SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Hausärzte in Not: Südpfalz Docs möchten ein MVZ gründen

Die Südpfalz Docs sind überzeugt, als gemeinnützige GmbH noch erfolgreicher zu sein im Kampf gegen den Ärztemangel.
Die Südpfalz Docs sind überzeugt, als gemeinnützige GmbH noch erfolgreicher zu sein im Kampf gegen den Ärztemangel.

Die Südpfalz Docs möchten zwei Arztpraxen im Landkreis SÜW zur Hilfe eilen. Sie befinden sich an einem Ort und finden beide keinen Nachfolger. Doch es gibt auch Kritik.

Die Südpfalz Docs möchten den Kampf gegen den Ärztemangel auf dem Land professioneller angehen. Denn auf Dauer könne diese Aufgabe nicht mehr in ehrenamtlicher Form geleistet werden, wie Allgemeinmediziner und Vereinsvorstand Jonas Hofmann-Eifler diese Woche Kreispolitikern verdeutlichte.

Dass sich die Mühe lohnt, Ärzten bei der Suche nach Verstärkung oder einem Nachfolger behilflich zu sein, hat das aus rund 250 Mitgliedern bestehende Ärztenetzwerk bereits mehr als 40 Mal bewiesen: Indem es Ärzte und Weiterbildungsassistenten zu Medizinern vermittelte, die angesichts des steigenden Aufwands oder Patientenzahlen Unterstützung benötigten. Das war beispielsweise im Frühjahr 2024 in Edenkoben der Fall. An verschiedenen Standorten gelang es auch, Nachfolger für Praxen zu finden, in denen die Allgemeinmediziner die Führung altersbedingt abgeben wollten, etwa in Offenbach und Essingen.

Hausärzte finden keine Nachfolger

Nun möchten die Südpfalz Docs über eine gemeinnützige Gesellschaft eigene Praxen gründen, um die wohnortnahe Versorgung der Menschen sicherzustellen. „Dabei wird keine Konkurrenz zu bestehenden Praxen geschaffen, sondern vor der Schließung befindliche Praxen sollen gerettet werden“, sagt Hofmann-Eifler.

SOS-Signale gibt es dabei in Bad Bergzabern. Dort suchen gleich zwei Hausarztpraxen seit Langem vergeblich nach Ärzten, die Team und Patienten übernehmen, damit deren Zukunft gesichert ist. Die beiden Inhaber stehen kurz vor ihrem Ruhestand. Die Südpfalz Docs möchten die Kollegen in der Kurstadt retten. Angedacht ist die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Auf diese Weise könnten Ärzte für den Standort beschäftigt werden. Denn zu solch einem Angestelltenverhältnis tendieren immer mehr junge Ärzte. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Wann das MVZ starten soll

Angehende Mediziner möchten keine finanziellen Risiken eingehen, die sich durch eine Praxisübernahme oder -neugründung ergeben. Sie scheuen auch die steigende Dokumentationspflicht. Am wichtigsten ist ihnen aber eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Stichwort: Work-Life-Balance. Dass dem so ist, zeigten auch repräsentative Studien, informiert Sven Koch (CDU), der im Landtag stellvertretendes Mitglied im Gesundheitsausschuss ist.

Die Namen der Hausärzte möchte Hofmann-Eifler zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Auch, um Unruhen bei den Patienten zu vermeiden. Im Jahr 2026 könnte aber das MVZ starten. Der Standort in Bad Bergzabern sei aber noch unklar. Diese und andere Fragen werden mit der Stadt und der Verbandsgemeinde aktuell erörtert. „Wir sind in Gesprächen“, betonte Hofmann-Eifler im Kreisausschuss, dem politischen Gremium des Landkreises SÜW. Sein Besuch hatte einen besonderen Hintergrund.

Kommunen stellen Geld bereit

Denn in den vergangenen Wochen haben die politischen Gremien der Landkreise SÜW und Germersheim sowie der Stadt Landau entscheiden müssen, ob sie den Südpfalz Docs bei der Gründung der gGmbH behilflich sein möchten. Zusammengerechnet 120.000 Euro sollen die drei Kommunen für die nächsten beiden Jahre zur Verfügung stellen. Im Gegenzug gibt es Sitze im Beirat der gGmbH, sodass sie beratende und kontrollierende Aufgaben wie in einem Aufsichtsrat haben werden.

Die Kreistage SÜW und Germersheim haben die Südpfalz Docs bereits auf ihrer Seite. Kritische Anmerkungen gibt es allerdings von Volker Thorn (FDP), der in Landau und Umgebung als Hals-Nasen-Ohren-Arzt bekannt ist. Er ist skeptisch, ob das MVZ Erfolg haben wird. Denn seiner Ansicht nach müsste die wirtschaftliche Verantwortung einer Praxis in den Händen eines Arztes liegen, damit es dauerhaft erfolgreich ist. Bundesweit gebe es Berichte von MVZs, die bankrottgegangen seien.

Hofmann-Eifler: „Äpfel mit Birnen verglichen“

Für Hofmann-Eifler hinke der Vergleich. Er betont, dass man von ihrem Modell überzeugt sei, weil es sich von Medizinischen Versorgungszentren unterscheide, die er, Thorn, meine. Es handele sich um Einrichtungen, die von Investoren oder Kommunen geführt werden. Wenn man von Zahlen getrieben sei oder von der Materie keine Expertise habe, könne es zu diesen finanziellen Schieflagen kommen.

In der Südpfalz dagegen würde das MVZ der Südpfalz Docs im Schulterschluss mit den Kommunen realisiert werden. Mit Partnern, zu deren ordinären Aufgaben nicht die hausärztliche Versorgung gehört. Vielmehr ist das Sache der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz.

Ärzte werde man für die Anstellung bei der gGmbH finden, um ein MVZ in Bad Bergzabern eröffnen zu können. Es gibt laut Hofmann-Eifler schon zahlreiche Interessenten aus den eigenen Reihen, vor allem wegen der modernen Anstellungsmodalitäten, wozu die Bezahlung nach Tarif, Zeiterfassung von Überstunden oder auch Teilzeitmodelle und Arbeiten aus dem Home-Office gehören. „Vor allem aber das kollegiale Arbeiten im Team auf Augenhöhe ohne lähmende Hierarchie ist uns wichtig.“

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