Kandel / Speyer Happy End für extremes Frühchen

Abschied aus der Klinik in Speyer: Oberarzt Torben Lindner, Gesundheits- und Krankenpflegerin Rebecca Held, Mutter Sorina Caroli
Abschied aus der Klinik in Speyer: Oberarzt Torben Lindner, Gesundheits- und Krankenpflegerin Rebecca Held, Mutter Sorina Carolina Amarinei mit Christian und Dr. Hans-Jürgen Gausepohl, Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin (von links nach rechts).

Ein kleiner Junge war Anfang Januar unter denkbar dramatischen Umständen in der Asklepios-Klinik zur Welt gekommen. Das sagen die Ärzte heute über das extreme Frühchen.

Der Start ins Leben war dramatisch: Mit Blaulicht und einem Geburtsgewicht von nur 720 Gramm kam der kleine Christian am 5. Januar ins Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer. Die Mutter, eine rumänische Erntehelferin, hatte es kurz zuvor gerade noch zu Fuß in die Notaufnahme der Kandeler Asklepios-Südpfalzklinik geschafft. Dort brachte sie den Jungen in der 24. Schwangerschaftswoche, also rund vier Monate zu früh, zur Welt. Nach 13 Wochen auf der Frühgeborenen-Station in Speyer bringt der Junge aus Hatzenbühl 2660 Gramm auf die Waage. Am Mittwoch hat er mit Mutter Sorina die Klinik gesund verlassen.

Dramatischer hätte die Geburt des Kleinen Anfang Januar 2022 nicht ablaufen können: Die Wehen der damals 29-jährigen Mutter setzten viel zu früh ein, zu Fuß kam sie in die Notaufnahme der Südpfalzklink. Dort musste das Team unter absoluten Ausnahmebedingungen Geburtshilfe leisten: Die Geburtshilfestation in Kandel ist seit Februar 2017 geschlossen. Die Notfallaufnahme hatte erst tags zuvor wieder öffnen können, nachdem der Brand eines Wäschecontainers das Haus stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Wenige Tage nach dem Brand an der Kandeler Klinik hatte die Polizei einen Mann aus dem Kreis Südliche Weinstraße festgenommen. Dieser soll auch den Wagen des Stationsarztes der Klinik Bad Bergzabern in Brand gesetzt haben.

Geburt im Schockraum

Das Notfall-Team und der eilig hinzugerufene Kandeler Gynäkologe Karl Kunz halfen dem Frühchchen im Schockraum auf die Welt. Denn nach dem Brand waren zum Beispiel die Operationssäle erst einmal nicht nutzbar, weil die Filteranlagen verschmutzt waren. Der kleine Junge musste kurz reanimiert werden, auch eine Beatmungsmaske kam zum Einsatz. Wiegen konnte man ihn in Kandel nicht, da es nach der Schließung der Geburtshilfe kein entsprechendes Inventar mehr gab. Sofort nach der natürlichen Entbindung ließ das Kandeler Team den kleinen Christian mit Kindernotarzt Ingo Böhn zur spezialisierten weiteren Versorgung in die Neonatologie des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses Speyer bringen.

Dabei sei trotz der widrigen Umstände alles bestens gelaufen, heißt es nun aus Speyer: „Man muss den erstversorgenden Kollegen in Kandel ein großes Lob aussprechen“, sagt Oberärztin Silke Haag. Der medizinische Verlauf sei „erfreulich unspektakulär und unkompliziert“ gewesen, insbesondere in Bezug auf die extreme Unreife und die ungeplanten Umstände der Geburt, sagt die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Weder Mutter noch Kind hätten medizinisch auf die Frühgeburt vorbereitet werden können. Zudem spricht die junge Frau aus Rumänien kein Deutsch. Glücklicherweise konnten Mitarbeitende zuerst in Kandel, dann in Speyer dolmetschen.

Neues Zuhause in Hatzenbühl

Im Nachhinein sei der Fall keine medizinische Herausforderung gewesen. Das Kind habe sich ohne Komplikationen sehr gut entwickelt, sagt Oberärztin Elena Eberle, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. „Wir freuen uns, dass Mutter und Kind wohlauf sind und Christian heute endlich sein neues Zuhause in Hatzenbühl kennenlernen kann“, sagt Dr. Hans-Jürgen Gausepohl, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer. Die Familie der rumänischen Erntehelferin ist sehr dankbar für die umfassende medizinische Versorgung und freut sich jetzt auf die Familienzeit in Hatzenbühl, wo sie eine Wohnung gefunden hat.

Gausepohl und sein Team sind gemeinsam mit der Geburtshilfe des Hauses als sogenanntes Level-1-Zentrum auf Geburten ab der 23. Schwangerschaftswoche und die Versorgung von extremen Frühgeburten mit einem Gewicht unter 1000 Gramm spezialisiert. 2021 kamen in der mit jährlich über 3600 Geburten größten Geburtshilfeklinik in Rheinland-Pfalz 28 Frühchen in dieser Phase der Schwangerschaft auf die Welt.

Der Wäschecontainer war in der Nacht auf den 2. Januar in Brand geraten.
Der Wäschecontainer war in der Nacht auf den 2. Januar in Brand geraten.
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