Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Geboren im falschen Körper: Nach der OP fühlt sich Noah komplett

Fühlt sich befreit: Noah Roth nach der geschlechtsangleichenden OP-
Fühlt sich befreit: Noah Roth nach der geschlechtsangleichenden OP-

Seit seiner Jugend fühlte sich Noah Roth als Mann, war aber in einem weiblichen Körper geboren. Der 24-Jährige ist Transgender. Die geschlechtsangleichende Operation liegt fünf Monate zurück. „Ich kann jetzt verkörpern, was ich bin“, sagt er heute. Ein Eingriff steht allerdings noch bevor.

„Wenn man nach 24 Jahren endlich sich selbst sein darf – das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, erzählt Noah Roth. Viele Jahre hatte er sich für seinen Körper geschämt, konnte sich nicht damit identifizieren. Vor allem die Pubertät war eine schwierige Zeit. Als junger Erwachsener hat er sich Freunden und der Familie gegenüber geoutet. Hat eine Hormontherapie gemacht, seinen Vornamen geändert und den Entschluss für die Geschlechtsumwandlung gefasst.

Im November fuhr Noah Roth zur Operation nach Berlin. 12 Stunden lag er unterm Messer. Gebärmutter und Eierstöcke wurden entfernt, das Brustgewebe abgesaugt. „Aus dem Unterarm haben die Ärzte Gewebe für den Penisaufbau entnommen“, berichtet er. Mit Haut aus der Leiste wurde wiederum der Arm aufgefüllt. Die erste Woche danach verbrachte er nur im Bett, war „voller Drainagen, verkabelt“. Trotzdem fühlte sich Roth wie neugeboren: „Als ich an mir runtersah und das Geschlechtsteil das erste Mal betrachtet habe, habe ich mich komplett gefühlt.“

Ausziehen ohne Scham

Die OP habe er gut weggesteckt. Keine drei Monate später ging der Landschaftsgärtner wieder zur Arbeit. „Die ersten Wochen waren körperlich hart, aber emotional befreiend“, blickt er zurück. Sein Leben habe sich zu hundert Prozent entspannt. „Es ist jetzt so, wie ich es immer haben wollte.“ Er könne weiße T-Shirts tragen, ohne dass die Brustbandage durchschimmere. Er schlafe besser. Er ziehe sich vor seiner Freundin aus, ohne Scham zu empfinden und könne jetzt im Stehen pinkeln. „Kleinigkeiten machen viel aus“, sagt er lachend.

Er freut sich auch auf ein neues Intimleben. Seit knapp zwei Jahren ist der Kandeler mit seiner Freundin Lisa zusammen. In einigen Monaten bekommt er in einer weiteren Operation eine Erektionsprothese: „Bei der ersten OP wird nur körpereigenes Gewebe transplantiert und nicht direkt ein Fremdkörper mit eingepflanzt.“ Rund 20.000 Euro werden laut Noah Roth dafür noch fällig. Bezahlen muss er sie wohl aus eigener Tasche – wie schon die erste Operation im November. Der 24-Jährige hatte sich anstatt für eine Geschlechtsangleichung in mehreren Eingriffen und über einen längeren Zeitraum für eine sogenannte All-In-One-OP in einer Berliner Privatklinik entschieden. Die Kasse trägt allerdings nur die Behandlungskosten in Hochschulkliniken und Krankenhäusern, mit denen ein Versorgungsvertrag besteht. Die All-In-One-Methode wird dort nicht praktiziert.

Transgender suchen Kontakt

Noah Roth klagt auf Kostenerstattung. „Ich bin ja nicht in eine Privatklinik wegen des tollen Essens gegangen. Mir ging es um das Verfahren“, sagt er. Darum, dass er nicht viele Male auf den OP-Tisch muss, immer die Angst vor dem nächsten Eingriff im Nacken. Die einmalige OP ist laut Roth günstiger als das Einzelschritt-Verfahren. Seine Familie gibt Noah emotionalen Rückhalt und hat zudem einen Kredit aufgenommen. Zuspruch von anderen Menschen erfährt der junge Kandeler auch in Form von Spenden: Knapp 12.000 Euro sind bislang für seine Geschlechtsangleichung auf zwei Spendenkonten eingegangen.

Nachdem die RHEINPFALZ im November über seine Geschichte berichtet hatte, haben sich fünf andere Transgender bei ihm gemeldet, erzählt Noah Roth. Er gebe gerne Infos und Erfahrungen weiter: „Es geht darum, dass die Menschen glücklich werden.“

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