Thallichtenberg / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Film „Als ob die Welt tanzt“ porträtiert Ethno-Projekt

Glückliche Teilnehmer des Projekts Ethno Germany auf Burg Lichtenberg: Der Film „Als ob die Welt tanzt“ dokumentiert die Worksho
Glückliche Teilnehmer des Projekts Ethno Germany auf Burg Lichtenberg: Der Film »Als ob die Welt tanzt« dokumentiert die Workshops des Jahres 2023 und wird nun in Ludwigshafen uraufgeführt.

Dem Ethno-Music-Camp auf Burg Lichtenberg bei Kusel widmet sich die Doku „Als ob die Welt tanzt“. Uraufführung ist beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen.

Es sei ein „crazy project“, ein verrücktes Projekt, sagt ein türkischer Teilnehmer, mit „amazing musicians“, erstaunlichen Musikern, in dem Film, dessen englische Dialoge deutsch untertitelt sind. Es sei ein Urlaub, findet er auch, und dabei entschieden besser, als in der Sonne am Strand zu liegen. Mit einer Weltreise vergleicht kurz davor einer der Organisatoren das Ethno-Music-Camp in der Westpfälzer Burgruine.

Seit 2013 begegnen sich hier, über Thallichtenberg, einmal im Jahr Musiker sowie Tänzer aus den verschiedensten Regionen der Welt, um einige Tage gemeinsam zu verbringen, zusammen zu spielen, zu tanzen, voneinander zu lernen und am Ende im Kollektiv ein Konzert zu geben, das die Einflüsse der verschiedenen Traditionen vereint. 40 Teilnehmer zählte das Camp 2023, als der Mannheimer Filmemacher Mario Di Carlo („Freundschaften – Kommen, um zu bleiben“) das interkulturelle Musizieren mit einem kleinen Team und der Kamera beobachtete. Von der ersten Ankunft der gespannten Gäste auf der Burg, in deren Jugendherberge sie auch untergebracht sind, bis zum letzten „Adios!“ zehn Tage darauf, um ungeahnt viele wertvolle musikalische, aber auch zwischenmenschliche Erfahrungen reicher.

Musik verbreitet sich ohne Noten

Untereinander verständigen sie sich auf Englisch, vor allem aber über die Musik, die damit im Camp wie im Film das berühmte Zitat des US-amerikanischen Schriftstellers Henry Wadsworth Longfellow, „Musik ist die universelle Sprache der Menschheit“, so anschaulich wie hörbar bekräftigt. Ihre Musik, die sie aus allen möglichen Richtungen mitbringen, wird dabei nie über Noten, sondern ausschließlich über das Gehör weitergegeben. Aus Australien kommen die Teilnehmer, aus Estland, Indien oder Frankreich. Etwas näher in den Blick rücken diejenigen aus der Ukraine, weil der Krieg angesprochen wird, der zur Zeit der Dreharbeiten noch vergleichsweise jung war, aber bis heute andauert.

Dieser Blick unterscheidet „Als ob die Welt tanzt“ auch von seinem Vorgänger „Create and Connect – Ethno Germany’s World Trip through Music and Dance“, einem knapp 80-minütigen Film des saarländischen Regisseurs und Musikers Benjamin Riehm, der das Kuseler Camp nur vier Jahre zuvor, 2019, dokumentierte. Mario Di Carlos rund zehn Minuten kürzerer Film blickt weiter über das Camp und sozusagen die alten Mauern von Burg Lichtenberg in die Welt hinein. „Es geht nicht mehr nur um Musik und Tanz, sondern um die großen Fragen des Lebens“, erklärt der 54-jährige Mannheimer selbst. „Wie wollen wir miteinander leben? Wie wollen wir miteinander umgehen? Diese Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film, sodass man immer mehr über die Protagonisten und ihre Gedanken erfahren möchte.“

Regisseur finanziert Film mit seinem Team selbst

Seine Musikdoku sei eine „Freundes- und Familienproduktion“, formuliert Di Carlo, an der er im Kern mit seiner Tochter Alba und zwei Mannheimer Kameraleuten gearbeitet habe. „Wir haben das selber finanziert. Weil wir uns in das Projekt verliebt haben, haben wir gesagt, wir machen das jetzt.“

„Als ob die Welt tanzt“ widmet sich erst der Musik und dann den Tänzen, aber vor allem immer den Menschen, die sie gestalten. So begegnen die Zuschauer wie die Teilnehmer über fremde Kulturen oder den exotischen Klang ungekannter Musikinstrumente letztlich individuellen Biografien und den Menschen, die sie leben. „Die Welt dreht sich ja momentan genau in die andere Richtung“, beobachtet Di Carlo, dessen Film der Abgrenzung und dem Nationalismus eine klare Absage erteilt. Er verdeutlicht den unschätzbaren Wert der Musik, der Begegnung, der Gemeinschaft und des Austauschs. „Die jungen Leute zeigen, dass das alles geht und dass man sich nicht einlullen lassen soll, was alles angeblich nicht geht“, so der Dokumentarfilmer. „Mit gutem Willen, mit einem guten Konzept dahinter, mit der richtigen Örtlichkeit und der richtigen Einstellung geht ganz viel.“

Erinnerung an Tradition reisender Musikanten

Die „richtige Örtlichkeit“ liegt passenderweise im Musikantenland. In der Zehntscheune von Burg Lichtenberg selbst erinnert das Pfälzer Musikantenland-Museum an das Wandermusikantentum zwischen Kusel, Kaiserslautern, Rockenhausen und Meisenheim, das im 19. und noch im frühen 20. Jahrhundert viele Pfälzer aus wirtschaftlicher Not zu weit reisenden Musikern werden ließ, die im näheren und ferneren Ausland, selbst in den USA oder Australien, aufspielten.

Vielleicht bekommt man eine Ahnung davon, wenn am 20. August, zur Eröffnung des Ludwigshafener Filmfestivals, „Die Wandermusikanten“ um die Brüder Bernhard und Roland Vanecek mit Posaune, Sousaphon, Trommeln und Trompeten auftreten werden. Die Teilnehmer des diesjährigen Ethno Music Camps spielen, jeweils bei freiem Eintritt, am 15. August ab 20 Uhr in der Konzertmuschel im Ludwigshafener Ebertpark und am 16. August um 20 Uhr in der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel. Die bereits ausverkaufte Uraufführung von „Als ob die Welt tanzt“ beim Festival des deutschen Films findet am 21. August um 21 Uhr statt, eine zweite Vorstellung gibt es am 22. August um 13 Uhr.

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