Zur Sache
Die Baupläne – zwischen Verheißung und Wirklichkeit

Im Juni sollen die ersten Bagger rollen – ist das realistisch?
Bei der Vorstellung des Pläne gegenüber der RHEINPFALZ hatte Pfalz Wärme noch keinen Antrag bei der Bauverwaltung gestellt, aber bereits erklärt, im Juni mit Erdarbeiten und im Juli mit dem Rohbau beginnen zu wollen. Zunächst gehe es um zwei Wohnkomplexe mit je 25 Wohnungen. Stand damals hieß es, man werde die Pläne in zwei Wochen, also jetzt, bei der Bauabteilung einreichen. Mittlerweile hat die Pfalz Wärme den Zeitpunkt auf „in den kommenden zehn Tagen“ verschoben. Denn man habe „in den vergangenen Tagen viele neue Erkenntnisse erlangt“. Deswegen bittet der Investor für nähere Auskünfte noch um Geduld. Bürgermeister Christian Burkhart erklärt, dass an jener Stelle ein Bauvorhaben im Freistellungsverfahren umgesetzt werden kann, wenn die Erschließung gesichert ist und sich an den Bebauungsplan gehalten wird. Das bedeutet, dass es keiner Baugenehmigung bedarf, sondern der Bau lediglich angezeigt werden muss. Der Verwaltungschef schränkt jedoch ein, dass die Gemeinde innerhalb eines Monats erklären könne, dass ein Genehmigungsverfahren durchlaufen werden muss.
Schicker Wohnkomplex im römischen Stil – ist das dort erlaubt?
Laut Investor sind Mehr-Parteienhäuser im römischen Stil geplant – zwei Vollgeschosse und ein Penthouse mit einem begrünten Flachdach. Projektleiter Waldemar Nürnberg behauptet, dass man sich an die Vorgaben des Bebauungsplans halten werde. Fakt ist aber, dass diese Gebäudepläne nicht den Bestimmungen des Plans „Kolchenbach“ entsprechen. Der sieht nämlich nur zweigeschossige Häuser mit Satteldach vor, wie die VG-Verwaltung erklärt. Um die Villen, wie verheißen, bauen zu können, müsste der Bebauungsplan geändert werden. Zwar meint die Pfalz Wärme auf Rückfrage, dass das geplante Flachdach nur eine Abweichung darstelle und keine Planänderung nötig mache, doch das sieht die Verwaltung anders: „Die Zulässigkeit von Flachdächern ist nur über die Änderung des Bebauungsplans möglich“, so Hans-Peter Spies auf Nachfrage. Das wiederum müsste der Gemeinderat beschließen, und ein öffentliches Verfahren würde in Gang gesetzt. Burkhart überschlägt: „Dafür müsste man mindestens ein halbes Jahr ansetzen.“
Die Firma Speeter wurde für den Rohbau gewonnen – stimmt’s?
Wie das Immobilienbüro Will, das die Wohnungen vermarktet, ankündigt, wird die in der Region bekannte Bornheimer Baufirma Speeter voraussichtlich den Rohbau ausführen. Geschäftsführer Daniel Bosch bestätigt, dass Speeter dafür zur Verfügung stehen würde. Es habe bisher allerdings nur ein erstes Gespräch gegeben, Verträge seien noch nicht gemacht. Und er legt Wert darauf, dass Speeter nur als Baufirma tätig sein würde und sich von der Gesamtplanung des Projekts distanziert. „Wir würden nur ein Projekt entwickeln, das auch in die Region passt“, sagt er.
Hinter den Wohnhäusern soll eine Parkanlage errichtet werden – geht das so einfach?
Rund um die Freiheitsstatue soll ein Park mit Teich, Spielplätzen und Ruheoasen entstehen. Autohausbesitzer Harald Weis bestätigt, dass er dafür sein Wiesengrundstück verkaufen würde. Ob es nun 15.000 oder 25.000 Quadratmeter werden, da gehen die Zahlen noch auseinander. Der Investor sagt hier ebenfalls, dass dafür keine Bebauungsplanänderung nötig sei. Die Verwaltung hingegen erklärt auf Anfrage, dass für solch einen Park der Plan geändert werden müsste.
Eine geschlossene Wohnanlage – ist das überhaupt machbar?
Laut Kreisverwaltung gibt es keine gesetzlichen Regelungen dazu. Ortsbürgermeister Ernst Spieß hat zwar geäußert, dass er von solch einer Abschottung nichts halte. Aber auf Privatgelände spricht nichts dagegen. Auch in anderen deutschen Städten gibt es „gated communities“. Ein Blick ins Detail wirft allerdings eine Frage auf: Der Investor will die Wohnhäuser und den Park umzäunen. Doch zwischen den geplanten Häusern und dem Wiesengrundstück verläuft ein Weg. Ein öffentlicher Weg, der der Gemeinde gehört. Wie die Verbindung zwischen den beiden Bereichen geschaffen werden soll, ist noch fraglich.
Der Strommast auf dem Gelände soll weg – spielen die Pfalzwerke mit?
Auf der Wiese hinter dem Autohaus steht ein Strommast, der abgebaut werden soll. Die Leitungen sollen unterirdisch verlegt werden, kündigt Pfalz Wärme an. Denn wo die Stromleitung verläuft, kann nicht gebaut werden. Dies betrifft den zweiten Wohnkomplex. Wie die Pfalzwerke Netz AG bestätigt, gab es Anfang März ein Info-Gespräch. „Wir haben den Investor gebeten, uns einen Auftrag zuzusenden, damit wir ein Angebot erstellen können. Dies ist bislang nicht erfolgt“, berichtet Pressesprecherin Susanne Becker.
