Altenkirchen / Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Fachberater für Reptilien: „Schlangen sind keine Mörder“

Seit seiner Kindheit von Schlangen fasziniert: Sebastian Becker. Im Bild hält er einen Königspython auf dem Arm. Das Tier hat er
Seit seiner Kindheit von Schlangen fasziniert: Sebastian Becker. Im Bild hält er einen Königspython auf dem Arm. Das Tier hat er nach einem Einsatz bei Bruchmühlbach-Miesau bei sich aufgenommen.

Die Begeisterung für Schlangen hat Sebastian Becker bereits als Kind gepackt. Heute hält er mehrere Tiere zu Hause. Sein Wissen gibt er als Fachberater für Reptilien an die Einsatzkräfte zahlreicher Feuerwehren weiter. Im Interview spricht der 35-Jährige über den Respekt vor den Tieren, Schulungen und darüber, wie man eine Giftschlange erkennen kann.

Sie beschäftigen sich schon viele Jahre mit Schlangen. Gibt es denn Arten, vor denen Sie Angst oder zumindest großen Respekt haben?
Angst habe ich nicht, aber eine gehörige Portion Respekt, den jeder vor diesen Tieren haben sollte. Bei mir stehen da oben auf der Liste beispielsweise Schwarze Mambas, Taipane und Königskobras.

Warum ausgerechnet diese Giftschlangenarten?
Schwarze Mambas sind unheimlich schnell und wendig. Sie können binnen weniger Sekunden mehrfach zubeißen. Eindrucksvoll ist ihre Drohgebärde. Sie sperren ihr Maul auf, dessen Innenbereich schwarz gefärbt ist – daher hat die Schwarze Mamba auch ihren Namen. Der Inland-Taipan aus Australien ist die giftigste Schlange und die Königskobra die längste Giftschlange der Welt. Wenn sich so ein Vier-Meter-Tier vor einem aufrichtet, geht einem schon der Stift.

Wie hat bei Ihnen die Passion für Schlangen angefangen?
Als Kind. Damals habe ich mir alle Fernsehsendungen über Schlangen angeschaut, halten durfte ich damals aber noch keine. Da war mein Vater dagegen. Heute habe ich fünf Kornnattern, zwei Königspythons und eine Boa constrictor.

Ihre Leidenschaft für Schlangen hat sich offenbar herumgesprochen, sonst wären Sie nicht für die Feuerwehren Ansprechpartner in diesem Bereich ...
Stimmt. Ich bin selbst Mitglied der Feuerwehr in Altenkirchen. 2014 habe ich damit begonnen, die Feuerwehren zu beraten – aber eher sporadisch. Seit 2019 bin ich offiziell Fachberater für die Wehren im Oberen Glantal, wobei ich auch über die Grenzen der VG aktiv bin. Seit April bin ich auch bei der Stadtfeuerwehr Kaiserslautern als Fachberater hinterlegt. Das ergab sich über einen Wehrkollegen in Schönenberg-Kübelberg, der dort tätig ist.

Was macht ein Fachberater für Reptilien?
Ich biete Schulungen für die Feuerwehren an. Darin wird vermittelt, wie man sich verhalten soll, wenn man beispielsweise in eine Wohnung geht, in der eine Schlange entdeckt wurde. Auf Wunsch fahre ich auch vor Ort, wenn irgendwo Schlangen gefunden werden. Zudem biete ich telefonische Beratungen an. Manchmal betreue ich auch die Finder, denen man hin und wieder klarmachen muss, dass Schlangen keine Mörder und Killermaschinen sind. Meist verstehen das die Leute auch.

Bei den Schulungen geht’s also auch um den Abbau von Berührungsängsten?
Genau. Ich habe bei der Schulung immer Tiere dabei, um die verschiedenen Schlangentypen zu zeigen. Eine Boa ist beispielsweise deutlich kräftiger und größer als eine Kornnatter. Das Angebot wird demnächst noch erweitert, sodass die Wehrleute lernen, wie man Tiere mit einem Schlangenhaken in einen Behälter setzt, ohne sich und das Tier zu verletzen.

Aber solche Einsätze sind doch selten? Deutschland ist nicht als Heimat Hunderter Schlangenarten bekannt.
Das ist sehr vom Wetter abhängig. Ist es sonnig und heiß, kommen die Tiere auch raus. Im vergangenen Jahr hatte ich etwa zehn Einsätze, bei vier oder fünf war ich vor Ort. Die restlichen Einsätze wurden per Telefon und Whatsapp geklärt.

Schlangenbestimmung am Telefon?
Ja, das klappt schon. Die Kollegen beschreiben mir die Tiere: ihre Größe, Farbe und Form. Mittlerweile bekomme ich häufig Bilder geschickt, anhand derer ich die Tiere identifizieren kann.

Was sind denn typische Unterscheidungsmerkmale. Woran kann der Laie eine Giftschlange erkennen?
Für Vipern, jüngst wurde eine seltenes Exemplar in Schönenberg-Kübelberg gesichtet, ist der dreieckförmige Kopf charakteristisch, der Hals ist relativ schmal. Wenn sich Kobras aufrichten, klappen sie den typischen Nackenschild auf. Klapperschlangen liefern mit ihrer Rassel ein akustisches Signal. Und besonders exotische Giftschlangen zeichnen sich durch markante Warnfarben aus. Würgeschlangen hingegen sind meist groß und wuchtig.

Hatten Sie bei ihren bisherigen Einsätzen schon mit solchen Exoten zu tun?
Der einzige Exot war ein Königspython bei einem Einsatz im Kreis Kaiserslautern. Die Kollegen haben das Tier selbst einfangen können, ich habe die Schlange dann im Beutel identifiziert. Hierzu am Rande: Die Wehr in Bruchmühlbach wurde ebenfalls schon von mir geschult. Da weder Tier noch die Einsatzkräfte verletzt wurden, zeigt, dass dies etwas gebracht hat (lacht). Und: Ich habe den gefundenen Königspython bei mir aufgenommen.

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