Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Lernen weit über Grenzen

Im Sommer wurden erste Teile der Smart Factory geliefert. Die BBS hat hier eine Partnerschaft mit Schulen in Frankreich.
Im Sommer wurden erste Teile der Smart Factory geliefert. Die BBS hat hier eine Partnerschaft mit Schulen in Frankreich.

Die Berufsbildende Schule (BBS) Germersheim/Wörth ist zur „Grenzenlos - Schule“ zertifiziert worden. Bei einer Feier wurden Urkunde und Plakette durch Kambiz Ghawami von World University Service (WUS) an Schulleiter Alexander Ott überreicht. Die BBS ist seit vielen Jahren in Partnerschaften aktiv.

Anstoß für das Projekt gab die Lehrerin Christine Franke, die seit zehn Jahren an der Schule Englisch und Spanisch unterrichtet. Sie besuchte eine Fortbildung mit dem Thema „Grenzenlos“. Hier wurden von Referenten aus verschiedenen Ländern mehrere Themenkreise zum Klimawandel und zum Kaffeeanbau und deren Probleme aufgezeigt. So zog sie ihr Fazit: „Was nehmen die Schüler mit? Was brauchen die Schüler?“ Für den Bereich „Grenzenlos“ sind das die drei Kompetenzen: erkennen, bewerten und handeln bei einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema.

Folgen der Abholzung

Bei den Grenzenlos- Lehrkooperationen spielt zum einen die Landespartnerschaft zwischen Ruanda und Rheinland-Pfalz eine wichtige Rolle, zum anderen besteht seit acht Jahren eine Partnerschaft der BBS mit einem Berufsbildungszentrum in Ruanda. Daher hat Lehrerin Sandra Rodeck zunächst mit ihrer 11. Klasse und dem Studenten Emmanuel Niyodusenga ein Projekt zum Thema „Kaffe und Schokolade fair Trade“ durchgeführt. Am Dienstag präsentierte sie mit ihrer Klasse die Ergebnisse eines zweiten Projektes mit Christian Izabayo – ebenfalls ruandischer Student an der Technischen Uni Kaiserslautern – zum Thema „Stolz auf mein Holz“. Die Schüler berichteten über die Abholzung im Partnerland, die Waldwirtschaft und die entstehenden Probleme und Folgen.

Kambiz Ghawami ging in seiner Laudatio darauf ein, wie engagiert sich die BBS Germersheim/Wörth auf den Weg zu praktischen Beispielen von „Grenzenlos“ gemacht habe. Mit Personen aus anderen Ländern habe sie authentische Beispiele aufgezeigt, wie Studierende zusätzlich zu ihrem Studium in Praktika Erkenntnisse gewinnen, um im Unterricht die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele zu vermitteln. Es sei erfreulich, wie die BBS zusätzlich zum Unterricht ihren Schülern diesen Freiraum gewähre, mit dem sie sich auf ihren globalisierten Alltag im Beruf – ob Handel, Industrie oder Wirtschaft – vorbereiten können. Dazu zeigte er auch auf, wie es mit „Grenzenlos“ vor 200 Jahren aussah und wie es heute mit Geschenken zu Weihnachten aussehen wird, wenn die Lieferketten in der Globalisierung unterbrochen sind.

Partner in Uganda

Schulleiter Alexander Ott hatte darauf hingewiesen, dass seine Schule sich „schon seit längerem mit den gesellschaftspolitisch so wichtigen Themen Nachhaltigkeit und internationaler Kooperation intensiv auseinandersetzt“. Neben der Partnerschaft in Ruanda bestehen auch ein Partnerschaftsvertrag mit einer Pflegeschule in Uganda und eine Lernortkooperation mit zwei französischen Schulen im Rahmen der Smart Factory. MdB Thomas Hitschler erinnerte an die Beendigung der Grenzenlosigkeit im vergangenen Jahr an der französischen Grenze und lobte die interkulturelle Kompetenz der BBS, die über den Lehrplan hinaus geht; MdL Markus Kropfreiter die Bedeutung der Nachhaltigkeit, die hier mit Leben gefüllt wird. Jenny Bauer vom Ministerium des Innern hob das globale Lernen durch Reisen in andere Länder hervor und erwähnte die Aktivitäten von 180 Schulpartnerschaften mit Ruanda. Für die Abteilung Berufsbildende Schulen des Bildungsministeriums schickte Petra Jendrich eine Videobotschaft, in der sie sich über „spannende Projekte der BBS und den direkten Austausch auf Augenhöhe“ freute. Seitens des rheinland-pfälzischen Pädagogischen Landesinstituts appellierte Landeskoordinatorin Birgit Fink an die Nachhaltigkeit, die Thema in allen Schulen werden muss und den Blick der Schüler erweitere.

34 Nationen beteiligt

„Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung“ ist ein Projekt der WUS und wird vom Ministerium des Innern und für Sport in Rheinland-Pfalz und in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen und dem Saarland sowie von „Engagement Global“ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Dabei geht es um den internationalen Austausch mit Asien, Afrika und Lateinamerika, um mehr Internationalisierung. Grundlage für die Aktivitäten rund um „Grenzenlos“ sind der Orientierungsrahmen des Lernbereichs „Globale Entwicklung“ und die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele. 34 Nationen engagieren sich hier.

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