Kreis Kusel
Nahwärme im Kreis: Eigenregie, Dienstleister oder gar nicht?
Im Kreis Kusel soll klimafreundlicher und nachhaltiger geheizt werden. Das ist das Ziel der Nahwärme-Offensive, welche die ehemalige Klimaschutzmanagerin des Kreises Vera Schumann mit dem Klimaschutzbeauftragten Andreas Hartenfels im Jahr 2021 ins Leben gerufen hat. Im von ihnen ausgerufenen Jahr der Wärmewende wurde auch eine Arbeitsgruppe „Nahwärme und Quartierskonzepte“ gegründet, welche die Bürger in Informationsveranstaltungen über das Thema aufklärt. In Gemeinden, die sich damit befassen wollen, hat der Klimaschutzmanager der jeweiligen Verbandsgemeinde zusammen mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz in den Ortsgemeinderäten über Nahwärme informiert.
Bei diesem Versorgungssystem wird die Wärme in der Nähe der Haushalte produziert und gelangt über eine relativ kurze Strecke in die Gebäude. Dabei können erneuerbare Energieträger wie Sonnenstrahlen, Biogas oder Hackschnitzel verwendet werden, sagt Stefan Beyer von der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Das sei nachhaltig und der Endverbraucher habe auf Dauer geringe Heizkosten. Außerdem bedeute Nahwärme Unabhängigkeit von Energie-Importen. Ein weiterer Vorteil: „Man hat keinen Wartungsaufwand mehr, keine Kosten für den Schornsteinfeger.“ Ein Nahwärmenetz eigne sich allerdings nicht für weitläufige Gemeinden mit aufgelockerter Siedlungsstruktur, schränkt Beyer die Realisierungsmöglichkeiten ein.
Selbst ein Heizkraftwerk zu bauen kostet Millionen
Etwa die Hälfte der 41 Ortsgemeinden in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein sei nicht an Nahwärme interessiert, sagt Frederik Staudt, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde. In etwa zehn Gemeinden sei Nahwärme durchaus ein Thema. In fünf davon seien die Pläne schon ziemlich konkret. „Mit Abstand am weitesten ist Wiesweiler. Die haben mit den Stadtwerken Kusel ein Projekt erarbeitet.“ Dieses sei im Rat schon vorgestellt worden. Derzeit werde das Interesse der Bürger abgefragt. Staudt ist optimistisch: „Für einen Teil im Ort sieht das schon gut aus.“
Der Vorteil dieses Modells für die Gemeinde: Sie hat keinerlei Kosten und kein finanzielles Risiko. Die Nachteile: Der Ort verdient nichts daran und die Bürger sind an die Preise der Stadtwerke gebunden. Nimmt eine Gemeinde den Bau eines Heizkraftwerkes selbst in die Hand, muss sie dafür Geld investieren. „Das kostet mehrere Millionen Euro“, merkt Staudt an. Abschreckend sei auch der große Planungsaufwand, erklärt er sich die Zurückhaltung einiger Gemeinden in Sachen Nahwärme.
Beteiligung an Kosten und Gewinn möglich
Wiesweilers Ortsbürgermeister Ingfried Klahr ist mit der Variante zufrieden. Er erklärt: „Wir haben 2021 eine Projektgruppe aus sechs Bürgern gegründet, die sich über alles informiert und sich regelmäßig getroffen haben.“ Die Stadtwerke wollen das Projekt mit Firmen in der Nähe umsetzen. „Auch die Hackschnitzel dafür sollen aus der Gegend bezogen werden. Das Geld bleibt also in der Region“, betont Klahr.
Noch fortgeschrittener in der Planung ist Wahnwegen. Die Gemeinde wolle sich an allen Maßnahmen für Nahwärme zu 50 Prozent beteiligen, um später entsprechend Gewinn abzuschöpfen, erklärt Ortsbürgermeister Rene Morgenstern. Für den Bau einer Energiezentrale neben dem Schützenhaus in der Konker Straße sei bereits eine Firma im Gespräch. Das Energienetz wolle die Gemeinde selbst bauen und gegen ein Nutzungsentgelt zur Verfügung stellen.
