Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel „Westrich Award“ für ein tiefes Loch, einen mysteriösen Automaten, ein Lächeln und ...

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Zum ersten Mal vergibt die Lokalredaktion Kusel in diesem Jahr die „Westrich Awards“ in verschiedenen Kategorien. Die sind, zum Jahresende ist uns das hoffentlich erlaubt, nicht ganz ernst zu nehmen – und schon gar nicht mit Geldpreisen verknüpft.

Den deutlich knackigeren Namen „Westpfalz Award“ hat sich die Zukunftsregion Westpfalz schon lange gesichert. Der Verein zeichnet seit Jahren im Winter Menschen aus, die sich um die Entwicklung der Region verdient gemacht haben. Dass der Name also schon weg ist, ist kein Problem für die RHEINPFALZ-Lokalredaktion in Kusel: Wir vergeben in diesem Jahr zum ersten mal die „Westrich Awards“. Eine intensive, dreiminütige Google-Suche zeigt, dass es diesen Preis bislang noch nicht gibt, aber der Fotograf Josh Westrich 2019 einen Award für ein Portfolio von acht Algen-Porträts bekommen hat.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum „Westpfalz Award“ ist, dass es bei uns außer Ruhm und Ehre und vielleicht ein bisschen Häme nichts zu gewinnen gibt. Da längst nicht nur Menschen ausgezeichnet werden, wäre ein Geldpreis auch schwierig umzusetzen ... In einer kleinen Jury-Begründung erklären wir, wieso jemand oder etwas für uns preiswürdig ist. Die Jury besteht aus zwei alten weißen Männern und zwei jungen Kolleginnen aus der Lokalredaktion Kusel.

Zwar schaffen wir es in diesem Jahr nicht, einen Publikumspreis zu vergeben, aber wir nehmen Ihre Vorschläge gerne entgegen. Wer oder was hätte 2024 eine Auszeichnung verdient – und wieso? Schreiben Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, gern eine kurze E-Mail an: redkus@rheinpfalz.de. Bitte mit einer knappen Begründung, die freilich nicht bierernst sein soll. Eine Auswahl wird womöglich veröffentlicht.

Erdloch des Jahres: das Loch im Garten der Familie Mohrbacher in Altenkirchen

Wenn einem beim Rasenmähen auffällt, dass irgendetwas mit dem Boden im eigenen Garten nicht stimmt, kommt man schon mal ins Schwitzen. Familie Mohrbacher aus Altenkirchen hat diese Erfahrung machen müssen: In ihrem Garten hat sich neben dem ehemaligen Hühnerstall ein Loch aufgetan – bereits im Jahr 2023. Ein sogenannter Tagesbruch hat sich ereignet. Die Strapazen, die das Loch verursacht hat, halten bis heute an.

Im Garten der Familie Mohrbacher hat sich ein Loch aufgetan – so groß, dass man sogar hineinklettern kann.
Im Garten der Familie Mohrbacher hat sich ein Loch aufgetan – so groß, dass man sogar hineinklettern kann.

Dass in Altenkirchen einst Steinkohlebergbau betrieben wurde, ist bekannt. Landkarten zeigen, dass unter dem Anwesen der Familie alte Stollengänge verlaufen, ein Gutachten belegt dies auch. Eigentümerin des alten Bergwerks ist eine Tochtergesellschaft der BASF, auch die SGD Süd ist als Behörde in die Angelegenheit involviert. Doch weder das Unternehmen noch die Behörde scheinen sich tatsächlich verantwortlich dafür zu fühlen, während Grundstückseigentümer Dirk Mohrbacher fordert, dass die alten Gänge aufgefüllt werden. Er hat einigen Schriftverkehr auf sich nehmen müssen. „Leider hat sich vor Ort noch immer nichts getan“, sagt er bei einem Telefonat mit der RHEINPFALZ kurz vor Weihnachten. Das Loch sei noch immer da. Und weitere könnten sich öffnen.

Begründung der Jury: Löcher sind entweder da oder nicht da, man weicht ihnen aus, um nicht hineinzufallen, und wenn sie schwarz sind und sich im Weltraum befinden, kann ihnen eh nichts entwischen. Aber dass ein Loch für einen Privatgrundbesitzer eine derartige Tortur nach sich zieht, ist selten. Der Titel „Erdloch des Jahres“ ist verdient. Und der Familie ist zu wünschen, dass die Verantwortlichen das Problem bald mit Erde auffüllen.

Uhr des Jahres: Die Wasseruhr als gefragtes Fotomotiv

Rolex, Breitling, Omega und Co. können einpacken. In diesem Jahr ist eine andere Uhr in den Fokus gerückt – zumindest im Einzugsgebiet der Westricher Rundschau. Über Jahrzehnte hat die Wasseruhr im dunklen Keller ein Schattendasein geführt. Das hat sich jetzt geändert. Sie hat den namhaften Luxusuhren den Rang abgelaufen und ist zum gefragtesten Fotomotiv 2024 geworden.

Die Uhr des Jahres.
Die Uhr des Jahres.

Hintergrund war ein Ereignis, das sich wohl auch getrost als „Aufreger des Jahres“ betiteln lässt: das neue Gebührenmodell für Wasser und Abwasser in der VG Kusel-Altenglan. Logisch, dass die zahlreichen Beiträge in der Westricher Rundschau zu diesem Thema auch bebildert werden mussten – immer nur dieselbe Uhr wäre ja langweilig. Mehrere Leser sind unserem Aufruf gefolgt und haben uns kreative Bilder Ihrer Wasseruhr – unserer Uhr des Jahres – gesendet.

