Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel St.-Johannis-Krankenhaus: Wie aus der Armenfürsorge eine moderne Klinik entstand

Das Nardini Klinikum verfügt heute über ein umfangreiches Leistungsspektrum. Die Hinweisschilder an der Mittelbrunner Straße wei
Das Nardini Klinikum verfügt heute über ein umfangreiches Leistungsspektrum. Die Hinweisschilder an der Mittelbrunner Straße weisen auch auf die Zusatzeinrichtungen hin.

Einst ist das Nardini Klinikum aus einer Armen- und Krankenstation entstanden. Heute ist es ein modernes Krankenhaus. Im Oktober feiert es 50 Jahre im Stadtteil Atzel.

Mit einem Tag der offenen Tür feiert das Nardini Klinikum Landstuhl am Samstag, 25. Oktober, von 14 bis 18 Uhr sein 50-jähriges Bestehen im Landstuhler Stadtteil Atzel. An dem Tag stehen spannende Angebote wie diagnostische Untersuchungen, Vorträge, Krankenhausführungen und Ausstellungen auf dem Programm. Ebenso gibt es die Gelegenheit, Kulinarisches aus Bayern und der Pfalz zu genießen. Denn gerade die Verbindung zwischen Bayern und der Pfalz hat für das St.-Johannis-Krankenhaus Landstuhl traditionell eine große Bedeutung.

Das Krankenhausgebäude auf der Atzel während der Bauzeit zu Beginn der 1970er Jahre.
Das Krankenhausgebäude auf der Atzel während der Bauzeit zu Beginn der 1970er Jahre.

Die Jubiläumszahl 50 täuscht über das tatsächliche Alter des Landstuhler Krankenhauses hinweg. Denn die Einrichtung, die vor über 50 Jahren durch ihr Wachstum den Neubau auf der Atzel erforderlich gemacht hatte, ist bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden – wenn auch nicht gleich als Krankenhaus im heutigen Sinne.

Antwort auf großen Hunger

Die Einrichtung wurde im wahrsten Sinne des Wortes aus der Not heraus geboren. „Missernten und Hungersnöte, die dadurch entstandene Knappheit der Lebensmittel beziehungsweise die Teuerung, insbesondere 1846/47 und 1854, nahmen in der gesamten Westpfalz so bedrohliche und besorgniserregende Formen an, dass das Landcommissariat Homburg bereits 1846 den Landkreis zum Notstandsgebiet erklären musste. In allen Gemeinden schnellten die Ausgaben der Lokalarmenpflege in die Höhe. In Landstuhl wurde damals eine Suppenanstalt eingerichtet, um die Hungernden zu versorgen“, schrieb Lokalhistoriker Roland Paul 1992 in einer Abhandlung.

Die Not der Armen, Kranken und Waisen wurde zu Beginn der 1850er Jahre in Landstuhl durch zwei Einrichtungen gelindert. 1852 wurde das Diözesan-Waisenhaus gebaut. 1854 wurde auf Initiative des Landstuhler Pfarrers Matthias Weber der Lokal-St.-Johannis-Verein ins Leben gerufen, dem sofort 114 Mitglieder beitraten. Durch reichliche Zuschüsse von der königlichen Regierung aus München und echten Wohltätern aus der Bürgerschaft konnten die notwendigen Einrichtungen beschafft und die Pflege der Armen und Kranken unabhängig von der Konfession aufgenommen werden.

Krankenpflege durch Ordensschwestern

Die Krankenstation war zunächst in einer gemieteten Wohnung in der Landstuhler Kirchenstraße untergebracht. Die Krankenpflege wurde durch drei Schwestern des Ordens des göttlichen Erlösers aus Niederbronn übernommen. Schon bald jedoch wurde die Einrichtung aufgrund der großen Inanspruchnahme zu klein. Im Februar 1855 erfolgte ein Aufruf an die Bevölkerung Landstuhls – mit der Bitte, dabei zu helfen, die für den Erwerb des damals zum Verkauf stehenden Grundstücks (heute Bürgerhaus) notwendige Summe aufzubringen.

