Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Landrat Gustav Adolf Held vor 100 Jahren geboren

1980 wurde Gustav Adolf Held (links) von Bürgermeister Bernhard Jäger zum Ehrenbürger Kusels ernannt.
1980 wurde Gustav Adolf Held (links) von Bürgermeister Bernhard Jäger zum Ehrenbürger Kusels ernannt.

Wenn vom Gustav-Adolf-Fest oder dem Gustav-Adolf-Werk die Rede war, dann gingen in Kusel nicht wenige junge Leute davon aus, dass es das Fest oder Werk des Landrates sei. Kein Wunder: Schließlich war Gustav Adolf Held fast drei Jahrzehnte im Amt. Am 26. August vor 100 Jahren wurde er geboren.

Gustav Adolf, wie er von vielen kumpelhaft genannt wurde, versicherte bei seinem Amtsantritt 1956 glaubhaft, es sei schon immer sein Traum gewesen, Landrat zu sein. Er konnte ihn dann 29 Jahre lang ausleben, und als er 1985 in den Ruhestand ging, war er der dienstälteste Landrat in der Bundesrepublik.

Held stammt aus Hachenburg im Westerwald. Nach dem Abitur wurde er zum Wehrdienst einberufen, kehrte 1940 nach einer Verwundung im Frankreichfeldzug zurück. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften, kam nach dem Krieg wieder nach Hachenburg, wo er bei der Stadtverwaltung arbeitete. Etwas aus der Reihe fällt eine Anstellung bei Radio Koblenz als Leiter der Rechts- und Personalabteilung. Dem ehemaligen Leiter der Kuseler Lokalredaktion der RHEINPFALZ, Wolfdietrich Meder, verriet er, er sei eher „Mädchen für alles“ gewesen und auch als Sprecher eingesprungen. Eine Sprecherausbildung kam später seinem Talent als Redner zugute.

Soziale Einstellung

Erst ein Hinweis aus der Landeshauptstadt soll den damals 35-Jährigen darauf gebracht werden, sich um das vakante Amt des Kuseler Landrats zu bewerben – vorher habe er nicht mal gewusst, wo Kusel liegt, gab er zu. Doch der Kreisausschuss stimmte im März 1956 seiner Ernennung zu. In Niederschriften heißt es, gegen „Dr. Held ist in fachlicher wie auch persönlicher Hinsicht nichts einzuwenden. Er entstammt einer angesehenen Familie und macht zweifelsohne einen sehr guten Eindruck.“

Dieser Eindruck, so schildern es Wegbegleiter, sollte sich bestätigen. Zumal der Sozialdemokrat gleich beim Amtsantritt betonte, er wolle jedermann Gerechtigkeit entgegenbringen und sich besonders für diejenigen einsetzen, „deren hartes und langes Tagewerk von dem Bemühen ausgefüllt ist, Nahrung und Kleidung zu schaffen und die dennoch Not leiden“.

Leidenschaftlicher Dichter

Gustav Adolf Held kam gut aus mit den Menschen im Westrich, die ihn an die seiner Westerwälder Heimat erinnert haben sollen. Legende sind seine Gedichte, die er bei jeglichem Anlass zum Besten gab. Der früh verstorbene Pressesprecher der Kreisverwaltung, Ralf Rohe, schrieb nach Helds Tod im Oktober 2008 „von einem unbezähmbaren Drang zum Gedichteschreiben“ und erinnerte an des ehemaligen Landrats Faible für gutes Essen und Trinken.

Vieles hat Gustav Adolf Held in den 30 Jahren seiner Amtszeit erreicht. Beispielsweise sorgte er dafür, dass Burg Lichtenberg vom Landkreis Birkenfeld in den Kreis Kusel kam – und zum touristischen Aushängeschild wurde. Auch der Auf- und Ausbau eines Wasser- und Abwassernetzes für alle Gemeinden fällt in seine Amtszeit. Ebenso die Planung von Neubaugebieten und die Ansiedlung des Grundig-Werkes in Rammelsbach sowie der Auf- und Ausbau des Bundeswehrstandortes in Kusel. Der Bau der Fritz-Wunderlich-Halle auf dem Kuseler Roßberg soll ihm ein besonderes Anliegen gewesen sein. Und er war dabei, als im Jahr 1977 auf Initiative der RHEINPFALZ die erste Kuseline gekürt wurde.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Held schwer krank im Kuseler Senioren- und Pflegeheim Zoar. Als er am 9. Oktober 2008 starb, trauerten viele Wegbegleiter mit seiner Familie um ihn.

Info

Wegen der Corona-Pandemie gibt es keinen öffentlichen Festakt aus Anlass des 100. Geburtstags von Gustav Adolf Held. Die Stadt Kusel erinnert mit einer kleinen, internen Veranstaltung an ihren Ehrenbürger.

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