Kreis Germersheim
Bei Rauchgeruch schnell bei der Feuerwehr melden
„Uns ist extrem wichtig, dass die Menschen, die spazieren gehen, auch bei dem kleinsten Verdacht die Feuerwehr rufen“, lautet das große Anliegen von Kreisfeuerwehrinspekteur Mike Schönlaub. Dabei sollten die Spaziergänger keine Angst haben, dass sie dann einen Einsatz bezahlen müssten. Das sei nicht der Fall, betont Schönlaub. Die Wehr rücke lieber einmal mehr aus, als zu wenig. „Sobald man Rauch riecht oder sieht“ sollte man das Handy zücken, den Notruf wählen und – ganz wichtig – an der Stelle möglichst stehen bleiben, damit die Feuerwehr den Einsatzort auch schnell findet.
Erst am Montag war im Ort Neuleiningen bei Grünstadt auch Wohnbebauung als Folge eines Waldbrandes bedroht. Könnte das im Kreis auch passieren? Durchaus, lautet die Antwort des Fachmanns. „Büchelberg ist umzingelt von Wald, Kandel-Süd grenzt an Wald, es gibt Felder unterhalb von Jockgrims Hinterstädtel ...“ beginnt Schönlaub eine lange Liste. „Das kann uns blühen, je nachdem, woher der Wind weht.“
Brände verhindern
Also sollte es besser erst gar nicht zu einem Feuer kommen. So könnten Brände verhindert werden: Heiße Autos sollten nicht auf Grasuntergrund geparkt werden. Derzeit sollte auf jegliches offenes Feuer verzichtet werden, „auch keine kleinen Lagerfeuer, einfach gar nichts“, sagt Schönlaub. Müll habe im Wald sowieso nichts verloren, aber gerade kaputte Flaschen könnten problematisch sein: „Eine Glasscherbe könnte einen Waldbrand auslösen.“
Wichtig sei auch, dass weder Wege noch kleinere Weiher zugeparkt seien. Denn auch aus Tümpeln und Teichen kann Löschwasser entnommen werden. Im Naturschutzgebiet habe die Feuerwehr in den vergangenen Jahren an den wärmsten Tagen und bei niedrigem Wasserstand gemessen, welche Gewässer dafür geeignet sind.
Gut auf Lage vorbereitet
Außergewöhnlich findet der Kreisfeuerwehrinspekteur die Lage im Sommer 2022 bisher nicht. „Es gibt es jedes Jahr ein paar Wochen mit Waldbrandstufe 4 und 5“, sagt er. Wichtig sei, dass man sich gut vorbereitet habe. Die Alarmierungsgemeinschaft habe sich am Montag bei dem Einsatz bei Berg bewährt. Auch kämen stets „gleich 30.000 Liter Wasser mit, damit man massiv drangehen kann.“
Eine wichtige Rolle spielt inzwischen die Technik. So zeigte in Berg erst eine Drohne das wahre Ausmaß des Brandes, der vorher viel kleiner eingeschätzt worden war. Schon während des Einsatzes könnten Drohnen hilfreich sein, erläutert Schönlaub. „Wenn der Wald so offen ist, dass ich was sehen kann, ist das perfekt.“ Gleichzeitig könnten erhitzte Baumkronen die Auswertung von Fotos der Wärmebildkameras erschweren.
„Wald- und Wiesenbrände sind die Ausnahme“, sagt Sebastian Burkhard, Sprecher der Polizeidirektion Landau, mit Blick auf Branddelikte. Trotzdem kann er einige Fälle im nördlichen Kreis Germersheim aufzählen, die in Erinnerung geblieben sind: Im April des vorigen Jahres sei es schon recht trocken gewesen. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen habe es in einem Waldstück bei Rülzheim gebrannt, auf rund 150 Quadratmetern. Im Oktober standen 100 Strohballen im Bereich der B9 bei Kuhardt in Flammen. In beiden Fällen ging die Polizei von Brandstiftung aus. Ein buchstäblicher Dauerbrenner seien Pappelpollen, die sich im Frühjahr wie eine Decke über den Boden am Sondernheimer Baggersee legen – und sofort verpuffen, wenn ein Funke drankommt. Burkhard weiß auch von einem Brand, bei dem ein heißer Katalysator eine Wiese entzündet hat: Passiert vor einem Schwimmbad, weil der Parkplatz voll war und Besucher auf einer recht hohen Wiese ihr Auto abgestellt hatten.
Auch Grillkohle kann gefährlich sein
„Das Wetter gibt einem zu denken“, sagt Burkhard. Nicht nur wegen der akuten Waldbrandgefahr. Es ist auch Grillzeit – und da komme es häufiger durch Unachtsamkeit zu Bränden: etwa wenn Kohle nicht richtig abgelöscht und in den Müll geworfen werde. Der Polizist rät deshalb, benutzte Kohle mehrere Tage liegenzulassen. Und „beim Grillen immer eine Gießkanne voller Wasser in der Nähe stehen haben“. Grundsätzlich gelte allerdings: Wenn es irgendwo brennt – in Sicherheit bringen, den Notruf wählen und das Löschen den Profis überlassen. Gerade wenn Fahrzeuge brennen, „hält das keiner mehr“.
Auch im südlichen Landkreis ist die Feuerwehr 2021 zu Bränden ausgerückt: 81 Mal, berichtet Oliver Link, Sprecher der Polizeiinspektion Wörth. In dieser Zahl sind alle Feuer zusammengezählt: etwa als im Juni die Wochenend-Hütten einiger Kleingärtner in Jockgrim in Flammen aufgegangen waren. Oder der Waldbrand an der Rentnerhütte in Hagenbach im gleichen Monat.
Zwei Tage, bevor die Hagenbacher Wehr mit Kollegen aus dem ganzen Landkreis zu dem Waldbrand in Berg ausgerückt ist, waren sie in Neuburg im Einsatz: Am Samstag standen rund 220 Quadratmeter Wiese in Flammen. Aufmerksame Passanten hatten das Feuer entdeckt.