Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Interview mit Cannabis-Club-Vorsitzenden: „Wir wissen um unsere Verantwortung“

Michael Metz (links) und Mark Schuck leiten den Oberes Glantal Cannabis Social Club. Nach eigenen Angaben ist es der erste im Kr
Michael Metz (links) und Mark Schuck leiten den Oberes Glantal Cannabis Social Club. Nach eigenen Angaben ist es der erste im Kreis Kusel.

Die Cannabis-Teillegalisierung kommt wie geplant, der Bundesrat hat am Freitag dem Gesetz zugestimmt. Benjamin Ginkel hat darüber mit den Vorsitzenden des Oberes Glantal Cannabis Social Club (OGCSC), Marc Schuck und Michael Metz, gesprochen.

Das Interview wurde am Tag der Bundesratsentscheidung, Freitag, geführt. Ab April dürfen Erwachsene Cannabis konsumieren, ab Juli können „Anbauvereinigungen“ für ihre Mitglieder im großen Stil Cannabis produzieren. Einen solchen Verein gibt’s im Süden des Landkreises Kusel seit April 2023.

Heute Abend wird bei Ihnen sicher ordentlich gefeiert.
Metz: Von wegen! Unsere Telefone stehen seit heute Mittag kaum noch still. Viele Menschen interessieren sich für eine Mitgliedschaft bei uns. Endlich wird Cannabis entkriminalisiert, und wir können unsere Pläne in die Tat umsetzen.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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Welche Pläne sind das denn?
Schuck: Zuerst mal eine Vereinsgründung. Wir haben uns vor gut einem Jahr zusammengefunden, damals mit sieben Leuten. Mittlerweile sind wir fast 100. Nun können wir den Verein eintragen lassen, da Cannabis sicher legalisiert wird. Dazu findet bald eine formelle Vereinsgründung statt.

Was sind das für Leute, die sich für den Club anmelden?
Schuck: Unser Durchschnittsalter liegt bei über 40 Jahren, die jüngsten Mitglieder sind 21, der Älteste ist 70. Beruflich sind wir ganz bunt gemischt.

Cannabis gilt oft als Einstiegsdroge ...
Schuck: ... was bereits 1994 vom Bundesverfassungsgericht widerlegt wurde.

Metz: Das Problem ist doch eher, dass Dealer ihren Kunden nicht nur Cannabis anbieten, sondern sie gezielt zu härteren Drogen verleiten. Wir werden ausschließlich sauberes Cannabis an unsere Mitglieder weitergeben.

Und wie?
Metz: Durch die kontrollierte Abgabe der Clubs oder den Eigenanbau. Da braucht man keinen Dealer mehr. Außerdem ist das selbstangebaute Cannabis sauberer. Und wenn im Club auffällt, dass es ein Mitglied mit dem Konsum übertreibt, wird interveniert.

Wie soll das aussehen?
Schuck: Zuerst einmal wollen wir Präventionsarbeit leisten, beispielsweise wie der Konsum möglichst sicher gestaltet werden kann. Wenn es jemand übertreibt, wollen wir Beratungen anbieten, damit derjenige nicht in eine Sucht abrutscht. Das werden zentrale Punkte in der Satzung des Oberes Glantal Cannabis Social Clubs.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Cannabis Psychosen auslösen soll.
Schuck: Das kommt nur extrem selten vor und die sind oft schon vorher indiziert. Aber natürlich wissen wir, dass mit Cannabis nicht zu spaßen ist.

Metz: Deshalb wollen wir im Club auch verantwortungsvoll damit umgehen. In Verhaltensregeln für die Mitglieder schreiben wir beispielsweise fest, dass niemand vor Kindern konsumieren darf. Wir wollen dazu beitragen, dass Cannabis entkriminalisiert und enttabuisiert wird.

... und ab Juli selbst anbauen und an Mitglieder abgeben. Laufen die Vorbereitungen schon?
Metz: Wir sind gerade auf der Suche nach geeigneten Objekten. Einmal für den Anbau und einmal für die Abgabestelle. Bisher scheiterte es an der Ablehnung durch die Vermieter, wenn wir gesagt haben, was wir vorhaben. Ab heute wird das hoffentlich einfacher.

Schuck: Gleichzeitig müssen wir eine Lizenz beantragen. Da müssen wir unter anderem nachweisen, dass wir einen geschulten Präventionsbeauftragten benennen. Wir wissen um unsere Verantwortung und ziehen das professionell auf. Wir sind nicht nur ein Club zum Gras anbauen ...

Miete, Strom, Wasser ... Wie finanziert sich der Club?
Schuck: Einen Teil werden die Mitgliedsbeiträge decken, den Rest wollen wir selbst finanzieren. Beispielsweise über die Teilnahme an Veranstaltungen.

... und am Ohmbachseefest Joints anbieten?
Metz (lacht): Natürlich nicht. Aber vielleicht Cannabis-Eistee oder ähnliche Produkte, die zum Club passen und vielleicht neugierig darauf machen, was wir tun.

Zur Person

Marc Schuck, 30 Jahre, lebt in Schönenberg-Kübelberg und widmet sich dem Oberes Glantal Cannabis Social Club. Außerdem betreibt er mit Michael Metz (29) einen sogenannten Growshop, der Zubehör rund ums Gärtnern in Gebäuden verkauft. Metz wohnt in Waldmohr und arbeitet als Qualitätsprüfer bei einem Autozulieferer.

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