Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Gesprengte Geldautomaten: Ein Überblick über Fälle aus der Region

Der Hauptsitz der Volksbank Glan-Münchweiler war nach der Automatensprengung im Juli 2022 einen Tag lang geschlossen.
Der Hauptsitz der Volksbank Glan-Münchweiler war nach der Automatensprengung im Juli 2022 einen Tag lang geschlossen.

Es war das dritte Mal in nicht einmal zwei Jahren, dass Automatensprenger Filialen im Kreis Kusel heimgesucht haben. Die Ermittler vermuten hinter einem Gros der Taten professionelle Banden aus den Niederlanden. Ein Überblick über Fälle aus der Region.

Einen Tag nach der Sprengung des Geldautomaten in Schönenberg-Kübelberg gebe es noch „nichts Neues“, teilt Bernhard Christian Erfort, Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Die Kriminalpolizei in Kaiserslautern habe die Ermittlungen in dem Fall übernommen. „Derzeit werden noch Spuren ausgewertet und der eine oder andere Zeuge verhört.“

Gegen 2.15 Uhr schreckten zahlreiche Anwohner am Montag in der Sander Straße durch eine laute Explosion auf. Ein zweiter Knall folgte direkt, wie Zeugen berichteten. Unbekannte hatten den Geldautomaten der Volksbank Kaiserslautern neben dem Eingang des Wasgau-Getränkemarktes in die Luft gesprengt. Eine Nachbarin beobachtete mehrere Gestalten auf dem Parkplatz vor dem Geschäft. Nach wenigen Minuten trafen Feuerwehr und Polizei ein – doch die Verbrecher waren verschwunden. Jetzt fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Fluchtwagen – einem grauen Audi mit Wittlicher Kennzeichen (WIL).

Vereinzelt Nachahmer aus Osteuropa

Meistens handele es sich bei den Automatensprengern um professionell strukturierte Banden, die überwiegend aus den Niederlanden stammen, informiert Bastian Kipping vom Landeskriminalamt (LKA). Vereinzelt seien auch Nachahmungstäter aus Osteuropa dabei. Liege der Verdacht nahe, dass eine Bande hinter dem Verbrechen steckt, übernimmt das LKA die Ermittlungen.

 Mitte 2021 erbeuteten Unbekannte knapp 95.000 Euro, nachdem sie den Automaten der Kreissparkassen-Filiale in Glan-Münchweiler g
Mitte 2021 erbeuteten Unbekannte knapp 95.000 Euro, nachdem sie den Automaten der Kreissparkassen-Filiale in Glan-Münchweiler gesprengt hatten.

So auch geschehen bei beiden Geldautomatensprengungen in Glan-Münchweiler in den vergangenen zwei Jahren: im Sommer 2022 in der Hauptfiliale der Volksbank Glan-Münchweiler und Mitte 2021 in der Filiale der Kreissparkasse Kusel. In beiden Fällen flüchteten die Täter Richtung Autobahn und sind bis jetzt nicht gefasst. Im Fall der Kreissparkasse hat die Staatsanwaltschaft Mainz die Ermittlungen Anfang vergangenen Jahres eingestellt, informiert die leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller. Erbeutet wurden rund 95.000 Euro. Der Schaden am Gebäude wurde mit rund 10.000 Euro beziffert.

Geräte in Nähe von Autobahnen

Bei der Volksbank-Zentrale war der Schaden deutlich höher, das Kreditinstitut sanierte – nicht nur wegen der Tat – die Geschäftsstelle das komplette Untergeschoß musste saniert werden. Die Wucht der Explosion war so heftig, dass der Tresor aus dem Geldautomaten mehrere Meter durch ein angrenzendes Büro flog und in einer Wand stecken blieb. Schaden und Beute wurden im sechsstelligen Bereich verortet.

In Schönenberg-Kübelberg schlugen Automatensprenger Anfang der Woche zu.
In Schönenberg-Kübelberg schlugen Automatensprenger Anfang der Woche zu.