In kurzer Zeit wurden 2900 Gulden gespendet. Durch weitere großzügige Spenden – sowohl aus München als auch von hiesigen Bürgern – konnte das erworbene Gebäude repariert und baulich verändert werden. Zudem konnte es um die notwendigen Einrichtungsgegenstände ergänzt werden. Der Betrieb in der jungen Anstalt zur Armen- und Krankenpflege konnte aufgenommen werden. Anstelle der Schwestern aus Niederbronn kamen 1861 die Barmherzigen Schwestern aus dem Orden der Armen Franziskanerinnen vom Mutterhaus Pirmasens, das im Jahr 1868 nach Mallersdorf verlegt wurde.

Krankenhaus wird erweitert

1878 wurde ein neues Krankenhaus gebaut, das „Hospital“ genannt wurde. Es folgten weitere Um- und Erweiterungsbauten. In den Jahren 1910 und 1911 konnten durch den Bau eines zweiten Stockwerkes die Bettenzahl und die Behandlungsmöglichkeiten des St.-Johannis-Hospitals erheblich erweitert werden.

Das Hospital Landstuhl, etwa 1910/1911 aufgenommen, nach Fertigstellung des zweiten Stocks .
Das Hospital Landstuhl, etwa 1910/1911 aufgenommen, nach Fertigstellung des zweiten Stocks .

Im Ersten Weltkrieg diente das Hospital als eine von vier Abteilungen des „Vereinslazaretts Landstuhl“. Dazu schrieb ein leitender Arzt des Vereinslazaretts im Jahr 1916: „Die schwerer Verwundeten und ernster Kranken werden von der freiwilligen Sanitätskolonne direkt vom Bahnhof in das Hospital verbracht. Dieses hat sich aus ganz bescheidenen Anfängen zu einem ganz ansehnlichen Krankenhause entwickelt.“

Auszeichnung für Schwestern

„Einen großen Anteil an der beispielhaften Entwicklung des St. Johannis-Krankenhauses, die sich über Jahrzehnte hinaus fortsetzte, hatten die Schwestern des Mallersdorfer Ordens, die dafür mit dem König-Ludwig-Kreuz eine verdiente Ehrung und Auszeichnung erhielten“, berichtete der erste Vorsitzende des St.-Johannis-Vereins, Thomas Pletsch, bei der 160-Jahr-Feier des zweitältesten Landstuhler Vereins. Pletsch erwähnte damals weiter: „Am 9. Mai 1962 überträgt der St.-Johannis-Verein Landstuhl das St. Johannis-Krankenhaus mit dem gesamten Grundbesitz mit Wirkung vom 1.4.1962 an die Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf.“

Der Umzug der Patienten gelang im November 1975 mit tatkräftiger Unterstützung der Amerikaner.
Der Umzug der Patienten gelang im November 1975 mit tatkräftiger Unterstützung der Amerikaner.

Die Erweiterungen und Modernisierungen machten es erforderlich, ein neues Gelände auf dem Schafhof in Landstuhl-Süd zu erwerben und dort ein neues Gebäude zu errichten. 1969 wurde mit dem Bau begonnen. 1975 wurde es in Betrieb genommen. Der Umzug ins neue Haus stellte die Verantwortlichen vor große logistische Herausforderungen, schließlich musste der laufende Betrieb weitergehen. Am 17. November konnten letztendlich die damals 120 Patienten mit tatkräftiger Unterstützung der Amerikaner innerhalb von nur zwei Stunden ins neue Gebäude gebracht werden.

Rund 900 Mitarbeiter

Im Jahr 2011 entstand durch die Fusion mit dem St.-Elisabeth-Krankenhaus Zweibrücken ein Verbund-Klinikum, das den Namen Nardini Klinikum trägt. Träger des Nardini Klinikums ist die öffentlich-rechtliche Nardini-Stiftung mit Sitz in Mallersdorf. Das Nardini Klinikum ist ein modernes Krankenhaus mit einem umfangreichen Schwerpunktangebot und insgesamt 548 Betten an beiden Standorten. Das Verbundkrankenhaus verfügt über die Fachabteilungen Anästhesie und Intensivmedizin, Gefäß- und Viszeralchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Radiologie, Innere Medizin, Orthopädie, Gelenkchirurgie und Sporttraumatologie sowie über die Belegabteilungen Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Urologie.

Allein in Landstuhl sorgen im Jahresdurchschnitt rund 900 Mitarbeiter inklusive Schülern und Auszubildenden für eine optimale medizinische und pflegerische Versorgung. Das einst aus einer Armen- und Krankenstation entstandene moderne Klinikum ist damit auch einer der größten Arbeitgeber der Sickingenstadt.

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