SÜW
Prekäre Lage: Wenn die Lust auf Wein sinkt
Den Angaben zufolge verdienen rund 1100 Winzerinnen und Winzer im Landkreis Südliche Weinstraße im Haupt- oder Nebenerwerb Geld mit dem Weinbau. Schon daran wird deutlich, dass dem Wein in der Region große Bedeutung zukommt. Drei Winzer – Karl-Friedrich Junker aus Impflingen, Hansjörg Rebholz aus Siebeldingen und Hermann Augspurger aus Bad Bergzabern – sind Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Weinbau und Landwirtschaft (UKWL) des Kreises Südliche Weinstraße, wo das Thema jetzt zur Sprache kam. Sie berichten von einer prekären Lage. Darauf weist die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße in einer Pressemitteilung hin.
Gerade auch in der Pfalz gibt es viele Betriebe, die sich auf Fasswein spezialisiert haben und große Kellereien beliefern. Dieses Geschäftsmodell gerät ins Wanken – die Preise befinden sich in einer Abwärtsspirale. Die Fassweinpreise seien auf einem Tiefstand, das zeige auch eine Untersuchung der Hochschule in Geisenheim, erklärt Karl-Friedrich Junker, der auch Vorsitzender des Kreisverbandes Südliche Weinstraße im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd ist.
Kostendruck steigt
Er selbst bewirtschaftet mit seinem Betrieb mehr als 40 Hektar Rebfläche. Das Impflinger Weingut verkauft sowohl Flaschenwein als auch Fasswein: „Aktuell bekommen die Fassweinerzeuger, die ihre Weine über Kellereien vermarkten, nur noch 60 bis 70 Cent pro Liter. Damit verkaufen sie den Wein unter den Produktionskosten, die bei etwa 1,20 Euro pro Liter liegen. Wenn das so weitergeht, geht das an die Substanz der Betriebe. Einige hätten zuletzt bereits Kredite aufnehmen müssen, um den Pflanzenschutz zu bezahlen. Das geht auf Dauer nicht gut“, betont er gegenüber der RHEINPFALZ. Der Kostendruck habe auch bei der Flaschenwein-Produktion zugenommen. Allein von 2022 bis 2024 sei bei den Winzern pfalzweit durchschnittlich ein Absatzrückgang von zehn Prozent verzeichnet worden.
Noch vor zwei Jahren sei es den Winzerbetrieben relativ gut gegangen. Während der Corona-Pandemie sei sogar im Schnitt mehr Wein konsumiert worden. „Doch danach ging es in Sachen Konsum und Absatz rapide bergab.“ Dies sei nicht nur in der Pfalz und in Deutschland so gewesen, sondern europaweit. Wegen der Inflation würden viele Menschen nur noch zu besonderen Anlässen Wein kaufen. Anders formuliert: Sie sind preissensibler geworden.
Weinkonsum sinkt
Zudem konsumierten immer weniger Menschen regelmäßig Wein. Auch Jugendliche trinken laut dem Winzer weniger bis keinen Wein – wie die Älteren auch aus gesundheitlichen Gründen, oder weil sie andere Getränke bevorzugen. Auch ein Alkoholverzicht aus religiösen Gründen spiele eine Rolle, führt der Winzer weiterhin an. „Während der Absatz einerseits eingebrochen ist, haben die Winzerinnen und Winzer mit bis zu 30 Prozent höheren Produktionskosten zu kämpfen, bedingt durch gestiegene Kosten für Personal, Energie und Pflanzenschutzmittel.“
Unter dem Strich wird also mehr Wein produziert als die Konsumenten trinken – es besteht ein Überangebot. Und, so Junker, es gebe derzeit keinen Grund anzunehmen, dass sich die Lage schnell verändern werde. „Wenn Winzer ihre Betriebe aufgeben müssen, wirkt sich das natürlich auf unser Landschaftsbild aus, und somit auch auf den Tourismus“, sagt der Impflinger. Kern des Problems: Zu viel Wein gibt es nicht nur in Deutschland. Auch Frankreich und Spanien seien betroffen. Beispielsweise in Bordeaux bekämen Winzer staatliche Prämien, wenn sie ihre Weinberge roden. So sollen Rebflächen stillgelegt werden.
Stilllegungsprogramme als Lösung?
Eine längerfristige Lösung könnten deshalb laut Junker eben solche Stilllegungsprogramme sein. Bedeutet: Eine Wiederbepflanzung von freien Weinbergen könne zum Beispiel um bis zu sechs Jahre herausgeschoben werden, ohne dass die Winzer ihr Pflanzrecht verlieren. Die Flächen könnten zwischenzeitlich zu Blühflächen umgewandelt werden. Die Winzer sollten dafür dann eine Ausgleichszahlung erhalten. Aber auch die Winzer selbst seien gefragt. Es müsse verstärkt auch über andere Bewirtschaftungsformen wie den „Minimalschnitt“ nachgedacht werden, sagt Junker. „Das wird auch schon von einigen gemacht.“ Auch müsse die Werbung für die eigenen Produkte verstärkt werden. Gegebenenfalls müsse auch dem alkoholfreien Wein und pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (Piwis) größere Aufmerksamkeit gewidmet werden, um langfristig Kosten sparen zu können.
Ebenso spiele die Entscheidung der Europäischen Union vor rund zehn Jahren, eine Flächenerweiterung zu ermöglichen, eine Rolle bei der aktuellen Entwicklung. Deutschland habe sich in der Folge auf 300 Hektar pro Jahr mögliche Erweiterungsfläche festgelegt. Somit sei zusätzlicher Wein produziert worden und auf den Markt gekommen, was nun das Überangebot verstärke. Auch deshalb und angesichts der aktuellen Lage könnten einige Winzer ihre Flächen künftig nicht mehr bewirtschaften– mit drastischen Folgen, heißt es weiter.
Rückgang der Rebflächen Herausforderung
„Jeder Winzer und jede Winzerin, die ihren Betrieb schließen muss, versucht, vorhandene Flächen weiterzuverkaufen. An landwirtschaftlich sensiblen Stellen, also dort, wo die Flächen schwer zu bewirtschaften sind, ist das aber nur schwer möglich“, wird Hansjörg Rebholz in der Mitteilung des Kreises zitiert. Ein Winzer mit Erfarung: Vor Kurzem wurde er zum Ökonomierat ernannt, 25 Jahre lang leitete er den pfälzischen Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Ein Rückgang der Rebflächen sei nicht nur eine Herausforderung für die verbleibenden Weinbaubetriebe, sondern für den ganzen Landkreis, der stark vom Tourismus geprägt sei. „Wer lebt und pflegt unsere Weinkultur, wenn es die Winzerinnen und Winzer nicht mehr tun?“ , fragt er.
Angesichts dieser prekären Lage appelliert auch Landrat Dietmar Seefeldt an die Bürger, sofern es Ihre Haushaltskasse erlaubt, beispielsweise für die Feiertage keinen Wein aus Neuseeland oder Chile im Supermarktangebot zu kaufen. Denn das Gute liege so nah. Vortreffliche Weine und Sekte in verschiedenen Qualitätsstufen, immer häufiger auch alkoholfrei, von der Südlichen Weinstraße könne man in unmittelbarer Nachbarschaft erwerben. Der Weinbau schenke dem Landkreis nicht nur den Namen, sondern ermögliche und bereichere auch die Pfälzer Weinfestkultur und die Gastlichkeit.

Dürfen wir nachschenken?
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Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.

