Kräutergarten und den Hofladen.