Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kriminalität: Immer wieder Ärger bei Schülerpartys

Wenn Jugendliche untereinander handgreiflich werden, kannten sie sich meist schon vorher, sagt die Polizei.
Wenn Jugendliche untereinander handgreiflich werden, kannten sie sich meist schon vorher, sagt die Polizei.

Eine Stufenparty endete 2023 mit dem Tod eines Jugendlichen. Auch 2024 gibt es immer wieder Polizeieinsätze. Was sagen Polizei und Statistik zum Thema Jugendgewalt?

Einer junger Mann verblutet auf einem Feldweg an den Verletzungen, die ihm zuvor ein anderer junger Mann mit einem Messer zugefügt hatte. Dieser Todesfall im Umfeld einer Stufenparty an der Grillhütte Weingarten hatte im Sommer 2023 Menschen weit über die Region hinaus bewegt. 2024 werden wieder Schülerpartys gefeiert, immer wieder muss die Polizei ausrücken.

„Das war schockierend und hat uns lange darüber nachdenken lassen, ob wir noch eine Party organisieren“, sagt ein Stufensprecher des Gymnasiums, das 2023 zu der Party in Weingarten geladen hatte. „Aber es gab doch die Meinung, dass wir keine Schuld tragen und es schade wäre.“ Der Oberstufenschüler hatte damals mitbekommen, dass sich Eltern nach dem Vorfall Sorgen machten und zunächst ihre Kinder nicht mehr auf Partys lassen wollen.

Voranmeldung und Ehrendienst

„Was wir machen können, machen wir“, sagt der junge Mann. „Eigentlich läuft das über Voranmeldung.“ Inzwischen versuche man, nach den Anmeldungen vorab mehr Kontaktdaten zu bekommen. Wenn junge Menschen schon auffällig gewesen seien, sei der Grundsatz zu versuchen, „diese vom Partyort fernzuhalten“, sagt der Oberstufenschüler. „Aber das gelingt ja nur bedingt.“ Man versuche vorzusorgen, durch ältere Geschwister oder deren Freunde. „Das ist eine Art Ehrendienst.“ An seiner Schule gibt es drei Jahrgänge, die versuchen, ein bis zwei Partys pro Schuljahr zu planen. Da Eintritt verlangt wird, haben die Stufenpartys mit Blick auf die teueren Abifeiern durchaus auch einen wirtschaftlichen Aspekt.

Auch bei einer Party der Schule in Herxheim im Februar habe wieder die Polizei anrücken müssen. „Das ist mittlerweile ein Zustand, der erwartet wird“, sagt der Stufensprecher. In Herxheim war die Polizei an dem betreffenden Abend schon zum zweiten Mal vor Ort. Eine Schlägerei habe sich aufgetan, die Situation war eskaliert. „Ältere Geschwister, die schlichtende Rolle hatten, konnten das nicht mehr lösen.“ Dabei seien es „keine Menschen, die wir kennen aus der Stufengemeinschaft gewesen“, sagt der Stufensprecher.

Überfall auf dem Heimweg

Ein weiterer Vorfall, der bei der Polizei angekommen ist: Im Umfeld einer Party einer anderen Schule beim Kleintierzüchterverein Hatzenbühl gab es jüngst einen Raub. Ein junger Mann wurde morgens kurz nach 5 Uhr von drei jungen Menschen überfallen, ihm wurden 10 Euro und seine Kopfhörer der Marke Airpods abgenommen. Der 18-Jährige erlitt bei dem Überfall am 6. April Frakturen im Gesicht und musste operiert werden. Erst später hatte sein Vater den Vorfall bei der Onlinewache angezeigt. Es habe wohl keine Beziehung zu den Tätern gegeben, was eher ungewöhnlich sei, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Wörth, Thomas Lederer.

