Wahnwegen Nahwärmenetz bietet Chance, unabhängig zu werden
Grundlage der Beschlüsse sind die Erkenntnisse aus einem sogenannten Integrierten Quartierskonzept. In diesem wurde in den vergangenen 14 Monaten untersucht, wie der Einsatz von erneuerbaren Energien im Dorf vorangebracht werden kann. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Ratssitzung von Tobias Huter von der Naturstrom AG aus Eggolsheim in Bayern sowie Alexander Reis und Martin Kohl vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement vom Umwelt-Campus in Birkenfeld (Ifas) präsentiert.
Eine wesentliche Erkenntnis ihrer Untersuchungen: Rund 86 Prozent der Haushalte in Wahnwegen heizen mit fossilen Energieträgern, in erster Linie mit Heizöl. Ein großer Teil der Heizungen ist über 20 Jahre alt. Vielfach besteht Sanierungsbedarf. Bei einer Umfrage hatten von den 230 Haushalten im Dorf mehr als 150 Interesse an einer Anbindung ans Nahwärmenetz bekundet. Davon gingen 176 Rückmeldungen ein, was laut Angaben der Büros eine einmalige Quote darstellt – ein Indiz für das große Interesse.
Holzhackschnitzel untersucht
Darauf aufbauend wurde eine Grundlagenplanung ausgearbeitet, wie ein Nahwärmenetz entstehen könne, das mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Als Energielieferant wurden dabei neben einer Windkraftanlage (WKA) eine Photovoltaik-Anlage (PVA) sowie eine Befeuerung über Holzhackschnitzel untersucht.
Obwohl die Windkraft-Variante mit Investitionskosten von geschätzten 2,6 Millionen Euro (einschließlich des Nahwärmenetzes) die teuerste Lösung darstellt, wird sie von den Planern bevorzugt. Nicht nur biete sie die bessere Öko-Bilanz, sondern eine PV-Anlage erzeuge im Winter nicht ausreichend Strom, um genügend Wärme für das gesamte Dorf zu liefern.
Vier Kilometer Rohre verlegen
Für die Umwandelung von Strom in Wärme könne eine sogenannte „Power-to-Heat-Anlage“ eingesetzt werden, erklärte Reis vom Ifas. Sie funktioniere im Prinzip ähnlich wie ein Tauchsieder. Die Anlage verfüge zudem über einen Pufferspeicher mit einem Volumen von rund 600 Kubikmetern, um Leistungsspitzen abfedern zu können. Um jeden Haushalt anschließen zu können, müssten im Dorf rund vier Kilometer Rohre verlegt werden, die heißes Wasser in die Haushalte bringen. Dort erfolgt die Anbindung an die Zentralheizung über einen Wärmetauscher.
Über die Kosten, die auf die Haushalte zukommen, konnten die Planer noch keine konkreten Aussagen treffen. Allerdings sei es auf Dauer für jeden Wahnwegener günstiger mit dem Nahwärmenetz zu heizen als mit fossilen Energieträgern. Ein wesentlicher Pluspunkt sei zudem, dass ein lokales Nahwärmenetz unabhängig von den Preisschwankungen am Energiemarkt mache und dadurch ein großes Stück Versorgungssicherheit biete.
Lange Genehmigungsverfahren
Wann genau das Nahwärmenetz umgesetzt werden soll, steht laut den Planern derzeit noch nicht fest. Die Nahwärmeversorgung einschließlich des Baus einer Heizzentrale könne binnen zweier Jahre errichtet werden.
Knackpunkt sei meist die Windkraftanlage. Genehmigung und Bau ziehen sich oft über Jahre hin. Allerdings hofft Tobias Huter von der Naturstrom AG, dass sich die Planungszeiten für Projekte mit erneuerbaren Energien künftig deutlich verkürzen werden.