Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kliniken: 42-Jähriger soll zwei Brände gelegt haben

Die Wäschecontainer wurden vermutlich von einem 42-Jährigen in Brand gesetzt.
Die Wäschecontainer wurden vermutlich von einem 42-Jährigen in Brand gesetzt.

Einmal Brandstiftung und einmal schwere Brandstiftung. Das sind die Taten, die die Staatsanwaltschaft Landau einem 42-Jährigen vorwirft. Er soll Ende Dezember das Auto eines Stationsarztes in Bad Bergzabern angezündet haben und für das Feuer an der Kandeler Klinik am Neujahrstag verantwortlich sein. Spuren führten zu dem mutmaßlichen Täter.

Am späten Donnerstagabend hat die Polizei einen 42-jährigen Mann aus dem Kreis Südliche Weinstraße festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Der Leitenden Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig (Landau) zufolge steht er in dringendem Tatverdacht, die Wäschecontainer an der Asklepiosklinik in Kandel und den Wagen des Stationsarztes der Klinik in Bad Bergzabern in Brand gesetzt zu haben.

In beiden Fällen gehen die ermittelnden Polizisten und der Brandsachverständige von Brandstiftung aus, da an beiden Tatorten Rückstände von Brandbeschleunigern gefunden wurden. Um welche Art von Brandbeschleuniger es sich handelt, dazu kann Möhlig derzeit keine Aussagen treffen. „Es stehen noch weitere Untersuchungen durch den Brandsachverständigen an“, sagt die Leitende Oberstaatsanwältin. Nach Angaben von Jürgen Neisius, Sprecher der Landauer Kriminalpolizei, handelt es sich im Falle des Klinikbrandes von Kandel um eine schwere Brandstiftung, weil Menschenleben in Gefahr gewesen sind, und bei der Tat in Bad Bergzabern „nur“ um Brandstiftung, weil ein Auto gebrannt hat, Personen aber nicht gefährdet waren. Der Mann war nach Angaben der Staatsanwaltschaft den Mitarbeitern von Kliniken bekannt, da er mehrfach durch „ausfälliges und verbal aggressivem Verhalten“ aufgefallen sei. Bei der Polizei soll er kein „kein unbeschriebenes Blatt“ sein.

Drei Mitarbeiter bei Brand verletzt

Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt, wurden beim Brandanschlag auf die Kandeler Klinik entgegen einer früheren Meldung drei Mitarbeiter durch Rauchgas verletzt und mussten ärztlich behandelt werden. Es handele sich um Mitarbeiter aus dem Bereich der Pflege, bestätigte der Geschäftsführer der Asklepioskliniken Kandel und Germersheim, Frank Lambert. Eine Person, die zum Tatzeitpunkt in der Notaufnahme gearbeitet habe, leide noch unter Atemwegsproblemen, sei aber wieder im Einsatz. Die beiden anderen Mitarbeiter seien wegen einer Rauchgasvergiftung weiter krankgeschrieben.

Bei dem Feuer in der Kandeler Klinik, gegen 22.20 Uhr am Neujahrstag, geriet ein Wäschecontainer im Bereich der Notaufnahme in Brand. Die Flammen griffen auf die Gebäudefassade über und auch auf die Geschossdeckendämmung, die deswegen von der eingesetzten Feuerwehr teilweise heruntergerissen werden musste. Durch das Eingreifen der Haustechniker wurden die Brandschutztüren schnell geschlossen und so Schlimmeres verhindert. Am Gebäude entstand nach Schätzungen der Polizei und Klinik ein Sachschaden in Höhe von rund 400.000 Euro.

Die Notaufnahme war bis zum Dienstag geschlossen. Da Filteranlagen bei den Brand verschmutzt wurden, musste die Intensivstation mit den Covid-19-Patienten umziehen. Die Isolierstation nutzt nun die Räume der zweiten Isolierstation, andere Patienten wurden innerhalb des Hauses verlegt. Die Operationssäle sind bis auf Weiteres geschlossen, chirurgische Eingriffe und die Behandlung von Schlaganfällen nicht möglich. Bis wann die Schäden beseitig werden können, ist noch nicht absehbar, da noch nicht klar ist, wann das Material geliefert wird.

Auto stand nachts in Flammen

Nur wenige Tage zuvor hatte es an einer anderen Klinik in der Südpfalz einen Vorfall gegeben, bei dem ein Fahrzeug in Brand gesetzt wurde. In Bad Bergzabern hatte es das Auto von Peshawa Ali getroffen, der Stationsarzt auf der Inneren Medizin ist. Nach einer harten Schicht mit vielen Neuaufnahmen ruhte er sich in der Nacht auf den 29. Dezember kurz aus, als die Rezeption ihn gegen 4.30 Uhr herunterrief, weil sein Auto auf dem Klinikparkplatz in Flammen stand. Einen technischen Defekt an seinem stets gewarteten Wagen hatte er von Anfang an für unwahrscheinlich gehalten, Brandstiftung nicht ausgeschlossen. Mit seinen Kollegen habe er keine Probleme, „vielleicht ein psychisch auffälliger Mensch“, hatte er kurz nach der Tat gegenüber der RHEINPFALZ vermutet. Zur Festnahme des mutmaßlichen Täters wollte sich der Mediziner derzeit noch nicht äußern. Er sei im Heimaturlaub und habe von den aktuellen Ereignissen noch nichts mitgekriegt, sagt er auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Der 42-Jährige wurde am Donnerstagabend dem Haftrichter vorgeführt und anschließend in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Zum Motiv des mutmaßlichen Brandstifters können Staatsanwaltschaft und Polizei noch keine Angaben machen. Die Ermittlungen dauern an.

Ausgebrannt: das Auto eines Stationarztes in Bad Bergzabern.
Ausgebrannt: das Auto eines Stationarztes in Bad Bergzabern.
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