Denn in dieser Altersklasse kennen sich Opfer und Täter oft schon vorher, lautet die Einschätzung von Lederer und seinen Kollegen. So war es auch bei einem Vorfall Anfang März an der S-Bahn-Haltestelle in Jockgrim, der für Schlagzeilen gesorgt hatte: Eine fünfköpfige Gruppe Jugendlicher und zwei weibliche Teenager waren in Streit geraten. Es gab wohl ein Gerangel, ein Mädchen soll am Boden noch getreten worden sein. Gleichzeitig war von Beleidigungen die Rede. Die Ermittlungen haben ergeben: Es handelte sich um eine Gruppe aus Mutterstadt, die regelmäßig nach Jockgrim kommt. Es gab schließlich eine Anzeige und eine Gegenanzeige – man kann sich schon vor dieser Begegnung.

Eskalation nach dem Trinkspiel

Auch eine Stufenparty im Februar beim Kaninchenzüchterverein Kandel endete mit einem Polizeieinsatz. „Sie kamen irgendwann am frühen Morgen“, sagt Lederer. Man habe sich gekannt, „es gab wohl eine Art Trinkspiel“, sagt sein Kollege Sezer Bulut. Der Jugendsachbearbeiter Heiko Schloß ergänzt: „Man kennt sich aus der Vergangenheit“, aus der Grundschule oder dem Vereinsleben. Bei einer Party in der Dampfnudel Rülzheim habe es ebenfalls am frühen Morgen einen Einsatz gegeben „Eifersüchteleien“, auch hier seien keine Unbekannten aufeinander getroffen, ordnet Bulut ein.

Doch was wie eine Häufung an Vorfällen klingt, ist für die Polizei keine. „Das ist nichts, was uns besondere Sorgen bereitet“, sagt Lederer und verweist auf die aktuelle Statistik. 2023 gab es im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Wörth 287 Tatverdächtige unter 21, 22 waren es 299. Man liege meist zwischen 270 und 299, sagt Lederer. Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Germersheim ist die Entwicklung ähnlich: Hier hatte es 2023 456 Tatverdächtige unter 21 Jahren gegeben. In den Jahren zuvor waren es 467 (2022), 442 (2021) und 433 (2020).

Auch wenn es sich noch nicht in Zahlen niederschlägt: Zugenommen haben wohl die Beleidigungen in den sozialen Medien. Grundsätzlich werde Cybermobbing ein Thema werden, lautet Lederers Einschätzung. „Da ist gewaltig was am kommen.

Ermittlungen auch in sozialen Medien

Bei den Ermittlungen gelte stets das Wohnortprinzip. Da die Jugendlichen in der gesamten Südpfalz Partys besuchen, sind oft mehrere Dienststellen betroffen. Dann sucht man nach einem Schwerpunkt oder einen Anführer, diese Dienststelle übernimmt den Fall, schildert Lederer. Die Zeugen werden vor Ort vernommen, dank der digitalen Akten habe man direkt Zugriff auf alle Informationen.

Inzwischen werden auch die sozialen Medien wie Facebook oder Instagram für Ermittlungen genutzt. „Wenn ein Konto offen ist ...“, sagt Sachbearbeiter Schloß mit einem Schmunzeln. Über die eingestellten Bilder oder einen Blick auf die Listen der Follower lassen sich durchaus Informationen sammeln. Manchmal melden sich auch die Geschädigten mit ihren Eltern und sagen, „wir haben den auf Facebook gefunden“.

Frühe Anzeichen für kriminelle Karriere

Je nach Delikt zeichneten sich durchaus früh kriminelle Karrieren ab: Kinder und Jugendliche, die einen Ladendiebstahl begehen, sehe man häufig nur ein, zwei Mal, danach nicht mehr. „Das ist ja auch der Sinn des Jugendstrafrechts.“ Dabei stehe der erzieherische Aspekt im Vordergrund, nicht die Bestrafung, erläutert Bulut. Wer allerdings schon in relativ jungem Alter mit einem Raub oder Gewalt mit dem Butterfly-Messer in Erscheinung trete, bleibe eher dabei. „Das ist eine andere Qualität der Straftat, da gehört mit 12, 13 Jahren schon was dazu.“ Manche schaffen es später auch ins Gefängnis. Aber: Es gebe kein Muster, was Herkunft oder Schulbildung betreffe, betonen die drei Polizisten. „Das wäre zu billig“. Eines lasse sich jedoch sagen, so Bulut: „Es ist nicht förderlich, wenn der ältere Bruder ein schlechtes Beispiel ist“.

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