Kreis Germersheim Kandel: Privatinvestor bringt Glasfaser ins Haus
Die Rückendeckung seitens der Kommunalpolitik nennt der Schweizer Unternehmer Rolf Tresch als Auslöser für sein Engagement in der Südpfalz.
Er ist der Mann, der weiten Teilen der Südpfalz das lange ersehnte „schnelle Internet“ bringt. Rolf Tresch, ein Privatinvestor aus der Schweiz, investiert Millionen Euro in den Bau einer umfassenden Glasfaser-Infrastruktur (wir berichteten mehrfach). Und alles ohne Zuschüsse. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ verrät er, wie sich das für ihn rechnet.
Ganz dem schnellen Internet verschrieben
Der Mann hat viel um die Ohren. Nicht nur, dass er den größten Teil der Woche auf Reisen ist: zwei Tage in Deutschland, zwei in der Schweiz. Rolf Tresch, 45, Unternehmer aus Zug, ist auch Präsident des Fußball-Fünftligisten FC Aegeri und Vater zweier Kinder. Die familiäre Rückendeckung im Job ist ihm gewiss: Ehefrau May-Britt ist ebenfalls im Unternehmen tätig – und als Aufsichtsratsvorsitzende formal sogar seine Chefin. Treschs Firma RMT (steht für Rolf und May-Britt Tresch) – 2010 gegründet, 180 Mitarbeiter, 40 Millionen Euro Jahresumsatz – hat sich ganz dem schnellen Internet verschrieben. 1998 kam der Ingenieur mit Spezialgebiet Tiefbau erstmals mit Glasfasern in Kontakt: Es ging um die Verlegung von Leitungen im Raum Zürich. Tresch war der Projektleiter der Stadt. Später hatte er weitere Jobs inne. Sein Ziel war jedoch die Selbstständigkeit. „Sie hat mich immer gereizt“, sagt er.
"Alle zwei Jahre verdoppelte Bandbreite"
Heute besteht die „RMT-Holding“ aus sieben Tochterfirmen, die direkt oder indirekt in der Glasfaserbranche tätig sind. „Glasfaser ist die Zukunftstechnologie Nummer eins“, ist Tresch überzeugt. Der Hunger der Menschen nach schnellem Internet steige immer mehr. „Alle zwei Jahre verdoppeln sich die Bandbreiten, die man braucht“, stellt er fest. Eine Entwicklung, von der er profitieren möchte. In Oberotterbach surfen seit April 2017 viele Menschen mit Treschs Hilfe. Das Dorf bei Bad Bergzabern ist damit die Keimzelle seines Engagements in der Südpfalz. Von dort baut Tresch sein Glasfasernetz aus. 130 Kilometer Leitungen sind bereits unter der Erde. Der Plan: Über Schweigen, Steinfeld und Bienwaldmühle die Orte der Verbandsgemeinde Hagenbach mit einer schnellen „Datenautobahn“ erschließen.
Bis 2022 etwa 28.000 Gebäude anschließen
Von dort geht es weiter in Richtung Kandel. Die geplante Ringleitung wird auch die Umgebung von Dahn und Pirmasens umfassen. Wobei alle Orte, die sie tangiert, in den Straßen mit Glasfaser ausgestattet werden – kostenloser Hausanschluss für die Einwohner inklusive. Nur wer ihn über Treschs Internetmarke „Lyte“ nutzt, muss zahlen. Das Ziel: bis 2022 etwa 28.000 Gebäude anschließen. Treschs Firma war anfangs nur in der Schweiz tätig. 2014 verlegte man auch in Teilen Kölns Glasfaser. „Unsere Erfahrung übertragen wir jetzt in die Südpfalz“, sagt er – ein Gebiet, das er zuvor gar nicht kannte. Über „Kontakte“ sei er darauf aufmerksam geworden, sagt er. Alternativ prüfte Tresch auch ein Engagement im Umkreis von Mannheim und München, aber: In der Südpfalz sei die Rückendeckung der Politik am Größten gewesen.
"Kosten im Griff"
Die war ihm sehr wichtig, denn: „Am Anfang hat man als No-Name eine enorme Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Das gehe nur, wenn die Gemeinden hinter dem Investor stünden. Darum schließt Tresch mit möglichst vielen Kommunen – derzeit sind es nach seinen Angaben 33 – Kooperationsverträge ab. Rechtlich gesehen dürfte er auch ohne eine solche Vereinbarung seine Glasfaserleitungen verbuddeln. Womit Tresch von Anfang an aufhorchen ließ: Während andere Investoren ihr Engagement von staatlichen Zuschüssen abhängig machen, verzichtet RMT vollends darauf. „Es geht auch ohne“, sagt Tresch im RHEINPFALZ-Gespräch über sein Millionen-Engagement. Man habe „die Kosten im Griff“ und verfüge über langjährige Erfahrung. Tresch sieht seinen Vorteil gegenüber Mitbewerbern darin, ein Familienbetrieb zu sein. Die Finanzierung sei gesichert und man habe Zeit – anders als große Konzerne, die kurzfristiger agieren müssten. „Wir sind überzeugt, dass sich der Ausbau lohnen wird – wann, ist uns relativ egal.“
Bisher nutzt die Leitungen nur seine eigene Firma
Tresch will vor allem an den Netznutzungsentgelten verdienen, die jeder Internetanbieter für die Belieferung seiner Kunden zahlt. Bisher nutzt seine Leitungen aber nur die Firma Lyte – also quasi er selbst. Das soll sich langfristig ändern. Auch anderen Betreibern, etwa der Deutschen Telekom, will Tresch sein leistungsfähiges Glasfasernetz schmackhaft machen – und hofft, dass sie anbeißen. Noch hätten sie kein Interesse. „Wir haben Lyte gegründet, weil von den Großen kein Partner zur Verfügung stand“. Tresch weiß: „Von selbst kommen wir nie auf 80 bis 90 Prozent Marktanteil.“
Infos
Weitere Informationen zum Glasfaserausbau in der Südpfalz im Internet auf www.lyte-net.de. Gebührenfreie Telefon-Hotline: 0800 6008100.