Ramstein-Miesenbach
Azur-Sanierung: Innenminister besucht Ramstein-Miesenbach
Ralf Hechler, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Ramstein-Miesenbach, die das Freizeitbad Azur trägt, freut sich auf den Besuch aus Mainz. Innenminister Michael Ebling will voraussichtlich am Mittwoch in die Pfalz kommen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage im Schwimmbad zu machen. „Natürlich erwarte ich mir von dem Termin hier vor Ort etwas“, gibt Hechler zu. Schließlich geht es darum, ob das Land Rheinland-Pfalz doch bereit sein könnte, mehr als die in Aussicht gestellten drei Millionen Euro für die Sanierung des über 30 Jahre alten Bades zuzuschießen.
Undichtes Schwimmbecken
Als die Planungen für den kompletten Umbau des Azur 2019 dem VG-Rat vorgestellt wurden, hatten die Ramstein-Miesenbacher noch die Hoffnung, vom Land großzügig mit Fördergeldern bedacht zu werden. Die Kosten wurden auf rund 20 Millionen Euro geschätzt, dass das Land vier davon in Form von Fördergeldern übernehmen würde, erschien den Politikern realistisch. Diese Größenordnung nannte der Erste Beigeordnete der VG, Marcus Klein (CDU), in der damaligen Sondersitzung das „absolute Minimum“. Vorgesehen waren in den ersten Planungen, die 50-Meter-Bahnen des Freibades einzuhausen, eventuell mit einem Dach, das sich öffnen lassen würde. Sprung- und Warmwasserbecken im Außenbereich sollten erhalten bleiben, ebenso eine Rutsche. Auch Wasserspiele waren in diesem Entwurf vorgesehen und auf jeden Fall eine neue, energetisch optimierte Gebäudehülle sowie eine moderne Technik.
Denn vor allem Letztere ist es, die nach 33 Jahren Dauerbetrieb immer mehr an ihre Grenzen stößt. Im Frühjahr sorgte ein defekter Motor der Abluftanlage dafür, dass das Bad einige Tage schließen musste, kurz darauf fiel die Entscheidung, dass in diesem Sommer der Freibadbereich gar nicht erst geöffnet wird. Grund war das undichte Schwimmerbecken, das in einer Einzelmaßnahme zu reparieren nicht sinnvoll erschien, da ja ohnehin das gesamte Bad saniert werden soll.
Plötzlich eine Million Euro weniger Zuschuss
Zunächst aber stoppte die Corona-Pandemie alle Sanierungspläne. 2021 teilte die Landesregierung in Mainz den Pfälzern dann mit, dass nicht mit vier, sondern höchstens mit drei Millionen Euro zu rechnen sei. Für Hechler war und ist diese Zurückhaltung unverständlich. Immerhin handele es sich um das einzige Hallenbad im Landkreis Kaiserslautern, das damit einen wichtigen Beitrag zum Schwimmenlernen in der Region leiste. Außerdem biete es Wasserfläche für Schul- und Vereinssport. Als weiteres Argument für eine mögliche höhere Förderung führte er damals die Bäderkooperation mit der benachbarten VG Landstuhl ins Feld. Denn in den Förderrichtlinien des Landes zum Sportstättenbau wird genau diese „Schaffung einer gemeinsamen Infrastruktur“ durch mehrere Gemeinden oder Vereine als besonders förderfähig genannt.
Bislang haben all diese Punkte jedoch nicht dazu geführt, dass Mainz mehr Geld für die Azur-Sanierung geben wollte, und das, obwohl in den Jahren seit den ersten Planungen bis heute die Baupreise enorm gestiegen sind. Die Neukalkulation der Kosten für die Badsanierung ergab zuletzt nicht mehr 20, sondern 24 Millionen Euro. Umso ärgerlicher, dass auch die Bewerbung um Bundesmittel in einem anderen Förderprogramm bislang erfolglos geblieben ist. Hier soll es jedoch einen neuen Versuch geben, das beschloss der VG-Rat im Juli.
Im schlimmsten Fall droht Schließung
Trotz all dieser Schwierigkeiten möchten die Ramstein-Miesenbacher an ihrem Bad festhalten, auch wenn Hechler klargestellt hat, dass er nicht bereit ist, die Verbandsgemeinde zugunsten eines Schwimmbades, das zu betreiben nicht zu den Pflichtaufgaben zählt, über die Maßen zu verschulden. Zwar stehe Ramstein-Miesenbach finanziell noch gut da, für ein solch großes Projekt müsste die Gebietskörperschaft dennoch den größten Teil des Geldes aufnehmen. Erhalte die VG keine oder nur eine sehr geringe Unterstützung von außen, müsse daher im schlimmsten Fall sogar über eine Schließung des beliebten Bades nachgedacht werden, hatte Hechler Ende des vergangenen Jahres den Ernst der Lage deutlich gemacht.
Bevor es jedoch soweit kommt, kämen eventuell auch noch deutlich „abgespeckte“ Sanierungslösungen in Frage. „Wir haben die Planer beauftragt, die Kosten zu überarbeiten und eine weitere Alternative auszuarbeiten“, teilt der VG-Chef vor dem Ministerbesuch mit. Ob diese dann wirklich noch gebraucht werden, wird sich am Mittwoch zeigen.