Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Immobilienmarkt im Kreis immer attraktiver wird

Die zwölf Eigentumswohnungen auf dem ehemaligen VKE-Gelände waren schnell vergeben.
Die zwölf Eigentumswohnungen auf dem ehemaligen VKE-Gelände waren schnell vergeben.

Zurückgehende Bevölkerung und Landflucht – nirgendwo war Wohnen in den vergangenen Jahren so billig wie im Kreis Kusel. In und nach der Pandemie, die so vieles verändert hat, scheint das nicht mehr gültig zu sein.

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Andreas Schnellting mit den Immobilienpreisen im Kreis Kusel. „50 Hausbesichtigungen waren üblich, bis wir für ein Haus einen neuen Besitzer gefunden haben“, spricht er in der Vergangenheitsform. Mittlerweile gebe es 50 Anrufer binnen weniger Tage, wenn ein neues Objekt auf den Markt komme. Dass sich diese steigende Nachfrage auch auf die Preise niederschlage, bezeichnet er als logisch.

Über viele Jahre hinweg seien die Preise nahezu stabil gewesen. Auch mit Ausbruch der Pandemie wäre das Geschäft für einige Monate nahezu zum Erliegen gekommen. Um dann aber richtig anzuziehen. „Der Bodenrichtwert in manchen Orten ist von Januar 2020 bis Januar 2021 um bis zu 15 Prozent gestiegen“, rechnet Schnellting vor.

Interessant für Anleger

Der Immobilienexperte nennt eine Vielzahl von Gründen. Ein Aspekt sei das sehr hohe Preisniveau in der Vorderpfalz. „Was an der Weinstraße ab 600.000 Euro machbar ist, geht bei uns ab 200.000 Euro“, rechnet Schnellting vor. Das führe dazu, dass zum Beispiel Anleger wegen des geringeren Kaufpreises in der Westpfalz eine höhere Rendite erzielen könnten.

Aber auch Eigennutzer wollten die Preisexplosionen in den Ballungszentren nicht mehr mitmachen. Die neuen Homeoffice-Möglichkeiten im Zuge der Corona-Bekämpfung hätten diesen Trend verstärkt. Die Entwicklung würde aber auch deutlich machen, wie wichtig schnelle und sichere Internetverbindungen seien.

Rolle der Zinsen

Was sich immer noch auf die Nachfrage auswirke, sei das dauerhafte niedrige Zinsniveau. Es ermögliche gerade Familien, die finanziell nicht so üppig aufgestellt seien, die Chance, auf die eigenen vier Wände. Das gelte vor allem für Bestandsimmobilien. Bei Neubauten werde dieser Effekt durch die steigenden Baupreise wieder deutlich gedämpft.

Die Entwicklung führt dazu, dass selbst Immobilien in Autobahnnähe trotz der Lärmbelästigung nicht lange angeboten werden müssen. Zumal eine gute Verkehrsanbindung auch ein Pluspunkt ist. „Davon profitiert vor allem der Südkreis“, erklärt Schnellting. Wobei in der Verbandsgemeinde Oberes Glantal auch die Nähe zum Saarland eine Rolle spiele. Für Saarländer, die in Homburg oder Neunkirchen arbeiten, werde die Pfalz als Wohnort immer beliebter.

Wichtige Nahversorgung

Zu den Profiteuren gehören nach Ansicht von Schnellting vor allem die Sitze der Verbandsgemeinden. Das hänge mit der Infrastruktur zusammen: „In Kusel, Schönenberg-Kübelberg, aber auch in Lauterecken und Wolfstein ist die Nahversorgung viel besser.“ Dabei gehe es nicht nur um den Einkauf für Dinge des täglichen Bedarfs. Auch ein sozialer Aspekt spiele eine Rolle, weil es auf dem Land kaum mehr Dorfkneipen gebe und auch weniger Restaurants.

Das habe auch den Trend ausgelöst, im Alter eine für den neuen Lebensabschnitt zu große Immobilie zu verkaufen und von dem Erlös in die Stadt zu ziehen. Es habe vor zehn Jahren in der Kreisstadt Kusel so gut wie keinen Markt für Eigentumswohnungen in mittlerer Größe gegeben. Das habe sich total gewandelt. Schnellting verweist als Beispiel auf das Neubau-Projekt am Kuseler Grabenpfad. Die zwölf Eigentumswohnungen auf dem ehemaligen VKE-Gelände seien sehr gefragt gewesen.

Steigender Pflegebedarf

Schnellting sieht den nächsten Boom bereits aufziehen: „Der künftige Bedarf an Pflegebetten und betreuten Wohnformen ist noch lange nicht gedeckt.“ Wenn die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1963 und 1966 in den Ruhestand treten würden, verändere sich der Immobilienmarkt noch deutlicher.

Der Boom hat noch einen anderen Effekt: Amtsgerichte und Notare kommen nicht mehr nach. „Verkäufe verschieben sich, weil die Wartezeit auf einen Notartermin ein paar Monate dauern kann“, weiß Schnellting.

Zur Person

Seit 2001 ist Andreas Schnellting (56) als Immobilienmakler im Landkreis Kusel tätig, seit 2003 hauptberuflich. Der gebürtige Kuseler hat in Bochum ein Studium der Immobilienwirtschaft absolviert und bei der Allianz eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Er ist geschäftsführender Vorstand des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) West mit 1500 Mitgliedsunternehmen in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Der Verein ist der bundesweit größte Unternehmerverband in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Schnellting ist zertifizierter Gutachter für die Immobilienbewertung.

Experte für den Immobilienmarkt in der Region: Andreas Schnellting.
Experte für den Immobilienmarkt in der Region: Andreas Schnellting.
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