Berg
Ein Hektar Waldboden verbrannt
Als gegen 4.30 Uhr der Hagenbacher Feuerwehr „Rauchentwicklung im Wald beim Berger Wasserturm“ gemeldet wurde, war Einsatzleiter Boris Lindner gleich klar: „Da müssen alle Wehren der Verbandsgemeinde ausrücken, denn bei Waldbrand wird derzeit nicht gekleckert, sondern geklotzt“. Aufgrund der Trockenheit ist landesweit die Brandgefahr extrem hoch. Der Deutsche Wetterdienst ruft für Dienstag in einigen Regionen die höchste Gefahrenstufe, Stufe 5, aus.
Als die Feuerwehr in den frühen Morgenstunden in dem Waldstück bei Berg zwischen der L 540 und dem Wasserturm ankam, ging sie zunächst von einem geringeren Ausmaß aus. Der Einsatz einer Drohne des DLRG Wörth habe schließlich aufgezeigt, dass die Brandfläche deutlich größer war als zunächst angenommen: Zwischen 10.000 und 15.000 Quadratmeter Waldboden waren betroffen und sind beschädigt, berichtet der Wehrleiter der Verbandsgemeinde-Feuerwehr Hagenbach. „Das ist nichts Alltägliches.“ Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist etwa ein Hektar, also 10.000 Quadratmeter, groß.
Stundenlange Suche nach Glutnestern
Die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Hagenbach und Wörth waren mit rund 40 Leuten im Einsatz. „Die reine Brandbekämpfung hatten wir recht zügig selbst erledigt“, erzählt Boris Lindner am Nachmittag. Als allerdings absehbar war, dass viele Glutnester im Boden sind und weil die Männer und Frauen schon seit dem Morgengrauen im Einsatz waren, wurde zusätzlich der Katastrophenschutz-Zug des Landkreises alarmiert. Die Einheit „Brandbekämpfung“ bestehe aus „Mannschaft und Gerät aus den Wehren des gesamten Kreises“, erklärt Lindner. 28 zusätzliche Feuerwehrleute kamen so zur Einsatzstelle. 17 Fahrzeuge waren insgesamt im Einsatz.
Die Brandbekämpfung im Wald ist besonders arbeitsintensiv, denn nach dem Löschen des Feuers muss in aufwendiger Handarbeit mit Hacken und Schaufeln der Waldboden umgegraben werden, da sich unter der Humusschicht schlimmstenfalls immer wieder Schwelbrände ausbreiten können. Um die komplette Brandfläche herum haben die Helfer einen Schutzstreifen gegraben, der gewässert wurde. Außerdem wurde darin alles entfernt, was sich entzünden könnte, berichtet der Einsatzleiter.: „Falls nochmal was aufflammt, dass sich nichts ausbreiten kann.“ Am frühen Nachmittag hatten die Wehrleute ihre Arbeit getan - vorerst. „Bis in den Nachmittag hat die Forstverwaltung die Brandwache übernommen“, so Lindner. Bis mindestens in den späten Abend sollte danach die Feuerwehr Berg das Waldstück anfahren und kontrollieren, ob das Feuer im Keim erstickt ist.
Erde komplett verbrannt
Die Erde sei komplett verbrannt, schildert der Wehrleiter die Schäden. Auch das Totholz habe „ziemlich“ Feuer gefangen. Die Bäume sind nach Lindners Einschätzung bis zu 30 Zentimeter im unteren Bereich angegriffen. Zur Ursache könne nur spekuliert werden, auch der eigentliche Brandherd sei unklar. „Klar ist allerdings, dass solche Brände menschengemacht sind. Von Brandstiftung über Fahrzeuge mit heißem Katalysator bis hin zu Zigarettenkippen kann alles sein“. Deshalb könne nur immer wieder die Bevölkerung um äußerste Vorsicht in diesen heißen Tagen mit extremer Waldbrandgefahr gebeten werden. Auch das rheinland-pfälzische Klimaschutzministerium appellierte am Montag an die Menschen , kein offenes Feuer im Wald oder an dessen Rand zu machen und Fahrtwege auf keinen Fall zuzuparken, damit Einsatzkräfte und Retter im Fall eines Falles schnell vor Ort sein können.
In Berg hat „alles wunderbar funktioniert“, sagt Boris Lindner und meint damit auch die Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutz. „Ich war froh als Einsatzleiter, dass ich auf das Modul zurückgreifen konnte“. Zur Erklärung: Der Zug bestehe aus drei Einheiten – jeweils eine zur Brandbekämpfung, Löschwasserförderung und Transport. Den Katastrophenschutzzug gibt es erst seit Dezember letzten Jahres. Überörtlich wurde, so hieß es damals, eine „Regieeinheit“ geschaffen, die Groß- und Waldbrände effektiv bekämpfen könne. Es ist genau definiert, wie viel Meter Schlauch, wie viel Personal oder welche Mengen Löschmittel die Einheiten zur Verfügung stellen. Die Truppe vor Ort muss in einem solchen Notfall nicht mehr lange überlegen, woher sie ausreichend Material bekommt. Für die Brandbekämpfer-Einheit aus diesem Zug ist es, so Lindner, der erste Einsatz dieser Art gewesen.
„Waldbrände sind bei uns relativ selten“, ist der Einsatzleiter froh. Hin und wieder brenne mal eine Wiese am Radweg oder ein Stoppelacker. An einen Waldbrand in diesem Ausmaß kann sich der Wehrleiter in seinem Zuständigkeitsgebiet nicht erinnern. „Es war schon groß“, sagt er im Rückblick auf das Feuer und den rund achtstündigen Einsatz nahe des Berger Wasserturms.