Kreis Kusel
Immobilienmarkt: Langwierige Haussuche, schneller Verkauf
„Es ist eine Minutensache“, sagt Anna-Maria Woll über den Hauskauf. Mehrere Immobilien- und Anzeigen-Apps hat sie auf ihrem Handy installiert. Wenn der Alarm geht, ist schnelles Handeln gefragt. Sonst ist das Haus weg. Unzählige Male haben die 25-jährige Bürokauffrau aus Rammelsbach und ihr Partner diese Erfahrung schon gemacht. Seit eineinhalb Jahren suchen sie ein Haus nahe Kusel – bisher erfolglos.
Teilweise müssten Bewerbungsformulare ausgefüllt werden, um überhaupt zu einer Besichtigung eingeladen zu werden, berichtet Woll. „Man füllt das Makler-Formular aus und dann hört man nie wieder was.“ Beide stehen fest im Beruf. Sie fühlen sich im richtigen Alter für „was Eigenes“, wollen für die Zukunft planen. Und sie wollen in der Heimat bleiben.
„Die Häuser sind noch schneller aus dem Netz wieder raus als noch vor eineinhalb Jahren“, sagen beide. Woll mutmaßt: „Die meisten gehen unter der Hand weg. Selbst für Neubaugebiete gibt es Wartelisten. Es geht viel über Beziehungen.“ Einerseits sind nach ihrer Erfahrung wenig geeignete Häuser auf dem Markt – mittelalt, kein Sanierungsfall, mit Platz für Kinder und Tiere, also großem Grundstück. Andererseits würden „für uralte Häuser unrealistische Preise verlangt“. Was Woll in Gesprächen mit aus Städten Zugezogenen festgestellt hat: „Was uns teuer erscheint, ist für die ’n Appel und ’n Ei.“
„Sofort zahlreiche Interessenten“
Ähnliches hat Philipp Gruber, Ortsbürgermeister von St. Julian, beobachtet: „Es geht schnell, auch unter der Hand.“ Der aufgerufene Preis werde gezahlt, auch komme es zu Bieterverfahren. Und viele, die schon länger Häuser suchten, blieben auf der Strecke: „Bekannte suchen seit Jahren.“
Dabei gingen sogar Gebäude schnell weg, von denen das vor kurzem nicht zu erwarten gewesen wäre, „auch alte Gebäude, kleinere, mitten im Ort“. Sobald eine Immobilie online inseriert sei, „sieht man sofort zahlreiche Interessenten aus dem größeren Umkreis, mehr als 100 Kilometer“, berichtet Gruber. Meist seien die Käufer junge Familien, die „tatsächlich herziehen wollen“. Immerhin biete der Ort eine gute Infrastruktur. Wobei auch Häuser gekauft, hergerichtet und wieder vermietet worden seien.
Grubers Einschätzung: Vor einigen Jahren hätten Hausverkäufer länger als heute nach Käufern suchen müssen. Die Preise lägen etwa 30 Prozent über dem, was vor knapp zehn Jahren für eine vergleichbare Immobilie aufgerufen worden sei.
„Lebensältere aus städtischem Bereich“
Eine ganz andere Infrastruktur hat Hoppstädten: Die Bundesstraße ist einige Kurven weit weg, kein Kindergarten, keine Grundschule, schlechte Busanbindung. Dennoch hätten sich einige junge Familien neu angesiedelt, berichtet Ortsbürgermeister Günter Denzer. „Man muss feststellen, dass in den vergangenen ein bis zwei Jahren Immobilien weggingen, von denen man nicht erwarten konnte, dass sie weggehen“, sagt er. Auch ältere Häuser, an denen „noch was gemacht werden muss“ .
Die Leerstände im Ort seien damit „gewaltig reduziert“. Nur ein Haus stehe noch leer, das müsse aber vermutlich abgerissen werden. „Die eine oder andere junge Familie“, die in Hoppstädten baue oder ausbaue, komme eher aus der Region.
Einige Häuser seien auch an „Lebensältere aus dem städtischen Raum“ weggegangen, die sich einen ruhigen Sitz fürs Alter im Kuseler Nordkreis schaffen wollten. „Überrascht“, sei er über die Entwicklung, sagt Denzer. Wie sich die Neuankömmlinge und deren Häuser ins Ortsbild einfügen werden, bleibe abzuwarten.


