Kusel Kusel/Wolfstein: Anzahl der Alkoholfahrten steigt an Fasnacht nicht
Polizei und Jugendsozialarbeiter im Kreis Kusel registrieren in den närrischen Tagen keinen Anstieg von Alkoholfahrten oder Gewalt.
Alkohol oder der Missbrauch von Betäubungsmitteln, „das beschäftigt uns das ganze Jahr“, betont der Leiter der Kuseler Polizei, Gerhard Glaser. Ein signifikanter Anstieg an Alkohol-Fahrten sei an Fasnacht nicht festzustellen. „Es ist wohl in den meisten Köpfen drin, dass es mit dazu gehört, sein Auto dann stehen zu lassen“, schildert Glaser. Er weist auch darauf hin, dass der Landkreis Kusel keine Karnevalshochburg sei. „Trotzdem kontrollieren wir“, verweist Glaser auf die Präsenz der Polizei. Auch, wenn die fünfte Jahreszeit mitunter allerhand Regeln außer Kraft setzt: Bei Vandalismus, Gewalt, Rohheitsdelikten oder Alkoholexzessen von unter 16-Jährigen vermag Glaser in der närrischen Zeit keinen Anstieg zu erkennen. „Das kommt natürlich immer wieder vor“, sagt er. Aber eben nicht speziell zu Fasnacht. Glasers Beobachtungen decken sich mit denen seiner Lauterecker Kollegen. Alkohol sei ein ständiges Thema, bestätigt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Lauterecken, Dietmar Schmitt. Dennoch werde die Lauterecker Streife „in den nächsten Tagen genauer nachschauen“, kündigt er an. Denn an den „feucht-fröhlichen Tagen“ sei nicht jeder so vernünftig, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehen zu lassen. Saufen, bis der Arzt kommt: Registrierte das Statistische Bundesamt vor zwei Jahren noch mehr Kinder und Jugendliche, die nach Alkoholexzessen im Krankenhaus behandelt werden mussten, geht deren Zahl wieder zurück. Im Jahr 2015 mussten wegen akuten Alkoholrausches bundesweit 113.996 Patienten ins Krankenhaus. Knapp 23.000 waren zwischen zehn und 20 Jahren. Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Im Kreis Kusel haben die meisten Jugendlichen nach Einschätzung des Wolfsteiner Jugendsozialarbeiters Daniel Hübner kein Alkohol-Problem. Nach seinen Erfahrungen gibt es drei Gruppen: Junge Leute, für die Alkohol gar kein Thema ist, solche, die ihr Limit genau kennen und vernünftig mit Alkohol umgehen, und Jugendliche, die ab und an über das Ziel hinausschießen. „Die wird es aber immer geben“, ist Hübner überzeugt. „Jungs und Mädels wissen um ihre Verantwortung“, lautet die Erfahrung des 32-jährigen Pädagogen. Er sieht es als Auftrag der Jugendarbeit, junge Leute für Fragen zu Alkohol zu sensibilisieren, auch Alternativen aufzuzeigen. „Denn irgendwann kommen alle damit in Berührung“, weiß Hübner, der auch im Arbeitskreis Sucht des Landkreises Kusel vertreten ist und Präventionsarbeit etwa an Schulen leistet. Laut Hübner kommt Veranstaltern von Partys eine wichtige Rolle zu. Von Koma-Saufen in der Region hat er noch nicht gehört. Im Gegenteil: „Meistens läuft das gut“, erinnert er beispielsweise an Schulabgängerfeten. „Als Veranstalter darf man kein Auge zudrücken“, warnt Hübner mit Blick auf das Jugendschutzgesetz. Was andere Drogen wie die gefährlichen Kräutermischungen betrifft, berichtet Hübner: „Die Popularität von Legal Highs hat zugenommen. Die Jugendlichen wissen, wie sie sich diese besorgen können, sie wissen aber auch um deren Gefahr.“ Ein Problem sieht Hübner vielmehr beim Thema Nikotin: „Rauchen ist für viele zum Standard geworden“, registriert der Jugendsozialarbeiter. Viele seien jünger als 16, und sie zündeten sich heute selbstverständlich Zigaretten an - ohne Angst, erwischt zu werden. „Früher haben wir dafür große Umwege in Kauf genommen“, beobachtet er, wie manche Hemmschwelle inzwischen gesunken ist. Das sieht sein Kollege Ralf Spacky vom Haus der Jugend in Kusel ähnlich: „Ich verstehe nicht, dass nach so vielen Jahren Aufklärungsarbeit Rauchen immer noch nicht negativ behaftet ist“, bedauert der Jugendsozialarbeiter. Dass viele der Jungs und Mädels heute rauchen, findet Spacky gravierender als deren Alkoholkonsum. Der halte sich nämlich in Grenzen. Spacky: „An Fasching oder bei anderen Veranstaltungen haben wir im Jugendhaus gar kein Problem mit Alkohol.“ |suca