Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfalz Docs setzen auf Profi-Management

Vorbild Bellheimer Ärztehaus: Es sollen weitere medizinische Versorgungszentren entstehen.
Vorbild Bellheimer Ärztehaus: Es sollen weitere medizinische Versorgungszentren entstehen.

Um junge Ärzte in die Region zu holen, haben sich die Südpfalz Docs gegründet. Nun soll das bisher ehrenamtliche Management professionalisiert werden.

Die Südpfalz Docs haben sich das Ziel gesetzt, die medizinische Versorgung in der Südpfalz, also in der Stadt Landau sowie den Kreisen Südliche Weinstraße und Germersheim zu sichern. Bisher leisten die Mitglieder des 2019 gegründeten gemeinnützigen Vereins mit ihrem Vorsitzenden Jonas Hofmann-Eifler diese Arbeit ehrenamtlich. Doch inzwischen nimmt das Arbeitsaufkommen überhand, weshalb das Management auf professionelle Beine gestellt werden soll. Darüber informierten am Montag den in Bellheim tagenden Kreisausschuss der Bellheimer Mediziner Thomas Schmitz, 2. Vorsitzender und Gründungsmitglied der Südpfalz Docs, und die Unternehmensberaterin Victoria Laurs; sie unterstützt die Südpfalz Docs in betriebswirtschaftlichen Belangen.

Deshalb soll zum 3. November dieses Jahres eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) gegründet werden, die künftig diese Aufgaben erfüllen soll, sagte Kreisbeigeordneter Christoph Buttweiler (CDU). Den Auftrag dazu erteilten die Kreise GER und SÜW sowie die Stadt Landau. Bei zwei Enthaltungen der AfD empfahl der Kreisausschuss einstimmig dem am Montag, 22. September, tagenden Kreistag, dem Vorhaben zuzustimmen.

Aufgabenspektrum

Zum Aufgabengebiet der gGmbH soll die Ansiedlung junger Ärzte in der Region zählen, weil sich immer mehr Ärzte in den Ruhestand verabschieden und sich teilweise schwer damit tun, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Zudem sollen die Südpfalz Docs, die sich mit ihren 240 bis 250 Mitgliedern zu den am stärksten wachsenden Ärztenetzwerken Deutschlands zählen, älteren Medizinern ermöglichen, teilweise in ihren eigenen Praxen als Angestellte junger Ärzte weiterzuarbeiten oder Mitglied in einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zu werden. Darüber hinaus sollen sich die Südpfalz Docs um die Aus- und Weiterbildung von ärztlichem und nicht ärztlichem Personal kümmern sowie den Nachwuchs in der ambulanten medizinischen Versorgung sicherstellen. Ferner gelte es, Patienten in gesundheitlichen Fragen zu informieren und zu schulen, insbesondere vorbeugend.

„Wir sind in den ersten 12 bis 18 Monaten auf finanzielle Unterstützung angewiesen bis alles läuft und um Personal bezahlen zu können“, sagte Laurs über die zu gründende gGmbH. Unter anderem soll ein Geschäftsführer eingestellt werden. Vorgesehen ist, dass die drei Gebietskörperschaften ab 1. Dezember dieses Jahres die gGmbH zwei Jahre lang je 60.000 Euro zahlen; davon entfallen je 24.000 Euro auf die Kreise GER und SÜW sowie 12.000 Euro auf die Stadt Landau, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Geschäftsführung

Die Kreisbeigeordnete Anette Kloos (FWG) sagte, dass sie den Kreis Germersheim in den ersten beiden Jahren in der gGmbH vertreten wird. Danach würden der Kreis SÜW und die Stadt Landau einen Vertreter entsenden. Die Geschäftsführung werde keine eigenen Büros haben, sondern mobil arbeiten.

Es gibt zwar bereits einen Kandidaten, der alle erforderlichen Qualifikationen für die Aufgabe des Geschäftsführers mitbringt, allerdings kann man seinen Namen noch nicht nennen, weil er noch in einem Arbeitsverhältnis ist. Das antworteten Laurs und Schmitz auf eine entsprechende Frage. Nur so viel: Der Kandidat sei gut vernetzt und habe einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund.

Öffentliches Interesse

Die AfD kritisierte, dass die Gesellschaft beziehungsweise gewinnorientierte MVZ finanziell unterstützt werden sollen. Es wäre sinnvoller, mehr Ärzte auszubilden. Der Beigeordnete Buttweiler entgegnete, dass es sich um keine gewinnorientierte, sondern um eine gemeinnützige Gesellschaft handelt und der erwartete Nutzen für die Bevölkerung größer sei als der eingesetzte Betrag. Zudem gehöre es gemäß Landesverfassung zu den Aufgaben der Städte und Kreise, in ihrem Zuständigkeitsgebiet öffentliche Einrichtungen zu schaffen, die für die Daseins- und Gesundheitsvorsorge ihrer Einwohner erforderlich sind. Und diese Anforderungen erfülle die gGmbH mit ihrem Aufgabenspektrum.

Zahlen und Fakten

Laut Sitzungsvorlage sinkt die Anzahl der Hausärzte bundesweit, auch in Rheinland-Pfalz und folglich auch in der Südpfalz. Mit Verweis auf Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz von 2020 heißt es weiter, dass der Anteil von Ärzten im Alter von 60 Jahren und älter bei 41 Prozent liegt. Das heißt, viele gehen auf absehbare Zeit in den Ruhestand und fehlen für die medizinische Versorgung. Dem bereits jetzt sich mancherorts abzeichnenden Ärztemangel wollen die Südpfalz Docs begegnen. Nach früheren Angaben des Südpfalz-Docs-Vorsitzenden Hofmann-Eifler ist nach dem Erfolg des Bellheimer Ärztehauses, das erweitert werden könnte – erste Überlegungen gibt es schon –, geplant, in jedem größeren Ort der Südpfalz ein solches zu schaffen. Hintergrund sei auch, dass viele junge Mediziner kein Interesse daran hätten, sich selbstständig zu machen, es vielmehr vorzögen, angestellt in einem Team zu arbeiten.

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