Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Vereine setzen weiter auf Schauffele-Projekt

Die Pläne für das Schauffele-Gelände.
Die Pläne für das Schauffele-Gelände.

Es ist zweifellos ein ambitioniertes Vorhaben: die Revitalisierung des Schauffele-Geländes. Und ein teures dazu. Nun hat der Stadtrat die Planung gestoppt. Wie geht es jetzt weiter? Das fragen sich vor allem die Wörther Sportvereine.

Von einer „krassen Kante gegenüber den Vereinen im Stadtgebiet von Wörth“ spricht Peter Poreba, Vorsitzender des TV Wörth, im Rückblick auf die jüngste Stadtratssitzung. Was war passiert? Der Stadtrat sollte über weitergehende Planungsleistungen für das ehemalige Kieswerkgelände zwischen Wörth und Maximiliansau entscheiden. Es ging um die Planung der Entwässerung, des Straßenbaus und der Sportstätten, die Kostenschätzung dafür liegt bei 193.000 Euro. Das war den Ratsmitgliedern von CDU, FWG, FDP und drei aus den Reihen der SPD zu viel. Sie lehnten ab, weshalb die Planungsleistungen nicht ausgeschrieben werden können.

„Damit wurde die 2018 einstimmig gefasste Entscheidung für einen zukunftsorientierten Standort mit zahlreichen sportlichen Möglichkeiten auf dem Schauffele-Gelände torpediert“, meint Poreba. „Unsere Vereine machen eine tolle Nachwuchsarbeit, jedoch ohne angemessene Sportstätten. Wir haben geduldig auf die geplanten Neubauten gewartet und auf Sanierungen verzichtet. Der Stadtrat steht im Wort“, so Poreba. Im April 2018 hat der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss für die Umnutzung des Schauffele-Geländes und der Entwicklung des Dorschbergs gefasst. Der Plan sieht unter anderem vor, das Stadion auf dem Dorschberg an den Schauffele-See zu verlegen. Auch die Fußballplätze in Maximiliansau sollen auf das frühere Kieswerkgelände verlegt werden. Drei Sportplätze sollen dort entstehen, dazu weitere Sportanlagen wie Tennisplätze und Multifunktionshalle. Auf dem jetzigen Stadiongelände in Wörth sollen Wohnungen gebaut werden.

„Vereine sind die Leidtragende“

Er könne sich die Ablehnung im Stadtrat nur mit der in eineinhalb Jahren anstehenden Kommunalwahl erklären, sagt Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD). „Da wollte man wohl dem Bürgermeister eine Niederlage zufügen.“ Aber ihn als Person treffe das nicht, Leidtragende seien die Vereine und Sportler. Mit den betroffene Vereinen habe er sich unverzüglich in Verbindung gesetzt, denn die Verunsicherung sei groß. Wie etwa bei TV Wörth.

„Über dem Rhein in Knielingen wurde ein vergleichbares Projekt erfolgreich umgesetzt. Nur in Wörth wird wieder mehr Politik gemacht, anstatt dieses tolle Vorhaben einfach umzusetzen“, ärgert sich TV-Vorsitzender Poreba. Es sei einfach nur schade, dass das Projekt auf einmal verhindert werden solle, das Gelände womöglich brach liegen bleibe und die Sportvereine in die Röhre gucken, so Poreba. Das von den Neinsagern im Rat vorgebrachte Argument der hohe Kosten kann Poreba nicht nachvollziehen. „Natürlich muss einiges an Geld investiert werden, aber wir wissen doch alle, dass ein mindestens genauso großer Gegenwert bei der Bebauung des Geländes erwartet wird“, sagt Poreba.

Nitsche: Gegenfinanzierung steht

Das bestätigt auch der Stadtchef. Natürlich habe die Stadt Schulden, wobei aufgrund höherer Gewerbesteuereinnahmen die Situation besser sei, als bei der Aufstellung des Haushaltes befürchtet, aber das sei auch nicht entscheidend. „Das Schauffele-Vorhaben hat eine Sonderstellung, es ist das einzige Projekt, bei dem die Gegenfinanzierung steht“, betont Nitsche. Rund 1,2 Millionen Euro hat die Stadt in den Erwerb des Geländes investiert. Der erste Bauabschnitt, in dem alle Sportstätten angelegt werden sollen, wurde 2018 auf 16 Millionen geschätzt. „Die genauen Kosten hätten in dem vom Rat abgelehnten Planungsverfahren durch ein Fachbüro berechnet werden sollen“, erläutert Nitsche.

Der Bürgermeister rechnet vor, dass auf dem Dorschberg durch die Verlegung des Stadions eine vermarktbare Fläche von 50.000 Quadratmeter frei würde. Legt man den aktuellen Bodenrichtwert mit einem Quadratmeterpreis von 500 Euro zugrunde, könnten rund 25 Millionen Euro in die städtische Kasse fließen. „Den ersten Bauabschnitt bekommen wir auf jeden Fall finanziert. Ob und wann wir dann den zweiten angehen, können wir später immer noch entscheiden, das kommt dann auch auf die finanziellen Möglichkeiten an“, sagt Nitsche. In der zweiten Bauphase sind Freizeiteinrichtungen wie Skateranlage oder Bike-Park geplant. Die Kosten dafür werden auf 8 Millionen Euro geschätzt.

Projektleiter startet am 1. November

Er sei stolz auf die bisher von der Verwaltung geleistete Arbeit. Theoretisch könnten im Herbst nächsten Jahres die Bagger rollen. „Nur die Detailplanung, das können wir nicht leisten“, sagt Nitsche. Am 1. November nimmt der Projektleiter für das Schauffele-Gelände seinen Job auf. Vorläufig wird er nicht sehr viel zu tun haben, denn die Planungen zu koordinieren sollte zu seinen Aufgaben gehören. Vielleicht bringe er selbst die Vergabe der Planung noch einmal auf die Tagesordnung des Stadtrats, „vielleicht kommt ja auch ein Antrag aus den Fraktionen“, sagt Nitsche.

Möglicherweise aus Nitsches Partei. Denn von einem Planungsstopp will die SPD nichts wissen, wie deren Fraktionsvorsitzender Mario Daum mitteilt. „An dem Gesamtprozess kann weiter konstruktiv gearbeitet werden. Hierzu gehört, dass der Moderationsprozess aus den Jahren 2017/2018 durch den neu eingestellten Projektleiter wieder einberufen wird“, meint Daum. In dem Arbeitskreis sind neben den betroffenen Vereinen und dem Bürgermeister auch Vertreter der Stadtratsfraktionen und die Ortsvorsteher vertreten. Fehlen wird ab bis auf Weiteres ein Planungsbüro. „Im Rahmen dieses Arbeitskreises sollen nun die Bedarfe der Vereine aus Maximiliansau sowie Wörth und den Schulen aktualisiert werden. Anhand dieser Ergebnisse können dann die Planungsanforderungen konkretisiert werden, sodass der Stadtrat auf dieser Basis die entsprechenden Planungsleistungen ausschreiben kann“, informiert der SPD-Fraktionschef.

Drei Fußballplätze sollen am Seeufer gebaut werden, die Bavaria Wörth und der FVP Maximiliansau gemeinsam nutzen könnten.
Drei Fußballplätze sollen am Seeufer gebaut werden, die Bavaria Wörth und der FVP Maximiliansau gemeinsam nutzen könnten.
x