Ramstein-Miesenbach
Azur: Neubau statt Umbau
Fünf 50-Meter-Bahnen, ein Planschbecken mit Wasserspielen für Kleinkinder, ein Sprungbereich sowie ein höhenverstellbarer Beckenboden, das alles unter einem Cabriodach, das sich bei schönem Wetter öffnen lässt: Der Entwurf in der Machbarkeitsstudie, die beleuchtet, wie das dringend sanierungsbedürftige Freizeitbad Azur Ramstein-Miesenbach doch noch modernisiert werden könnte, ohne dass sich die Verbandsgemeinde (VG) dabei finanziell maßlos verschuldet, mutet recht schlicht an. Statt, wie bei den bisherigen Planungen vorgesehen, das alte Bad zu ertüchtigen und umzubauen, wird nun ein Neubau erwogen. Er könnte direkt neben dem jetzigen Hallenbad entstehen und wäre ein „Sport- und Freizeitbad in komprimierter Form“, sagte Ralf Hechler, der Bürgermeister der VG, in der Sitzung des VG-Rates am Mittwochabend.
Marcus Klein (CDU), der Erste Beigeordnete der VG, ordnete den neuen Entwurf als gelungen ein. Zum einen verbessere die schlichte Form die Übersicht und vereinfache dadurch die Betriebsführung, was wiederum die Folgekosten sinken lasse. Zum anderen böten die fünf 50-Meter-Bahnen, die sich in der Mitte durch eine Klappwand noch einmal teilen ließen, doppelt so viel überdachte und damit verlässlich rund ums Jahr nutzbare Wasserfläche wie bisher für den Schwimmsport. Sowohl Schulen als auch Vereine könnten davon profitieren. Dass es bei diesem Entwurf kein Freibad und kein Warmwasserbecken im Außenbereich mehr gebe, lasse sich verschmerzen, meinte Hechler, da das Cabriodach für Freibadfeeling sorge. „Und wir hätten bei offenem Dach ein riesiges Warmwasserbecken.“
Deutlich weniger Kosten
Ein weiterer, entscheidender Vorteil dieser kleineren und einfacheren Variante: Sie wäre billiger. Gut 16,1 Millionen Euro würde der Bau ohne Nebenkosten kosten, teilte Martin Schlegel vom mit der Studie beauftragten Architekturbüro Krieger mit. Das wäre zwar auch noch viel Geld, es wären aber rund 25 Prozent weniger als bei dem 22-Millionen-Euro-Planungsentwurf, der seit 2019 in der VG-Schublade liegt. Tatsächlich aber sei die Ersparnis noch deutlich größer, verwies Hechler auf stark gestiegene Baupreise. Heute müssten rund 32 Millionen Euro gezahlt werden, um den Plan von damals umzusetzen.
Aber nicht nur der geringere Nettobetrag stimmt Hechler zuversichtlich. „Wir haben auch deutlich mehr eigene Mittel“, gibt der Bürgermeister Einblick in die Haushaltslage. Nicht mehr nur rund eine Million Euro wie 2019, sondern drei bis 3,5 Millionen Euro könne die VG heuer ohne Kreditaufnahme beisteuern. Auch aus dem Ramsteiner Stadtsäckel könnten noch einmal zwei Millionen fließen, stellt Hechler in Aussicht – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates. Wenn dann das Land eher vier als drei Millionen Euro an Zuschuss gewähre und Ramstein-Miesenbach bei der neuerlichen Bewerbungsrunde um Bundesmittel berücksichtigt würde, müsste im besten Fall nur rund die Hälfte der Summe über Kredite finanziert werden. Daher findet der Bürgermeister, dass der neue, reduzierte Ansatz finanzierbar wäre, auch wenn er am Ende mit Nebenkosten und Rücklagen an die 20 Millionen Euro koste. „Das ist kein Himmelfahrtskommando. Mit dieser Summe könnten wir ins Rennen gehen.“
Klares Ja zum Schwimmbadstandort
Das fanden auch die Ratsmitglieder. Mit ihrem einstimmigen Votum, mit dem Entwurf der Studie bei Fördermittelgebern erneut um Unterstützung für den Badumbau zu werben, bekannten sie sich gleichzeitig zum Schwimmbadstandort Ramstein-Miesenbach – auch wenn damit keine „schwarze Null“ zu erzielen ist. „Es ist immer ein Drauflegebetrieb“, brachte es Alice Grub von der SPD auf den Punkt. Aber wie Hechler, der findet, dass ein Bad die Lebensqualität erhöht, betonte auch sie, dass ein solches Angebot für die Region wichtig sei.
Sobald feststehe, mit welchen Mitteln tatsächlich zu rechnen ist, könnte das Planungsverfahren, das 2018 bereits begonnen hatte, fortgesetzt werden, teilte Hechler im Nachgang der Sitzung mit. Da es sich nicht um eine grundsätzlich neue, sondern lediglich um eine geänderte Planung handele, müsse nach Ansicht der befragten Juristen das Verfahren nicht erneut europaweit ausgeschrieben werden. Hechler hofft, dass bis Jahresende die Fakten auf dem Tisch liegen. Vielleicht könnte dann sogar schon Ende 2024 mit dem Bau begonnen werden.
Mehr zu der bisherigen Entwicklung hinsichtlich der Sanierung des Freizeitbades Azur lesen Sie hier.