Kreis Kaiserslautern
Signalkrebs stellt Bedrohung für heimische Tiere dar
Der Signalkrebs wird als invasiv bezeichnet, da er ökologischen oder ökonomischen Schaden anrichtet. Nach Europa eingeführt worden sei der Nordamerikaner, der dort in den kühlen Bächen der Rocky Mountains lebt, Mitte des 20. Jahrhunderts, um die aufgrund der Krebspest zusammengebrochene Population der heimischen Edelkrebse für die Krebsfischerei zu kompensieren, berichtet der Trippstadter Biologe Jürgen Ott.
Dass das keine besonders gute Idee war, zeige sich mittlerweile. Denn der Signalkrebs, der gut an den hellen Flecken auf seinen Scheren zu erkennen ist, erkranke zwar selbst nicht an der Krebspest, könne sie aber sehr wohl übertragen. Außerdem passe er sich in seiner neuen Heimat an steigende Temperaturen gut an, sei aktiver und fitter als der Edelkrebs und verdränge diese Art daher zu hundert Prozent.
Ein Allesfresser
Da er ein Allesfresser sei – kleine Fische, Aas, Insekten, Laich, Kleintiere stehen auf seinem Speisezettel – könne er sein Wohngewässer regelrecht leerfressen, sagt der Biologe. Intensiv hat der Fachmann für Libellen untersucht, welche Auswirkungen es auf diese Spezies – etwa auf die Gekielte Smaragdlibelle – hat, wenn sich der Signalkrebs ausbreitet. Diese in Deutschland seltene Libellenart hatte sich wieder an der Grenze zu Luxemburg angesiedelt. Nun ist die Population durch den tierischen Neubürger stark bedroht. „Signalkrebse halten sich an den Erlenwurzeln, die der typische Lebens- und Aufenthaltsort der Smaragdlibellenlarven sind, auf und können diese dort gut erbeuten“, berichtet Ott.
Wird das Nahrungsangebot für den Krebs knapp, macht sich Pacifastacus leniusculus, wie er mit lateinischem Namen heißt, über Land auf zu neuen Ufern. Vor allem nachts und bei Regen könnten die Tiere durchaus mehrere hundert Meter außerhalb von Gewässern zurücklegen, hält Ott fest.
Kaum Fressfeinde
Der Krebs selbst habe hierzulande kaum Fressfeinde. Reiher und Störche labten sich zwar auch an ihm, aber nicht so stark, dass die Population dadurch dezimiert würde, sagt Ott. Ein effektiverer Jäger wäre da der Otter, der in der Pfalz jedoch ausgerottet wurde. Der Biologe hat daher in einem Fünf-Säulen-Konzept zur Begrenzung der Schäden durch invasive Krebsarten angeregt, Lutra lutra im Pfälzerwald versuchsweise wieder anzusiedeln. Bislang allerdings ist nichts in dieser Richtung geschehen. Auch Krebssperren oder andere Barrieren wurden im Kreis Kaiserslautern nirgends angebracht.
Letzteres sei kaum zielführend, heißt es aus dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM), da die Tiere die Hindernisse eben auf dem Landweg umlaufen können. Und in Sachen Otter glauben die Mainzer, dass dieser ohnehin schon auf dem Weg in die Pfalz sei. „Der Otter dehnt sein Areal ausgehend von den östlichen Bundesländern kontinuierlich nach Westen aus. Mit seinem Auftreten in Rheinland-Pfalz ist in den nächsten Jahren zu rechnen“, teilt Manuela Ohs, die Pressesprecherin des Ministeriums, mit. Daher seien die ehrenamtlichen Berater des Biberzentrums in Fischbach bei Dahn bereits zusätzlich auch für Otter geschult worden. Da diese Art jedoch nicht nur Krebse fresse, sondern auch Fische, könnten sich daraus wiederum andere Probleme, zum Beispiel mit Fischzüchtern, ergeben, gibt Ohs zu bedenken.
Abfischen „kaum realisierbar“
Eine andere Maßnahme, das Abfischen der Krebse, sei aufgrund der mittlerweile großen Populationsdichte „in der Fläche kaum realisierbar“. Nur isolierte Vorkommen könnten eventuell vollständig ausgelöscht werden, glauben die Fachleute aus dem MKUEM. „Kamberkrebs und Signalkrebs sind in Rheinland-Pfalz allerdings derart häufig und verbreitet, dass eine merkliche Reduktion nach unserer Einschätzung realistischerweise nicht mehr zu erreichen ist.“


