Sembach
Neue US-Grundschule in der Sembach-Kaserne eingeweiht
Die Elementary School auf dem Heuberg ist Teil der umfassenden Initiative „21st Century Schools“. Popcorn-Geruch lag in der Luft, als nach den Grußworten endlich die Plastikscheren und Konfettikanonen im großzügigen Tiger-Theater, dem multifunktionalen Foyer der Schule, zum Einsatz kamen. Irgendwie wollten alle Teil einer Zeremonie werden, die von Rektor Andrew Gann als „wichtiger Meilenstein für Schüler und Familien mit Militärbezug“ bezeichnet wurde. Der Tiger, das Plüsch-Maskottchen der Schule, schien sich derweil köstlich zu amüsieren.
Auch die Botschaft des Schulchors unter der Leitung von Angela Hartwig war unmissverständlich: „Eine Million Träume ist alles, was es braucht, eine Million Träume für die Welt, die wir erschaffen werden.“ Trotziger Tatendrang und unerschütterlicher Optimismus in aufwühlenden Zeiten.
Selbst organisiertes Lernen
Ziel des pädagogischen Konzepts „21st Century Schools“ ist es, Kinder und Jugendliche besser auf eine technologie- und medienbestimmte Welt vorzubereiten. Das Konzept, das bereits in den USA angewandt wird, hat nicht nur Einfluss auf die Lehrinhalte, sondern auch auf die Ausgestaltung der Schulen. Das neue Schulbaukonzept soll weltweit an vielen US-Militärstandorten umgesetzt werden – auch in Rheinland-Pfalz.
Dabei sollen Kinder von Anfang an lernen, wie man sich informiert, bewertet, kommuniziert und Probleme löst – selbstständig und vernetzt und nicht etwa im gewohnten Frontalunterricht. Kommunikation, Teamwork, Performance und selbst organisiertes Lernen stehen im Vordergrund. Die Kinder sollen historische, gesellschaftliche und globale Zusammenhänge nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern auch verstehen.
Forschen statt pauken
Was das bedeutet, zeigte sich bereits beim Rundgang durch die hellen Räume mit den Schülerinnen Nina und Charlie, die sichtbar stolz ihr neues Zuhause präsentierten. Der pädagogische Ansatz ist nicht neu, soll nun aber stringent angewendet werden: Elektronische Medien und Internet ersetzen Hefte und Bücher, sogenannte Coaches übernehmen die Rolle des Lehrers. Es soll geforscht statt gepaukt werden – projektbasiert und interdisziplinär. Die US-amerikanische Schulverwaltung bedient sich dabei Schlagworten: „Das Team ersetzt die Klasse, das Klassenzimmer wird zur Lernplattform.“
Das pädagogische Konzept beeinflusst auch die Architektur. 52 Jahre nach dem ersten Schulbau auf dem Heuberg zeigt sich das nun am neuen Gebäude. Einheitliche Formen sind nicht wichtig. Es wird Wert auf nachhaltige, individuell gestaltete Bauten mit viel Freiraum gelegt. Die Schule selbst wird zum Lernobjekt, wenn sogenannte Schaufenster den Blick ins Innere der Wände ermöglichen. Die Grundschule bietet Raum für 350 Kinder im Alter von vier bis elf Jahren.
Lernbereiche als erweiterte Klassenzimmer
Um das Foyer, das als Veranstaltungs-, Begegnungs- und Kommunikationszone dient, gruppieren sich die verschiedenen Lernbereiche („Neighborhoods“) als erweiterte Klassenzimmer – jeweils mit einer Unterstruktur für größere und kleinere Gruppen. Dabei wird die Trennung zwischen Klassenzimmer und Gemeinschaftsräumen aufgehoben. Außerdem sind um das Foyer Einrichtungen wie Studios für Naturwissenschaften, schöne Künste und Technik angeordnet, aber auch Verwaltungsräume und die Mensa. An der Peripherie sind Bereiche für Gesundheit und Fitness eingerichtet.
Das Großprojekt sei auch für den Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), der für das Projektmanagement verantwortlich war, „eine spannende, anspruchsvolle und komplexe Aufgabe“, wie der Kaiserslauterer LBB-Niederlassungsleiter Stefan Kotschenreuther betont. Der LBB ist für Liegenschaften des Landes und des Bundes und somit auch für die US-Liegenschaften in Rheinland-Pfalz zuständig. Mit einem Team, das in der Hochphase des Projektes rund 20 Personen umfasst hat, stimmte sich der Landesbetrieb mit seinem Pendant auf amerikanischer Seite, dem U.S. Army Corps of Engineers, bei den einzelnen Bauschritten ab.
Weitere Schulen werden gebaut
Das US-Militär investiert allein in Rheinland-Pfalz aktuell insgesamt mehr als 766 Millionen Euro in seine Schulen. Die Baukosten werden aus dem US-Haushalt finanziert. Allein der zweigeschossige Neubau in Sembach mit einer Bruttogeschossfläche von 9800 Quadratmetern wird mit Baukosten von knapp 50 Millionen Euro beziffert, die Bauzeit betrug vier Jahre. Als Generalunternehmer wurde die Lauterer Firma Wolff & Müller Government Services mit dem Bauvorhaben betraut.
Bei der Sembach Elementary School handelt es sich um eine von insgesamt acht Schulen, die im Raum Kaiserslautern bereits errichtet wurden oder sich im Bau befinden. Wie der LBB auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilte, werden nach der Fertigstellung verschiedener Elementary und High Schools aktuell zwei Mittelschulen in Kaiserslautern (Fertigstellung 2029) und Ramstein (2030) gebaut. Die neu zu errichtende Grundschule in Landstuhl soll 2028 eingeweiht werden.