Begründung der Jury: Die Wasseruhr hat gezeigt, wie viele Gesichter sie hat und Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben bewiesen, wie sich die gefragte Uhr kreativ in Szene setzen lässt. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Automat des Jahres: der Mystery-Automat am großen Kuseler Kreisel

Ein Automat, in den man Geld einwirft, obwohl man keine Ahnung hat, was er ausspuckt? Gibt’s längst nicht nur – aber auch – in Kusel. RHEINPFALZ-Volontär Moritz Vogt und die Redaktion hatten im Sommer den Selbstversuch gewagt und mehrere Päckchen aus dem Automaten geholt.

Wie Betreiber Sascha Theis aus Bergen (Kreis Birkenfeld) damals verriet, tourt er durch Deutschland, um bei Großhändlern palettenweise die Retourenpakete zu kaufen. Die Päckchen werden dann auf seine Automaten aufgeteilt und warten auf Glücksritter. Die dann beim Öffnen auf den großen Wurf, ein neues Handy oder wertvolle Elektronikartikel hoffen. Im großen RHEINPFALZ-Selbstversuch jedoch waren die Erfolgserlebnisse überschaubar: In einem Päckchen fand sich ein hellblaues XL-Kleid mit Spitze an Brust und Ärmeln. Wir rätseln bis heute, ob es ein Nachthemd oder ein Sommerkleid ist ... Außerdem hatten wir einen Wecker samt Temperaturanzeige „Made in China“ aus einem „Mysterypack“ gezogen.

Begründung der Jury: Geld-, Milch- und Eisautomaten kennt inzwischen jedes Kind. Doch der Mystery-Automat in Kusel am großen Kreisel, der fasziniert seit Sommer die Menschen. Der Nervenkitzel funktioniert offenbar noch immer, denn seit einiger Zeit steht dort an der Stelle eine größere Variante als der noch auf dem Foto zu sehende erste Automat. Wer für die Silvesterfeier noch eine Partyidee braucht – bitte schön!

Ursaurier des Jahres: der Stenokranio boldi vom Remigiusberg

Ein internationales Forscherteam, mit Sebastian Voigt und Jan Fischer vom Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg, hat durch die Bearbeitung von Fossilienfunden vom Remigiusberg eine neue Ursaurierart nachgewiesen – und im Januar die Facharbeit „A new eryopid temnospondyl from the Carboniferous-Permian boundary of Germany“ dazu veröffentlicht.

Im Auftrag der Leser unterwegs: Volontär Moritz Vogt am Mystery-Automaten im Sommer in Kusel.
Im Auftrag der Leser unterwegs: Volontär Moritz Vogt am Mystery-Automaten im Sommer in Kusel.

Das nach seiner speziellen Kopfform Stenokranio (griechisch: stenos plus kranio ergibt „Schmalschädler“) benannte Tier lebte vor knapp 300 Millionen Jahren und war eines der größten Raubtiere seiner Zeit. Stenokranio boldi wurde bis zu anderthalb Meter lang, hatte einen großen, flachen Schädel mit vielen spitzen Zähnen und ernährte sich von Fischen und anderen Ursauriern.

Die Fossilien der neu entdeckten Ursaurierart sind mittlerweile auf Burg Lichtenberg in die Dauerausstellung des Urweltmuseums Geoskop integriert.

Begründung der Jury: Er war 2024 DER Botschafter des Kuseler Landes: Stenokranio boldi. Nachdem das Forscherteam im Januar das Bild des – lächelnden? – Urzeitwesens veröffentlicht hatte, ging es online „durch die Decke“. Etliche Internet-Memes haben das Urzeitwesen aufgegriffen und es unter anderem als neues Pokémon vorgeschlagen. Das Lächeln kann man sich übrigens ins Haus holen: Postkarten gibt es im Museum noch!

Auto des Jahres: Arabella aus Glantal in Hamburg bekannt

Sie nähert sich dem „Rentenalter“ – surrt aber flott wie eh und je: Mit ihren 63 Lenzen ist die Borgward Arabella von Nadine Morgenstern aus Erdesbach weithin rumgekommen. Und hat ungezählte bewundernde Blicke auf sich gezogen. Ein Zeitungsbeitrag hat es sogar bei einem Pfälzer in Hamburg klingeln lassen: Christian Steiger aus Limburgerhof hat den Wagen gleich wiedererkannt und Interessantes zu dessen Vorgeschichte beigesteuert.

Diese Zeichnung begeisterte im Januar 2024 das Netz – und machte Stenokranio boldi zum Internet-Meme.
Diese Zeichnung begeisterte im Januar 2024 das Netz – und machte Stenokranio boldi zum Internet-Meme.

Das Foto eines Oldtimers aus der Pfalz zündet in der Hansestadt Funken der Erinnerung – das wäre einem Lastenfahrrad wohl kaum geglückt. Dies zeigt: Die Welt ist klein und die Faszination Automobil groß.

Begründung der Jury: Da kommt kein E-Gefährt mit: Ob die Stromer je Oldtimer- und Kultstatus erreichen – fraglich. Die Arabella jedenfalls taugt hervorragend als Thema für die unter Automobil-Enthusiasten so beliebten „Benzingespräche“.

Rollt heute durchs Kuseler Land: der Borgward Arabella.
Rollt heute durchs Kuseler Land: der Borgward Arabella.
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