Rehweiler
Vom Einkauf bis zum Zeitunglesen: So werden Ältere fitter im Umgang mit digitalen Medien
Sie können bunt, laut und nervtötend sein, sie kommen mit Begriffen wie Cookies und Widgets daher, senden uns Benachrichtigungen, die wir nicht lesen wollen, aber haben eben auch allerhand nützliche Funktionen, die uns den Alltag erleichtern können. Regelmäßig schaffen sie es, dass Menschen in ihrer virtuellen Welt versinken: Smartphones und Tablets sind für viele zu ständigen Begleitern geworden.
Dabei werden gelegentlich Glaubenskriege zwischen Apple- und Android-Nutzern ausgetragen: „Das sind die beiden großen Fraktionen“, sagt Stefan Göttel, Digitalbotschafter aus Matzenbach. Doris Zimmer zählt zur Samsung-Fraktion: Sie sitzt im Rehweilerer Dorfgemeinschaftshaus an einem großen Tisch zwischen anderen Menschen, vor sich ihr Smartphone. „Jetzt gucken wir mal“, sagt sie und versucht, ihr Handy erneut mit dem drahtlosen Netzwerk zu verbinden. Es klappt. „Wenn das Wlan einmal eingerichtet ist, merkt sich das Gerät diese Verbindung in der Regel“, sagt Stefan Göttel in die Runde. Zu seinem Grundlagenkurs in Sachen Umgang mit Smartphones und Tablets sind 13 Besucher gekommen; die einen wollen mehr über ihr Smartphone lernen, die anderen haben eher begleitende Funktion. Auch der Ortsbürgermeister Frank Scholz ist da, umrundet den Tisch und bietet hier und da seine Hilfe an.
Auch Hausbesuche sind möglich
Im Landkreis Kusel, insbesondere im Süden des Kreises, gibt es neben Stefan Göttel noch fünf weitere ausgebildete ehrenamtliche Digitalbotschafter, die Kurse organisieren, um den Senioren den Umgang mit ihren digitalen Alltagsbegleitern zu vereinfachen. Insgesamt sind es sieben im Kreis, einer davon gibt keine Seminare.
Göttel leitet den Kurs mit einer kleinen Präsentation ein, in der er die Ambitionen und Angebote der Digitalbotschafter vorstellt. Ein großes Ziel ist, Senioren den Einstieg in die digitale Welt mit Tipps und Antworten auf ihre Fragen zu erleichtern, sagt er. Außerdem stünden die Digitalbotschafter auch außerhalb der Kurse als Ansprechpartner zur Verfügung. Für Menschen, die nicht mobil sind, werden auch Hausbesuche angeboten, stellt Göttel das Angebot weiter vor.
„Wer hat das Rädchen abmontiert?“
Zum Einstieg in die vielschichtige Digitalwelt führt der Matzenbacher mit Hilfe eines Beamers – die Ansicht seines Smartphones ist an die Wand projiziert – nicht nur vor, wie man sein Gerät mit Wlan verbindet, sondern auch den Modellnamen seines Geräts ermittelt, die Bildschirmhelligkeit und Schriftgröße verändert oder eine App installiert und diese wieder löscht. Als kleine Übung sollen sich die Besucher die Abfall-App des Landkreises Kusel installieren. Die Matzenbacherin Doris Zimmer kann durch den Kurs nun die nächsten Abfuhrtermine auf dem Handy einsehen. Das findet sie ziemlich praktisch.
Einige der Funktionen, etwa das Verstellen der Helligkeit, sind über mehrere Wege ausführbar, zum Beispiel über die Einstellungen. Und die sind ziemlich umfangreich. Dort die richtige Unterkategorie zu finden, ist für alle Kursteilnehmer demnach nicht so einfach. Einer fragt laut in die Runde: „Wo ist denn jetzt das Rädchen, wer hat’s abmontiert?“ Das entlockt einigen Umsitzenden ein Lachen. Göttel hat nämlich zuvor erklärt, dass die Einstellungen-App an einem Zahnradsymbol zu erkennen ist.
Familie kontaktieren, beim Einkaufen sparen
Wegen der verschiedenen Handymarken und -modelle, die jeweils unterschiedlich zu bedienen sind, gibt es nicht für alle Fragen eine allgemeingültige Antwort. „Auch ich lerne mit jedem Seminar dazu“, sagt Kursleiter Göttel. Besondere Herausforderungen sind oft sehr alte Modelle, so zum Beispiel das Klapphandy von Marlies Schulz aus Matzenbach. Sie möchte mit ihrem Gerät vor allem zwei Dinge tun: in Kontakt mit ihrer Familie treten und beim Einkaufen durch die Apps der Discounter Geld sparen. Auch andere Senioren am Tisch sagen, dass sie ihr Handy für mehr eigentlich nicht brauchen. Wieder andere haben jedoch ein Interesse daran, tiefer in die digitale Welt einzutauchen. Sie möchten sich beispielsweise über aktuelles Geschehen in der Region und der Welt informieren, etwa Karl-Heinz Cloß aus Rehweiler, der sich während der Lernstunde auf seinem Tablet die RHEINPFALZ-App installiert. Dort finden Leser alle Inhalte aus allen Lokalausgaben der Zeitung.
Stefan Göttel klärt auch über digitale Sicherheit auf. Er empfiehlt, Wlan und mobile Endgeräte mit Passwörtern oder Pins zu schützen, damit keine fremden Personen darauf Zugriff haben. Auffällig ist, dass viele Senioren ein Passwort zum Schützen ihrer Daten als unnötig oder gar störend empfinden und deshalb darauf verzichten möchten. Aber es treten auch andere Fragen auf: „Was passiert denn mit meinem Handy, wenn ich sterbe und niemand hat das Passwort?“, will ein Besucher wissen. Hierzu gibt es Informationen in weiterführenden Kursen, sagt Göttel. Die Themen digitaler Nachlass und Datensicherung würden dort behandelt – unter anderem. Ein Schwerpunkt könne auch das digitale Zeitunglesen sein.
Es soll weitere Termine geben
Denn obwohl in den eineinhalb Stunden schon viele Fragen beantwortet werden, findet bei Interesse vier bis sechs Wochen später ein weiterer Termin statt. Auch in Rehweiler stößt dieser Vorschlag auf Zustimmung. Göttel erklärt, dass bei den Folgeterminen stets Themen behandelt werden, die die Senioren am meisten interessieren. In Rehweiler soll es am 11. März, 16 Uhr, wieder im Dorfgemeinschaftshaus, insbesondere um das Thema Whatsapp gehen. Die Digitalbotschafter bieten oft Seminare in mehreren Gemeinden an. Stefan Göttel gibt auch Kurse in Langenbach und Neunkirchen.
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