Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Reptilien-Fachberater: Von heimischen Schlangen und dem richtigen menschlichen Verhalten

Aspisvipern sind wie Kreuzottern giftig. Im Landkreis Kusel sind die Tiere eigentlich nicht heimisch. In den vergangenen Jahren
Aspisvipern sind wie Kreuzottern giftig. Im Landkreis Kusel sind die Tiere eigentlich nicht heimisch. In den vergangenen Jahren wurden allerdings in Schönenberg-Kübelberg zwei Exemplare entdeckt.

Auf die Bedrohung von Reptilien will der Welttag der Schlangen am Dienstag, 16. Juli, aufmerksam machen. Besonders reich ist die Schlangenpopulation in unserer Region nicht, allerdings kommt eine Art häufiger vor.

Sie sind glitschig, sie können giftig sein und unter Umständen sogar Menschen töten. Viele Menschen assoziieren eher negative Aspekte mit Schlangen, auch wenn das erste eingangs genannte Vorurteil nicht zutrifft. Schlangen gehören ob ihres teils schlechten Rufs zu den streng geschützten Tieren. Von den Tieren fasziniert ist Sebastian Becker aus Altenkirchen. Der 38-Jährige hält aktuell vier Kornnattern und zwei Boa Constrictor – diese sind rund 3,6 Meter lang. Der 38-Jährige hatte zuvor auch schon gezüchtet und dabei 40 Tiere und mehr gehalten. Er kenne wenige, die die Schlangenliebe so extrem betreiben, berichtet Becker. Im Kreis Kusel sei dies eher kein Thema, es gebe zwar einige Züchter verschiedener Arten, aber keine Messen und Börsen für Schlangen. Daher verwundert es nicht, dass zum heutigen Welttag der Schlangen auch keine Veranstaltungen oder Aktionen stattfinden.

Becker ist neben seiner beruflichen Tätigkeit bei Michelin auch für Behörden in Sachen Schlangen engagiert. Der Fachberater für Reptilien ist unter anderem für die Berufsfeuerwehr Kaiserslautern im Einsatz und wird bei Notfällen konsultiert. Zudem bietet er Schulungen an. Ein Notfall hatte sich vor nicht allzu langer Zeit an einer Kita in Schönenberg-Kübelberg zugetragen. Dort war eine Äskulapnatter aufgetaucht. „Diese Schlange ist in Deutschland heimisch, aber nicht in unserer Region“, erläutert Becker. Es komme aber immer mal wieder vor, dass solche Exemplare ausbüxen. Wer eine Schlange sieht und unsicher ist, könne Tierschutz oder Polizei anrufen.

Reptilien strengstens geschützt

Sehr viele Exemplare gebe es von Ringelnattern in unserer Region. „Da bekomme ich zahlreiche Anrufe. Es sind aber ganz friedliche Tiere“, klärt Becker auf. Zwar könne es vorkommen, dass eine Ringelnatter auch mal faucht, aber sie könnten nicht gefährlich werden. Auch Schling- und Würfelnattern seien ungefährlich. „Wenn sie eine Vibration spüren, entwickeln sie einen Fluchtreflex“, erläutert er. Wenn sie auch ungefährlich sind, gelte bei Schlangen generell: „Wegbleiben!“, wie Becker betont. „Man soll die Tiere in Ruhe lassen und auf keinen Fall angreifen“, sagt er. Die Reptilien stehen auf der Roten Liste und sind strengstens geschützt.

Als gefährlichste Schlange in Deutschland bezeichnet Becker die seltene Aspisviper, deren Gift wie bei der Kreuzotter auch allergische Reaktionen auslösen kann. Sie sei in warmen Biotopen zu Hause. Durch die Klimaerwärmung sei eine Vergrößerung der Population möglich. So wurden in den vergangenen Jahre zwei Aspisvipern in Schönenberg-Kübelberg entdeckt. Wie die Tiere in die Südkreis-Gemeinde gekommen sind, konnte damals nicht geklärt werden. Das erste Tier wurde eingefangen und an einem abgelegenen Ort ausgesetzt, das zweite, kranke Tier starb wenig später.

Ob der Welttag der Schlange eine inhaltliche Verbindung zum ebenfalls am 16. Juli gefeierten US-amerikanischen „Tag des frischen Spinats“ oder dem Tag der frittierten Maisplätzchen hat, bleibt unklar. Dies gilt ebenso für den „Tag des guten Fleisches“ in Deutschland sowie den heutigen kanadischen „Ehrentag der Meerschweinchen“.

Eine Barren-Ringelnatter schlängelt sich über eine Wiese.
Eine Barren-Ringelnatter schlängelt sich über eine Wiese.
x