Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel „Wir sind alle am Kalkulieren“: Firmen aus dem Kreis Kusel im Umgang mit hohen Spritpreisen

Existenziell: Die hohen Spritpreise treffen Unternehmen teilweise hart. Vor allem, wenn sie an feste Tarife gebunden sind.
Existenziell: Die hohen Spritpreise treffen Unternehmen teilweise hart. Vor allem, wenn sie an feste Tarife gebunden sind.

Die Spritpreise sind nach wie vor hoch. Wie gehen Unternehmen und Organisationen im Kreis Kusel mit den erheblichen Mehrkosten um? Wo kann überhaupt gespart werden?

Die Anzeigetafeln an den Tankstellen und die Tank-Apps sorgen derzeit für mulmige Blicke. Was Privatpersonen belastet, trifft Unternehmen im Kreis mindestens ebenso stark. Noch vor der Ankündigung von Entlastungen durch die Bundesregierung schilderten sie, wie sie die Preisexplosion erleben. In einem Punkt sind sich alle Befragten einig: Auf Dauer kann es so nicht weitergehen.

Für Matthias Ludwig, Inhaber des Fahrservice Rosenberger, waren die Spritpreise bisher ein Stellhebel für den Gewinn. „Bis vor einiger Zeit konnten wir bestimmte Zeitfenster nutzen, um günstig zu tanken. Das ist natürlich seit Beginn des Krieges überhaupt nicht mehr möglich, da eine Preisrallye ohne Fass und Boden eröffnet wurde“, sagt er. Unternehmen in einer strukturell schwächeren Region treffe das besonders.

Spielräume sind begrenzt

Als Gegenmaßnahme passt der Fahrdienst die Preise bei freien Fahrten an und tankt kleinere Mengen pro Vorgang. Weil das Unternehmen neben regulären Taxifahrten auch Krankentransporte übernimmt, sind die Spielräume jedoch begrenzt. Die Kundschaft reagiere trotz der angespannten Lage überwiegend verständnisvoll.

Noch weniger Möglichkeiten hat der Rettungsdienst. „Einsätze und Abläufe sind von Spritpreisen unabhängig. Nach einem standardisierten Abfrageschema wird ermittelt, welches Rettungsmittel ausrückt. Im Rettungsdienst gilt stets die Nächste-Fahrzeug-Strategie“, erklärt Axel Gilcher, Geschäftsführer des Unternehmens Rettungsdienst Westpfalz.

„Allerdings können wir auch hier nicht direkt und aktiv eingreifen, indem wir, wie in anderen Bereichen oftmals üblich, gestiegene Kosten etwa an die Verbraucher, bei uns an die Patienten, weitergeben“, sagt er. Alle Aufwendungen im Zusammenhang mit der Leistungserbringung seien über Einsatzentgelte gedeckt, die landesweit einmal jährlich mit den Kostenträgern verhandelt werden. Nur bei sehr hohen, unvorhersehbaren unterjährigen Veränderungen sei eine Nachverhandlung möglich.

Nachverhandlungen mit den Kostenträgern

Ob das bei den aktuellen Spritpreisen greift, sei offen. „Bei Bedarf passen wir Liquidität und Finanzplanung an und verschieben im Zweifel Investitionen. In der Notfallrettung sind wir bei Fahrzeugtypen limitiert, etwa durch Vorgaben zur Motorleistung. Auf den Verbrauch haben wir wenig Einfluss“, so Gilcher. Eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge sei wegen der Infrastruktur derzeit kaum machbar. Zusätzlich zur Rettungswache bräuchte es an jeder Klinik Schnelllader, um lange Strecken abdecken zu können.

Ein Mann spricht vom Kampf ums wirtschaftliche Überleben: Sollten die Kraftstoffpreise auf dem derzeitigen Niveau bleiben, kann Thorsten Schmitt die Belastung nicht mehr tragen. Der Geschäftsführer der Firma Holzbau Tülp in Altenglan ist alarmiert: „Die aktuellen Spritpreise treffen uns hart. Wir sind täglich auf unsere Fahrzeuge angewiesen.“ Diese Ausgaben ließen sich weder vermeiden noch kurzfristig reduzieren. „Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, wird wirtschaftliches Arbeiten ohne vollständige Weitergabe der Mehrkosten an Kunden immer schwieriger“, sagt der Geschäftsführer.

Intern prüft das Unternehmen Abläufe und Effizienzreserven: optimierte Einsatz- und Tourenplanung, stärkere Bündelung von Fahrten und mehr Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten, um Transportwege zu reduzieren. „Wir stoßen jedoch an klare Grenzen – vieles lässt sich nicht kompensieren. Deshalb denken wir über strukturelle Anpassungen nach, passen Kalkulationen an und prüfen den Verkauf von Fahrzeugen aus dem Fuhrpark. Es geht nicht mehr nur um Optimierung, sondern um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Betriebs“, so Schmitt. In der Branche gehe es angesichts steigender Transport- und Materialkosten inzwischen ums Überleben.

Auch die Landwirte sind nicht verschont

Hohe Preise, wenige Optionen – das trifft auch auf die Landwirtschaft zu: „Das Getreide wurde im Herbst ausgesät und muss bis zur Ernte begleitet werden. Einsparungen sind kaum möglich. Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, um den Kostendruck zu bewältigen“, sagt Landwirt Joachim Kreischer. Obwohl die Produktion teurer werde, stiegen die Erzeugerpreise nicht entsprechend. Der Rohstoffanteil am Endprodukt sei gering – bei einem Brötchen gehe es um wenige Cent. Höhere Verbraucherpreise entstünden vor allem in Verarbeitung, Energie, Transport und Handel.

Auch beim ambulanten Pflegedienst von Hilmar Schwager stehen Einsparüberlegungen an. „Wir planen ohnehin effizient, etwa bei den Touren. Nun müssen wir prüfen, welche Gebiete in dieser Form noch angefahren werden können“, sagt er. Es gehe nicht darum, Pflegebedürftige im Stich zu lassen, sondern Anfahrten zeitlich anders zu organisieren – abhängig von Bedürfnissen und Situationen. Neben der ambulanten Pflege bieten seine Mitarbeitenden Essen auf Rädern und Alltagshilfe an.

Ein Umstieg auf Elektrofahrzeuge wird diskutiert, scheitert derzeit aber an Vertragsbindungen und Zweifeln an der Ladeinfrastruktur. Die Fahrzeuge legen rund 30.000 Kilometer im Monat zurück. „Der Kunde muss versorgt werden. Da darf auch kein Energiepreis dagegen sprechen“, erklärt Schwager bestimmt. „Wir sind alle am Kalkulieren“, sagt er resigniert.

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