Kreis-Unterstützung für Wärmewende
Für sämtliche Angelegenheiten zum Thema Nahwärme will die Gemeinde eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) gründen. Ein Jurist und Kommunalberater des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz arbeite Modalitäten wie Aufgaben und Vorstandsstruktur aus. Die Anstalt solle möglichst schnell gegründet werden. Morgenstern: „Wenn die Hauptstraße im kommenden Jahr saniert wird, soll das Leitungsnetz auch verlegt werden. Das soll die Anstalt öffentlichen Rechts regeln.“
Die Wärmewende solle als kreisweite Aufgabe gesehen werden, sagte Wolfgang Frey von den Grünen im Kreistag und schlug eine gemeinsame Betreibergesellschaft für die im Kreis entstehenden Nahwärmenetze vor. Denn: „Das ist mit dem ehrenamtlichen Engagement von den Bürgermeistern vor Ort nicht zu stemmen.“ Die Wärmewende trage wesentlich zur Reduzierung der Treibhausgase bei, betonte er – und hatte Erfolg mit seinem Antrag, die „Unterstützung der Gemeinden bei Errichtung und Betrieb von Nahwärmenetzen“ als eines der Ziele für den Kommunalen Klimapakt aufzunehmen.
Machbarkeitsstudie ist stets erforderlich
Von 23 Ortsgemeinden im Oberen Glantal hätten sich 15 noch nicht ausgiebig mit dem Thema befasst, sagt Felix Fauß, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde. Deren Rückmeldungen stünden noch aus. Im Waldmohrer Neubaugebiet Lauersdell sorgen die Stadtwerke Homburg für ein Nahwärmenetz. „In Henschtal wartet man auf die Bewilligung der Förderung einer Machbarkeitsstudie.“ In fünf Gemeinden werde noch diskutiert, wie die Machbarkeitsstudie finanziert werden soll.
In der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan sei laut Uwe Stoll, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung, Nahwärme in Ulmet, Herchweiler, Schellweiler und im Industriegebiet Schellweiler/Ehweiler Thema. Bereits umgesetzt sei ein Projekt in Konken. Die Kreisstadt Kusel verfüge über Nahwärmenetze an der Tuchfabrik und der Kreissparkasse.
Stellungnahme von Wiesweilers Ortsbürgermeister Ingfried klahr:
Klahr betont, dass „die Stadtwerke Kusel den Kunden lediglich den Anfangspreis für die Wärmeversorgung anbieten“. Über diesen Preis werde ein Wärmelieferungsvertrag mit den Kunden abgeschlossen. „Alle weiteren künftigen Preisänderungen erfolgen durch eine vertraglich vereinbarte Preisanpassungsklausel“, schreibt Klahr. Der künftige Wärmepreis sei demnach völlig transparent an die bundesweit veröffentlichten statistischen Indexwerte für die eingesetzten Brennstoffe auf dem allgemeinen bundesweiten Wärmemarkt gekoppelt. „Eine einseitige Änderung dieser Vertragsklausel durch die Stadtwerke Kusel ist nicht möglich. Der Kunde ist daher gerade nicht an die Wärmepreise der Stadtwerke Kusel gebunden. Sein Wärmepreis ist ausschließlich von der allgemeinen Preisentwicklung auf dem bundesweiten Wärmemarkt abhängig.“
Ferner gebe es die Möglichkeit, eine gemeinsame kommunale Gesellschaft für den Betrieb des Nahwärmenetzes zu gründen. Diese könne auch in Form einer Genossenschaft erfolgen, womit auch die Bürger im Falle einer Beteiligung von einem möglichen Gewinn profitieren könnten, schildert Klahr.