Germersheim
Viele Hemmnisse für Güterzüge entlang B9
Entlang welcher Orte soll die neue Bahntrasse für den Güterverkehr von Genua bis Rotterdam verlaufen? Diese Frage ist noch offen. Derzeit prüft die Deutsche Bahn AG (DB) mehrere mögliche Korridore. Der Streckenverlauf steht noch lange nicht fest. So könnte die Route über Schifferstadt und Landau nach Wörth führen oder aber entlang der B9 über Speyer nach Germersheim und Wörth.
Und der Ausbau der Bahntrasse, die durch den Rhein-Pfalz-Kreis führt, bewegt nicht nur Bürgermeister Marcus Schaile (CDU) und seine Kollegen der betroffenen Gemeinden. Deshalb initiierte er zusammen mit der Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) Informations- und Abstimmungsgespräche mit Bürgermeisterinnen und Vertretern der Kommunen, die von den zur Auswahl stehenden Trassenkorridoren unmittelbar betroffen sind. Seit Monaten stehen sie nun in engem Austausch. Rund 50 mögliche Varianten stehen derzeit im Raum. Bis Herbst sollen davon 10 bis 15 übrig sein. Geplant wird übrigens seit November 2020. Ende 2023 will die Bahn eigenen Angaben zufolge mit einer Variante in ein Raumordnungsverfahren gehen, das danach mehrere Jahre dauern kann.
Bündelung entlang B9
Anfang Juni hat die DB Eckpunkte ihrer Pläne vorgestellt. Berichtet wurde bereits, dass unter anderem bei Römerberg ein Tunnel unter dem Rhein hindurch nach Baden-Württemberg geschaffen werden könnte. Untersucht wurde Schaile zufolge auch, die „Bündelungsoption mit der B9 bei Germersheim“. Entlang einer Bundesschnellstraße die Trasse verlaufen zu lassen, sei eigentlich eine gute Option. Doch in Germersheim gebe es Hindernisse. Unter anderem „das Neubaugebiet Westheimer Neuland“, das rechts von der B9 in Germersheims Westen liegen wird. Auf der anderen Seite liege das US-Depot. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Amerikaner über einen Tunnel, der unterhalb des Depots durchführen soll, erfreut sein werden“, sagt Schaile. Denn die DB hat von „einem alternativen Tunnelabschnitt (mit max. 120 km/h) zwischen Germersheim und Lingenfeld aufgrund enger Platzverhältnisse entlang der B9“ gesprochen.
Doch auch nach Germersheim kann es entlang der Bundesstraße zu weiteren Hemmnissen kommen. So reiche bei Rülzheim die Bebauung sehr nah an die B9 heran. Gegenüber plant Kuhardt in der Nähe der Bundesstraße ein Neubaugebiet. Und in Wörth sieht es laut Schaile nicht besser aus. Dort sei auch ein Tunnel zur Querung des Rheins im Gespräch. „Über Kosten wird nicht gesprochen“, sagt Schaile auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Interessant sei auch, dass Kommunen geglaubt hätten, dass sie durch den Neu- oder Ausbau einer Trasse neue Haltepunkte bekämen. Doch soll es sich um eine „Güterverkehr-Schnelltrasse handeln“, mit wenn möglich wenigen Stopps. Die Güter sollen ja möglichst schnell von Nord nach Süd oder umgekehrt gelangen.
Austausch wichtig
Beim nächsten Dialogforum mit der Bahn sollen die linksrheinischen Flächennutzungspläne in die Untersuchung mit aufgenommen werden. Dadurch würden auch Pläne der Gemeinden, die den potenziellen Linienvarianten entgegenstehen könnten, berücksichtigt werden. Für Stefanie Seiler ist „der interkommunale Austausch“ der vom möglichen Ausbau der Bahntrasse betroffenen Kommunen „sehr wichtig“. Gemeinsam können Synergieeffekte geschaffen werden. Als Kommunalvertreterin und -vertreter trage man eine große Verantwortung für die „Eingriffe in die Natur und die Belange der Bevölkerung“, „die gleichermaßen schützenswert sind“.