Sembach
Zwischen Airbase-Erbe und Zukunft: Sembach startet Projekte für Jung und Alt
Über die Region hinaus bekannt ist Sembach, das am nordöstlichen Rand des Landkreises Kaiserslautern liegt, vor allem durch den Einfluss der Amerikaner. Die US Air Force betrieb zwischen 1953 und 1995 dort einen Militärflughafen, die „Airbase Sembach“. Markantes Überbleibsel aus der Zeit des Kalten Kriegs ist der große grüne Flughafen-Tower, der aus dem heutigen Gewerbegebiet herausragt. In unmittelbarer Nähe, auf einem Hügel gelegen, gibt es noch die ehemalige Housing Area, die heute als „Sembach Kaserne“ von der US Army als aktiver Militärstützpunkt genutzt wird. Das Areal gehört zum angrenzenden Donnersbergkreis. Unter anderem gibt es dort eine Elementary/Middle School für US-Schüler und das einzige Militärgefängnis der US-Streitkräfte in Europa.
Mit derzeit rund 1200 Einwohnern gehört Sembach, das Teil der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn ist, zu den kleineren Orten im Kreis. Wie viele Amerikaner aktuell in der Gemeinde leben, ist nicht bekannt, informiert Ortsbürgermeister Peter Beutler (FWG), der seit 2024 im Amt ist. Eine Statistik darüber werde nicht geführt, da die Mitglieder ausländischer Streitkräfte im Rahmen des NATO-Truppenstatuts von der allgemeinen Meldepflicht befreit sind. Probleme mit leerstehenden Häusern oder Wohnungen wie in anderen Gemeinden gebe es hier nicht, da unter anderem viel an Amerikaner vermietet werde.
Amerikaner in die Dorferneuerung einbezogen
Dem Ortschef, der selbst in der „Sembach Kaserne“ in der Personalentwicklung arbeitet, ist es ein Anliegen, ein gutes Miteinander zwischen den Sembacher Bürgern und den Amerikaner zu fördern. Aus diesem Grund habe man diese auch in die Planungen zur Dorferneuerungen – aktuell das größte Projekt in der Gemeinde – miteinbezogen. Mit Vertretern eines Fachbüros tüfteln Bürger in verschiedenen Workshops gerade daran, wie das Leben im Ort besser gestaltet werden kann.
Einer der dringendsten Wünsche sowohl der Einheimischen als auch der Amerikaner ist: Es soll neben der Metzgerei, die es im Ort noch gibt, endlich wieder weitere Einkaufsmöglichkeiten – einen Supermarkt oder zumindest eine Bäckerei – geben. Zum nächsten Geschäft müssen die Sembacher derzeit nach Mehlingen, Enkenbach, Lohnsfeld oder Winnweiler fahren. Der Ort teilt damit das Schicksal vieler kleiner Gemeinden: Einen Arzt oder Zahnarzt gibt es nicht mehr, allerdings eine Physiotherapeutin. Die Abc-Schützen fahren mit dem Bus in den Nachbarort nach Mehlingen. Mit der Kita „Sonnenblume“ in der Marktstraße gibt es aber eine Betreuungsmöglichkeit für die Allerkleinsten im Ort.
Stolz ist der Bürgermeister darauf, dass in der Einrichtung seit kurzem jeden Tag frisch gekocht wird. Der Gemeinderat habe sich dafür entschieden, den Vertrag mit dem Caterer, der die Kita zuvor mit Essen beliefert habe, zu kündigen und einen eigenen Koch einzustellen, erklärt Beutler. Für den Ortschef ist dies auch ein Versuch, die Kita attraktiv zu machen und mehr Kinder in den Ort zu bekommen, wie er sagt. Denn es zeichne sich bereits ab, dass die Einrichtung auch die Auswirkungen der demografischen Entwicklung zu spüren bekommen werde. Es würden immer weniger Kinder angemeldet. „Wir hatten mal 65 Kinder in den drei Gruppen, heute sind es noch 52“, so Beutler. Auch Bauplätze auszuweisen, werde künftig Thema sein.
Vermarktung im Gewerbepark geht weiter
Was das Gewerbe angeht: Nach langem Stillstand werden im Gewerbepark, dem ehemaligen US-Militärflugplatz, jetzt wieder Grundstücke an interessierte ansiedlungswillige Firmen verkauft. Wegen der Belastung mit PFAS (per- und polyfluorierten Chemikalien) hatte die BundesImmobilien (vormals Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), der das Gelände gehört, die Vermarktung auf Eis gelegt.
