Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Schauffele-Gelände: Nicht nur die Altlasten bereiten Sorgen

Ob tatsächlich irgendwann Sportanlagen auf dem Schauffele-Gelände gebaut werden, ist mehr als fraglich.
Ob tatsächlich irgendwann Sportanlagen auf dem Schauffele-Gelände gebaut werden, ist mehr als fraglich.

Erst sollte es ein Gewerbegebiet werden, dann ein Freizeitpark, später ein Sportzentrum: Die Rede ist vom Schauffele-Gelände. 2015 hat die Stadt das rund 15,7 Hektar große Areal gekauft, seither wird über die Nutzung diskutiert. Ein nun vorgelegter Sachstandsbericht dürfte die Diskussionen weiter anheizen.

Fast die gesamte Baufläche am Schauffele-See wurde vor Jahrzehnten aufgefüllt. Die Auffüllung beträgt bis zu 40 Meter. „Das Verfüllungsmaterial kann pauschal als Abfall bezeichnet werden. Wenn man in den Baugrund eingreift, muss das Material sehr wahrscheinlich als Abfall kostenintensiv abgefahren und deponiert oder entsorgt werden“, informierte Marco Ploch von der Bauabteilung der Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Ploch hat in den vergangenen Monaten das Gelände intensiv untersucht. Mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion sei abgesprochen, das Gelände mit einer wasserundurchlässigen, rund 60 bis 70 Zentimeter dicken Tonschicht abzudecken. Unter anderem seien auf dem Gelände 48.345 Kubikmeter Gipskeupermaterial gelagert. „Das gilt als gefährlicher Abfall“, erläuterte Ploch. Die Entsorgung würde rund 4 Millionen Euro kosten, das Material geringfügig umzulagern und abzudecken koste zwischen 400.000 und 500.000 Euro.

Insgesamt über 2 Kilometer Gleise verbaut

Angesichts der genannten Summen ging ein Raunen durch die Reihen der Ratsmitglieder. „Es war aber beim Kauf des Geländes klar, dass diese Kosten auf die Stadt zukommen würden“, erinnerte Büroleiter Tobias Simon an die Voraussetzungen, als die Stadt im Jahr 2015 das Schauffele-Areal für 1,2 Millionen Euro erworben hat. Auf dem Gelände sind auch 17.640 Kubikmeter Gleisschotter verfüllt. Diesen zu entsorgen, würde nach Berechnung Plochs 1225 Lkw-Fahrten erforderlich machen. Die aktuelle Gesetzeslage spreche dafür, das Material auf dem Gelände zu belassen. Der Großteil könne unter Straßen oder Gebäuden eingebaut werden, ein sogenannter Feinanteil muss aufbereitet werden.

Insgesamt sind auf dem Gelände 2,265 Kilometer an Gleisen verbaut. „Nach kostenloser Begutachtung der Gleisanlagen hat sich herausgestellt, dass aufgrund des Fertigungsjahres die Gleise nicht mehr zu verwerten sind, sie müssen trotz des guten Zustands als Eisenschrott entsorgt werden“, sagte Ploch. Sämtliche Holzschwellen seien Sondermüll. Die Betonschwellen könnten als Füllmaterial unter Gebäuden oder Straßen verbaut werden.

Grundsatzbeschluss für Bau eines Sportgeländes

Im April 2018 hatte der Stadtrat einen einstimmigen Grundsatzbeschluss für die Umnutzung des ehemaligen Kieswerkgeländes am Schauffele-See und des Dorschbergs gefasst. Demnach sollen die Sport- und Tennisplätze vom Dorschberg auf das Schauffele-Gelände umziehen, um Platz für Wohnungen zu schaffen. Ursprünglich war geplant, alle Sportanlagen aus Wörth und Maximiliansau auf dem Schauffele-Gelände zu konzentrieren. Ein Stadion, zwei weitere Fußballplätze und eine Multifunktionshalle waren nur ein Teil des ehrgeizigen Projekts. In den Folgejahren gab es eine Reihe von weiteren Beschlüssen, Änderung des Flächennutzungsplanes und viele Diskussionen um die Finanzierbarkeit des Vorhabens. In der Weihnachtssitzung 2022 hat der Stadtrat beschlossen, einen Mitarbeiter der Bauabteilung mit der Projektsteuerung zu beauftragen. Laut des damals einstimmig beschlossenen SPD-Antrags sollte der Mitarbeiter die notwendigen Vorbereitungen für die Ausschreibung der Planleistungen treffen.

