Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Bahn sucht neue Trasse

ICE fahren auf dem Abschnitt zwischen Karlsruhe und Mannheim nördlich vom Abzweig Saalbach über die Schnellstrecke.
ICE fahren auf dem Abschnitt zwischen Karlsruhe und Mannheim nördlich vom Abzweig Saalbach über die Schnellstrecke.

Zwischen Mannheim und Karlsruhe gibt es im Netz der Deutschen Bahn (DB) schon heute einen Engpass-Abschnitt. Mit wachsendem Verkehr werden sich die Probleme verschärfen. Nun beginnt die DB mit der Suche nach der Trasse für einen Neu- oder Ausbau.

Der Planungsprozess befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Dennoch soll die Öffentlichkeit schon jetzt an den Planungen beteiligt werden. Die DB hofft, mit dieser frühen Öffentlichkeitsbeteiligung die Akzeptanz für die schließlich gefundene Trasse zu erhöhen und sie nicht zuletzt auch juristisch weniger angreifbar zu machen. Zu den Standardvorwürfen gegenüber einer Planung von Neu- und Ausbaumaßnahmen gehört die Behauptung, dass Alternativen nicht oder nicht ausreichend geprüft worden seien.

Aus dem Bemühen, diesem Vorwurf zu entgehen, erklärt sich der sehr weit gefasste Untersuchungsraum für die geplanten Ausbaumaßnahmen zwischen den Bahnknoten Mannheim und Karlsruhe „zwischen den Höhen des Kraichgaus und des Pfälzerwaldes“. Die DB plant ab Ende 2020/Anfang 2021 vier Dialogforen, für einen Vergleich der noch vorzulegenden Varianten und die Festlegung auf eine Antragsvariante ist die Zeit zwischen dem dritten Quartal 2021 und dem dritten Quartal 2022 vorgesehen. 2023 hofft die DB, mit ihrer Antragsvariante ins Raumordnungsverfahren gehen zu können. Auf das Raumordnungsverfahren folgt noch das Planfeststellungsverfahren, bevor mit dem Bau begonnen werden kann.

Engpass zwischen Karlsruhe und Graben-Neudorf

Über die Strecken zwischen Mannheim und Karlsruhe fahren neben Regionalzügen und S-Bahnen sowohl umfangreicher Fernreiseverkehr als auch starker Ferngüterverkehr. Besonders problematisch sind Streckenabschnitte, auf denen Fernreisezüge (meist ICE) und Güterzüge auf den gleichen Gleisen fahren müssen. Das ist zwischen Mannheim und Karlsruhe auf dem Abschnitt zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe der Fall.

Die wichtigste Strecke für den großräumigen Nord-Süd-Güterverkehr führt über Schwetzingen und Hockenheim nach Karlsruhe. Ein großer Teil der Züge startet im Mannheimer Rangierbahnhof. Züge, die aus Richtung Norden kommen, fahren meist über die Main-Neckar-Bahn und Neu Edingen.

Diese Strecke von Schwetzingen über Karlsruhe nach Basel ist der wichtigste Zubringer zu den Basistunneln in den Schweizer Alpen. Die ICE von Mannheim nach Basel fahren ab Mannheim über die nach Stuttgart führende Hochgeschwindigkeitsstrecke und biegen von ihr am Abzweig Saalbach auf die Strecke nach Graben-Neudorf ab. Bis Graben-Neudorf gibt es immerhin ein drittes Gleis, südlich von Graben-Neudorf ist die Strecke dagegen nur zweigleisig. Die Abzweigung von der Strecke Karlsruhe–Mannheim auf die Schnellstrecke wird mit dem zu Philippsburg gehörenden Ort Molzau bezeichnet.

Nördlich von Graben-Neudorf ist Lage entspannter

Nicht so akut sind im Moment die Kapazitätsprobleme auf dem Abschnitt nördlich von Graben-Neudorf, weil sich hier im Normalfall nur Güterverkehr und Nahverkehr (künftig S-Bahn) die Strecke teilen. Sie kommen sich weniger in die Quere, weil die Geschwindigkeitsdifferenzen nicht so hoch sind wie zwischen Güterzügen und Fernreisezügen. Wenn sich Prognosen zum Wachstum des Güterverkehrs bewahrheiten, könnten allerdings auch auf diesem Abschnitt zusätzliche Kapazitäten erforderlich werden. Schon kurzfristig steigt hier die Anzahl der Züge wegen eines durchgehenden Halbstundentakts der künftigen S-Bahn.

Teil des Projekts Mannheim–Karlsruhe ist auch die Weiterführung der in Mannheim-Waldhof endenden Neubaustrecke von Frankfurt. In Mannheim gibt es Forderungen nach einem Güterzugtunnel, weil die nachts über die Neubaustrecke fahrenden Güterzüge in Mannheim sonst wohl größtenteils über die östliche Riedbahn fahren würden.

Neue Strecke Frankfurt–Mannheim entlang A 67

Für die Neubaustrecke von Frankfurt nach Mannheim hat die DB inzwischen ihre Vorzugsvariante veröffentlicht, mit der sie in die Genehmigungsverfahren gehen will. Sie verläuft erwartungsgemäß größtenteils entlang den Autobahnen A 5 und A 67. Der Darmstadter Hauptbahnhof wird über einen Seitenast angebunden, der es erlaubt, ein ICE-Paar pro Stunde über Darmstadt zu führen, wie das in den aktuellen Planungen für den Deutschland-Takt enthalten ist. Der aktuelle Zielfahrplan für den Deutschland-Takt sieht vor, dass auf der Neubaustrecke tagsüber etwa doppelt so viele ICE fahren wie heute über die Riedbahn.

Nachts soll die Strecke dem Güterverkehr vorbehalten sein. Damit Güterzüge, die aus dem Mittelrheintal kommen, eine Zufahrtmöglichkeit auf die Neubaustrecke haben, soll von der Strecke Mainz–Darmstadt bei Weiterstadt eine Verbindungskurve gebaut werden.

Kommentar: Mühsame Suche nach dem rechten Weg

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