Meisenheim
Millionenprojekt: Meisenheimer Hof saniert Adelshof für neues Sternerestaurant
Der Meisenheimer Hof, Adresse für ein Sternerestaurant und Romantikhotel, expandiert. In fußläufiger Entfernung wird in Meisenheims historischer Altstadt das Zimmerangebot erweitert. Es entsteht ein neues Restaurant mit Sterneküche. Über das Millionenprojekt haben kürzlich die Geschäftsführer Christian Held, Markus Pape und Erik Koch an einem Medientag informiert.
In der Meisenheimer Obergasse gibt es viele denkmalgerecht sanierte barocke Fachwerkhäuser. Der Fürstenwärther Hof, ein ehemaliger Adelshof, ist noch eine Baustelle. Am 7. November wird in einem Teil des Gebäudeensembles das Spitzen-Restaurant „La Mésange“ eröffnet. Über das Konzept des neuen Restaurants verrät Küchenchef Markus Pape, der im Jahr 2024 den ersten Michelin-Stern in den Meisenheimer Hof geholt hat: Es verbinde klassische französische Gourmetküche mit regionalen Einflüssen. Neben Menüs biete „La Mésange“ kulinarisch anspruchsvolle Gerichte à la carte und eine anspruchsvolle Weinkultur.
Die Räume des Restaurants befinden sich in der ehemaligen Scheune des Adelshofes, der im 16. Jahrhundert als Wohnsitz für Herzog Friedrich Ludwig und dessen zweite Frau, die Meisenheimer Glöcknerstochter Maria Elisabeth Hepp, diente.
Historisches Zimmer im Herrenhaus bis Penthouse-Suite
Im Fürstenwärther Hof, für dessen Neugestaltung der Luxemburger Architekt Florian Hertweck gewonnen wurde, entstehen zudem 14 Zimmer und Suiten. Insgesamt verfügt der Meisenheimer Hof dann über 39 Zimmer – über mehrere Standorte verteilt. „Wir entwickeln keine Zimmerkategorien im klassischen Sinn, sondern Räume mit eigener Identität“, sagt Geschäftsführer Christian Held. Für Übernachtungen kann zwischen historischen Zimmern im Herrenhaus und zeitgenössischen Zimmern im neuen Fachwerkhaus gewählt werden. Das Angebot reicht von Tiny-Suiten bis zu einer Penthouse-Suite mit Spa und Dachterrasse.
Die von der jüdischen Kaufmannsfamilie David im späten 19. Jahrhundert gestalteten Salons im Erdgeschoss des Herrenhauses werden Held zufolge denkmalgerecht saniert. Künftig werde dort das Frühstück für alle Hotelgäste und externe Gäste serviert. Die Kosten beziffert Held auf sieben Millionen Euro. Das Land fördert das gastronomische Leuchtturmprojekt mit 1,2 Millionen Euro. Der Hotel-Teil im Fürstenwärther Hof soll im Mai 2027 eröffnet werden.
Winebank: Schließfächer für besondere Weine
Der historische Gewölbekeller des Gebäudekomplexes wird eine Winebank beherbergen: In dem Keller werden 150 klimatisierte Schließfächer eingerichtet, in denen Weinliebhaber ihre Raritäten lagern können, erläutert Bruno Schulz, Gastgeber der Winebank Nahe. Auch sei die Winebank ein Ort für Verkostungen, für Treffen von Sammlern, Gastronomen und Winzern sowie für kulturelle Events. Schulz ist ebenso verantwortlich für den Vertrieb des Weingutes Disibodenberg, das 13 Hektar Steillagen bei Odernheim umfasst.
Im Stammhaus des Meisenheimer Hofs in der Obergasse 33 wird am 3. Oktober das Restaurant „Heimatküche“ eröffnet, wie Erik Koch, langjähriger Sous-Chef des Meisenheimer Hofs, ankündigt. Er wird Küchenchef des neuen Restaurants und skizziert das Konzept als Fortentwicklung der klassischen Gasthausidee. Auf der Karte stehen könnten dann Spießbraten, Hunsrücker Forelle, Zander von der Müritz oder Königsberger Klopse. Der Preis für ein Hauptgericht soll 30 Euro nicht übersteigen.
Es begann im Boos von Waldeckschen Hof
Zum Ensemble des Meisenheimer Hofs gehört auch das Café Meisentörtchen, das der aus dem Elsass stammende Patissier Didier Esch leitet. Eine weitere Dependance ist das Kochhaus Nicolas Appert, benannt nach dem Erfinder der modernen Konservierung. Dort werden Kochkurse mit Küchenchef Pape für Gruppen mit bis zu zwölf Personen angeboten. Das Kochhaus Nicolas Appert wird auch für Events an kleine und mittlere Unternehmen sowie als Ferienhaus komplett vermietet.
Ein Aushängeschild der Dachmarke Meisenheimer Hof ist der benachbarte Boos von Waldecksche Hof in der Obergasse 26. Die aufwendige Sanierung des einst vom Verfall bedrohten und zeitweise als Brennstoffhandel genutzten Lehenshofs war das erste Meisenheim-Projekt von Christian Held und seinem Geschäftspartner Peter Becker. Zuvor hatten sie in den 1990er-Jahren das Weingut Fritz Schmidt Erben in Odernheim erworben.
Der Boos von Waldecksche Hof zählt zu den ältesten Anwesen in Meisenheim. Er verfügt über einen museal eingerichteten Rittersaal, einen historischen Speicher, ein elegantes Zimmer als Dependance des Standesamtes, eine Hofbrennerei und eine Vinothek. Der Meisenheimer Hof entstand ab dem Jahr 2013 aus dem vom Abriss bedrohten historischen Gasthof „Zur Blume“ und vier benachbarten Gebäuden. Wo früher auch ein Kino war, entstand ein Gebäudekomplex, in dem barocke Teile mit moderner Substanz verwoben sind. Er bleibt mit Hotel, Restaurant und Tagungsräumen das Herzstück des gastronomischen Gebäudeensembles in der Meisenheimer Altstadt.
Jurist setzt städtebauliche Akzente
Als Initiator und Ideengeber des Meisenheimer Hofs hat Christian Held mit einer Vielzahl von aufwendigen Sanierungen städtebauliche Akzente in dem Städtchen am Glan gesetzt. Held, 1961 geboren, ist in der Kleinstadt mit großer Geschichte aufgewachsen. Sein Vater war der Notar Georg Held. Sein Onkel Gustav Adolf Held war ehemaliger Landrat im Kreis Kusel.
Nach dem Jurastudium in Marburg gründete er 1992 in Berlin mit Peter Becker und Wolf Büttner eine auf Energierecht spezialisierte Anwaltskanzlei. Der Jurist ist ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter des Weingutes Disibodenberg bei Odernheim. Seit 2017 ist er überdies Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Bingen, wo er Energie- und Umweltrecht lehrt. Er lebt in Berlin und Meisenheim.
Rund 20 Gebäude, die in den vergangenen Jahrzehnten in der Meisenheimer Altstadt stilgerecht und sorgsam saniert wurden, tragen seine Handschrift. Held ist überzeugt, dass mit seinem Wirken weitere Sanierungen durch bürgerschaftliches Engagement im mittelalterlichen Stadtkern angestoßen worden sind. Ein Projekt wartet noch: Das im Keller eines Privathauses in der Obergasse entdeckte jüdische Ritualbad (Mikwe) soll angemessen saniert werden. Für das langjährige Engagement für seine Heimatstadt ist Held mit dem Ehrenring ausgezeichnet worden.