Dass sich im Zuge der Dorferneuerung schon etwas getan hat, zeigt der Ortschef dann bei einem kleinen Rundgang durch den Ort. In der Hauptstraße auf Höhe des Pariser Hofs werden aktuell gerade zwei „Schandflecke“ in Angriff genommen, die in zentraler Lage liegen: Da ist zum einen das historische Gebäude, in dem früher eine Sparkassenfiliale untergebracht war, das alte Bürgermeisteramt in der Hauptstraße. Das Haus mit Glockentürmchen gehört der Gemeinde und steht unter Denkmalschutz. Derzeit sind die beiden Gemeindearbeiter dabei, die obere Wohnung zu renovieren, um sie wie die beiden Einheiten im Erdgeschoss vermieten zu können, erläutert Beutler. Aber auch die Außenfassade, die keinen schönen Anblick darstellt, wird jetzt renoviert. Dass es seit fast zwei Jahren einen weiteren Gemeindearbeiter gibt, sei „Gold wert“, so der Ortschef.
Kontakt zu Friedas 24 aufgenommen
Sehr in die Jahre gekommen ist auch der ehemalige Supermarkt, schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. Im Zuge der Dorferneuerung habe die Gemeinde das zweistöckige Gebäude von dem Besitzer gekauft, so der Bürgermeister. Er könne sich vorstellen, hier einen automatisierten Dorfladen in Eigenregie oder zusammen mit einem Franchisenehmer zu realisieren. Bei Friedas 24, die auch einen Laden in Schopp in Kooperation mit der Landbäckerei Dusch betreibt, habe er schon angefragt, aber bisher noch keine Rückmeldung bekommen. Die Mannheimer Yobst GmbH, die ein ähnliches Konzept des 24-Stunden-Einkaufens ohne Personal anbiete, habe dagegen schon abgewinkt, berichtet Beutler von den bisherigen Erfahrungen.
Sehr am Herzen liegt dem Ortschef auch die alte Kirche der Mennonitengemeinde in der Friedhofstraße. Diese werde nicht mehr genutzt, stehe unter Denkmalschutz und sei sanierungsbedürftig. Es wäre toll, wenn die Kirche erhalten bleiben und auch genutzt werden könne, beispielsweise für das Seniorencafé der Gemeinde, das zurzeit in der Mehrzweckhalle stattfände. „Es wäre viel Geld, was man in die Renovierung stecken müsste. Wir müssen mal schauen, ob sich dieser Traum verwirklichen lässt“, erklärt Beutler, dass es noch keine konkreten Pläne dazu gibt.
Bewegung für Jung und Alt
Schon einen Schritt weiter ist die Gemeinde dagegen, was ein Angebot für Jung und Alt am Ortsrand angeht: Neben dem Bolzplatz soll ein Bewegungspark entstehen, der über einen Feldweg gut zu erreichen sei. Neben einer Calisthenics-Anlage, eine Art Fitnessstudio im Grünen für ein effektives Eigengewichtstraining mit entsprechenden Geräten, werden Basketballkörbe installiert und ein Pumptrack angelegt. Auf dieser speziellen Mountainbikestrecke kann unter Ausnutzung des welligen Längsprofils durch koordinierte, „pumpende“ Auf- und Abwärtsbewegungen des Körpers Geschwindigkeit aufgebaut werden, ohne selbst in die Pedale treten zu müssen. Baubeginn ist im Sommer. Rund 120.000 Euro will die Gemeinde dafür in die Hand nehmen, 50.000 Euro davon sollen über die Sportstättenförderung „Land in Bewegung“ bezuschusst werden.
Ob Verschönerung des Orts, Spendenaktionen oder Feste: Vieles werde im Ort von „einem riesigen Pool an Ehrenamtlichen“ gestemmt, berichtet Beutler. Die Landfrauen kümmerten sich um das Bepflanzen von Blumenkübeln im Ort und zwei Frauen aus diesem Kreis richteten einmal im Monat ein Seniorencafé aus. Weil es keinen Bäcker mehr im Ort gebe, sei jetzt die Idee entstanden, auch einmal ein Sonntagsfrühstück für alle im Wintergarten der Mehrzweckhalle anzubieten. „Das ist auf eine große Resonanz gestoßen. Es gab etwa 70 Anmeldungen“, freut sich der Bürgermeister.