Schönenberg-Kübelberg
Eingefangene Aspisviper gestorben
Achim Hempels Garten ist Heimat zahlreicher Reptilien. In mehreren Außenterrarien hat der Schönenberg-Kübelberger mehrere Smaragdeidechsen, Ringelnattern, Würfelnattern, aber auch giftige Schlangenarten wie die Europäische Hornviper, Kreuzottern und Aspisvipern untergebracht. Kaum verwunderlich also, dass einer der Feuerwehrleute bei einem Einsatz am 7. Mai direkt an Hempel dachte. Nur einige Meter vom Garten Hempels entfernt wurde am 7. Mai am Gemeinschaftshaus der Evangelischen Christusgemeinde in der Schönenberg-Kübelberger Schulstraße eine Schlange gesichtet. „Schon nach wenigen Sekunden war ich mir sicher, dass es sich um eine Aspisviper handelt“, sagt der 59-Jährige, der das Tier wenig später mit einem Schlangenhaken einfing und in einem seiner Außenterrarien unterbrachte – auch in der Hoffnung das Tier dauerhaft betreuen zu dürfen. Allerdings blieb es nur bei dem Wunsch.
Beim Besuch der RHEINPFALZ am 9. Mai schilderte Hempel, dass das Tier gut genährt und kräftig sei. Lediglich an der Seite „des Körpers sieht man die Überbleibsel zweier kleinerer Verletzungen, die möglicherweise von einem Kampf mit einer Katze stammen könnten“. Und die Viper sei munter, wie sie an diesem Tag unter Beweis stellte. Das 50 Zentimeter lange Tier zischte und blähte seinen Körper beim Einsaugen der Luft auf. Um größer zu wirken und um deutlich zu machen: „Lass mich in Ruhe.“ Anhand von Büchern und nach Rücksprache mit anderen Züchtern identifizierte Hempel die Schlange als „Vipera aspis francisciredi“ – eine in Italien heimische Form der Aspisviper.
Blinder Passagier? Eher unwahrscheinlich
Wie das Tier nach Schönenberg-Kübelberg kam, bleibt ein Rätsel. Aspisvipern sind in Rheinland-Pfalz nicht heimisch. Sie kommen in freier Wildbahn in Nordspanien, Italien, Frankreich, der Schweiz und in Deutschland lediglich im Nordschwarzwald vor. Wie Ulrike Schneider, Sprecherin der Struktur und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, der Oberen Naturschutzbehörde, auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte, sind die nächsten Vorkommen in Frankreich in rund 100 Kilometer Entfernung zu finden. Außer den beiden Fällen in Schönenberg-Kübelberg – nur unweit des jüngsten Fundortes wurde vor zwei Jahren schon einmal eine Aspisviper entdeckt – sind der Oberen Naturschutzbehörde keine weiteren Sichtungen bekannt.
Dass es sich bei den Tieren um „blinde Passagiere“ (etwa mit dem Auto oder in Warenkisten) handelt, werde auch von zurate gezogenen Experten als eher unwahrscheinlich angesehen, ergänzt Schneider. Weitere Möglichkeit: Das Tier könnte ausgesetzt worden sein. Nach der Corona-Pandemie sei ein Trend im Kreis erkennbar, wonach immer mehr Tiere ausgesetzt werden, ergänzt die Kuseler Kreisverwaltung.
Tier „an Milben verstorben“
Da Aspisvipern auf der Roten Liste „als vom Aussterben bedroht“ geführt werden, ist das Einfangen und Töten der Tiere streng verboten. Sofern von einer gesichteten Schlange Gefahr ausgehen könnte (etwa weil sie sich in der Nähe eines Spielplatzes befindet), sollte die Polizei, die Feuerwehr oder die zuständige Ordnungsbehörde informiert werden. Wenn nötig, wird dann ein Fachmann zurate gezogen, um das Tier aus Sicherheitsgründen einzufangen. Auch das Aussetzen dieser nicht-heimischen Tierart sei verboten, sagten Hempel und Schneider. Der Schönenberg-Kübelberger wollte die Viper deshalb gerne dauerhaft bei sich unterbringen. Doch daraus wurde nichts: Als Hempel aus seinem zweiwöchigen Urlaub zurückkehrte, „war die Schlange an Milben verstorben“, teilte er am Donnerstag mit. Das gleiche Schicksal ereilte auch zwei von Hempels Jungtieren, die mit der jüngst eingefangenen Aspisviper im Außenterrarium untergebracht waren.