Zehntausende Kubikmeter gefährlicher Abfall lagern unter der Erdoberfläche.
Zehntausende Kubikmeter gefährlicher Abfall lagern unter der Erdoberfläche.

In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Unter anderem haben sich die politischen Machtverhältnisse verschoben. CDU und FWG haben nach den Kommunalwahlen vom Juni eine Koalition gebildet, die mit 18 Sitzen über eine komfortable Mehrheit im 32-köpfigen Stadtrat verfügt. Zudem stellen die Freien Wähler mit Steffen Weiß den Bürgermeister. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und FWG vereinbart, dass das Sportgelände nicht vom Dorschberg auf das Schauffele-Gelände verlegt werden soll. Vielmehr sollen am Baggersee zukunftsträchtige Unternehmen wie Softwareentwickler, Co-Working-Spaces, Start-ups oder Scale-ups eine neue Heimat finden. Auch die Ansiedlung eines Hotelbetriebs soll geprüft werden. Wenngleich diese Pläne nun bekannt seien, „ist der Stadtrat gut beraten, sich zunächst umfänglich über die gegenwärtigen Erkenntnisse aus der Arbeit des Mitarbeiters, mögliche Entwicklungsoptionen, Anforderungen seitens der Vereine und den damit verbundenen Kosten unterrichten zu lassen“, begründete SPD-Fraktionsvorsitzender Mario Daum den Antrag den Sachstandsbericht auf die Tagesordnung zu nehmen.

Geschützte Tierarten

Es waren dann nicht nur die erwähnten Altlasten, die bei den Ratsmitgliedern für Stirnrunzeln sorgten. Dass auf dem Gelände schützenswerte Arten wie Mauereidechsen, Schlingnattern und Kreuzkröten heimisch sind, ist länger schon bekannt. Unter anderem wurde ein Reptilienzaun aufgestellt und Tiere umgesiedelt. Zudem wurden im Nordwesten Heckenhaufen aufgeschichtet, um die Wiederansiedlung des streng geschützten Flussregenpfeifers auf der Baufläche zu verhindern. Für die Vögel wurde als Ersatz eine Sand- und Kiesinsel am Nordufer des Sees geschaffen.

Ploch berichtete weiter, dass die Machbarkeitsstudie geändert werden musste, weil der erforderliche Abstand zu einer 20-kV-Leitung der Pfalzwerke sowie einer 380-kV-Hochspannungsleitung von Amprion sonst nicht hätten eingehalten werden können. Das ist aber machbar, weil beispielsweise nur noch zwei Fußballplätze statt drei gebaut werden sollen. Mit Bavaria Wörth, dem TV Wörth Handball und dem TC Wörth sind nur drei Vereine übrig geblieben, die die Verlagerung ihrer Sportstätten auf das Schauffele-Gelände positiv sehen. Alle anderen wollen nicht umziehen.

Die Stadt habe bei der Deutschen Bahn AG angefragt, ob sie Teilflächen des Bahnhofs, die an das Schauffele-Gelände angrenzen, kaufen könne. Von DB Immobilien sei dies abgelehnt worden, so Ploch. „Die aktuelle Gesetzeslage lasse das nicht zu, hat die Bahn mitgeteilt“, ergänzte Bürgermeister Weiß.

18 Meter lange Pfähle werden benötigt

Noch einmal kamen die Ratsmitglieder ins Grübeln, als Ploch sie darüber informierte, dass es Probleme mit der Fläche gebe, die für die Dreifeldsporthalle vorgesehen sei. Baugrunduntersuchungen hätten ergeben, dass die dortigen Auffüllungen nur eine sehr geringe Verdichtung und Tragfähigkeit aufwiesen. Um eine Bebauung zu ermöglichen, müssten Pfähle von mindestens 18 Metern Länge in die Erde gerammt werden.

„Für das Schauffele-Gelände muss ein Gesamtkonzept erarbeitet werden. Ohne dieses Gesamtkonzept kann eine Erschließung nicht erfolgen“, betonte Ploch. Sämtliche erforderliche Gutachten müssten noch erstellt werden. Sollte von der Nutzung als Sport- und Freizeitgelände abgesehen und der Stadtrat sich für eine andere Nutzung entscheiden, müssten sämtliche Verfahrensschritte der beiden laufenden Bauleitplanverfahren wiederholt werden. Derzeit würden Kosten für den Bau der Sportanlagen auf rund 29 Millionen Euro geschätzt. Daraus ergeben Honorarkosten für die Planer in Höhe von 600.000 Euro.

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