Nicht alle Automatensprenger ziehen mit Beute davon: Ein Geldautomat in einer Sparkassenfiliale in Hütschenhausen hielt im April 2021 dem Sprengstoff stand. Auch dort flüchteten die Täter in Richtung Autobahn. An dem Fluchtfahrzeug waren gestohlene Kennzeichen angebracht. Grundsätzlich sei auffällig, dass Täter oft Automaten nahe Autobahnen auswählen, weil sie dann gute Fluchtmöglichkeiten haben, sagt LKA-Sprecher Kipping.

Gas wird in Automat geleitet und dann gezündet

Im September 2019 sind mehrere Personen in die Kaufland-Filiale in Kaiserslautern eingebrochen und haben dort einen Geldautomaten gesprengt. Auch in diesem Fall übernahm das LKA die Ermittlungen, folglich wird davon ausgegangen, dass die Täter zu einer professionellen Bande gehören. Die Kaufland-Stiftung schätzte den Schaden am Gebäude auf rund 20.000 Euro. Die Beute der Diebe lag im „höheren einstelligen Tausenderbereich“, sagte Uli Starck, Mitglied im Vorstand der Stadtsparkasse seiner Zeit.

Einen Geldautomaten der Stadtsparkasse im Ortsteil Mölschbach hatten Unbekannte im Oktober 2018 im Visier. In das Gerät wurde Gas eingeleitet und gezündet. Dieses Vorgehen weiche von dem üblichen Schema ab, mit dem in der Vergangenheit Automaten in Rheinland-Pfalz gesprengt worden seien, teilte ein LKA-Sprecher mit. Nach RHEINPFALZ-Informationen erbeuteten die Täter eine hohe fünfstellige Summe.

Anzahl der Fälle im Land steigt seit 2020 stark an

Ende 2017 haben Unbekannte einen Automaten im Vorraum einer Bankfiliale (ebenfalls) in Hütschenhausen in die Luft gejagt. Laut Zeugenaussagen seien zwei Menschen aus dem Gebäude gerannt und dann zu einem dritten in ein Auto gestiegen, das anschließend Richtung Ramstein davonfuhr. Sie flüchteten mit einer Beute in fünfstelliger Höhe. Der Gesamtschaden wird auf mehrere zehntausend Euro geschätzt.

2013 wurde der erste Geldautomat in Rheinland-Pfalz aufgesprengt. In diesem und in den folgenden drei Jahren wurde die Polizei zu vier bis fünf solcher Fälle pro Jahr alarmiert. Dann stieg die Fallzahl drastisch an: Ab 2017 wurden im Schnitt jährlich 25 Fälle gemeldet. 2020 sind 35 Fälle verzeichnet. 2021 wurden laut LKA-Sprecher Kipping landesweit 23 Automaten gesprengt. Im vergangenen Jahr waren es landesweit 56 Automatensprengungen. Bei 31 dieser Vergehen erbeuteten die Täter Geld.

Geräte im Ausland besser gesichert

„Frankreich und die Niederlande haben die Geldautomaten umgerüstet. Dort werden die Geldscheine für die Täter nach der Sprengung unbrauchbar“, erklärt Kipping. Deshalb konzentrieren sich immer mehr kriminelle Banden, die sich auf die Sprengung von Geldautomaten spezialisiert haben, auf Deutschland. Bis alle Banken in Deutschland solche Schutzsysteme in ihre Automaten eingebaut haben, werde es noch eine Zeit dauern.

Doch es gebe auch kurzfristige Maßnahmen, mit denen ein Automat vor solchen Verbrechen geschützt werden könne. „Einbruchhemmende Rollgitter, gehärtete Wände oder Systeme, die Täter einnebeln“, zählt Kipping auf. „Einfärbe- oder Klebetechnik zählen zu den langfristigen Maßnahmen.“ Diese dauerten länger in der Installation und seien teurer in der Anschaffung. „Wir empfehlen einen Methodenmix aus lang- und kurzfristigen Maßnahmen.“ Außerdem sei für die Schutzmaßnahmen der Standort ausschlaggebend. Ein Rollgitter zum Beispiel lässt sich nicht überall installieren. Kipping rät, die Automaten mit weniger Geld zu befüllen. Dann sei der Anreiz für Diebe geringer.

In Schönenberg-Kübelberg schlugen Automatensprenger Anfang der Woche zu.
In Schönenberg-Kübelberg schlugen Automatensprenger Anfang der Woche zu.
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