Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeister hört auf: Der bedachte Lotse geht von Bord

März 2025: Volker Poß blickt entspannt seinen Ruhestand entgegen.
März 2025: Volker Poß blickt entspannt seinen Ruhestand entgegen.

Verbandsbürgermeister Volker Poß verabschiedet sich. Über einen ruhigen Verwaltungschef, der unverhofft ins bundesweite Rampenlicht geriet.

„Es fühlt sich gut an“, sagt Verbandsbürgermeister Volker Poß (SPD) bei einem Gespräch in seiner letzten Woche im Amt. Zwei Amtsperioden liegen hinter dem 64-Jährigen: Im September 2008 wurde der Verwaltungsbeamte zum Nachfolger von Günther Tielebörger gewählt, 2016 im Amt bestätigt. Zuvor hatte Poß seine gesamte Karriere in der Verbandsgemeinde verbracht, war Bauamtsleiter und Geschäftsführender Beamter. Dabei sei vor allem die Zeit in der Bauabteilung prägend gewesen: „Hätte ich das nicht gehabt, hätte ich den Schritt nicht gewagt.“ Aber so sei er in Verwaltung- und Verfahrensvorgängen schon erprobt gewesen, habe gelernt, im Stadtrat Rede und Antwort zu stehen. „Das hat mich vorbereitet für alles, was da kam.“

Volker Poß im Jahr 2008 als Kandidat.
Volker Poß im Jahr 2008 als Kandidat.
Einer der vielen Termine in Steinweiler: Bürgerversammlung im Jahr 2015.
Einer der vielen Termine in Steinweiler: Bürgerversammlung im Jahr 2015.
Vor der zweiten Amtszeit: Bei einer Podiumsdiskussion stellte sich Volker Poß seinem Herausforderer Michael Niedermeier, moderie
Vor der zweiten Amtszeit: Bei einer Podiumsdiskussion stellte sich Volker Poß seinem Herausforderer Michael Niedermeier, moderiert wurde von , Tobias Baumgärtner und Peter Dell.
Erleichterung nach dem Wahlsieg 2016.
Erleichterung nach dem Wahlsieg 2016.
Rechts Demonstrationen ziehen im März 2018 durch die Innenstadt von Kandel und rufen linke Gegendemos hervor.
Rechts Demonstrationen ziehen im März 2018 durch die Innenstadt von Kandel und rufen linke Gegendemos hervor.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt im Schloss Bellevue Kommunalpolitiker, darunter Volker Poß (SPD).
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt im Schloss Bellevue Kommunalpolitiker, darunter Volker Poß (SPD).

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In die Öffentlichkeit katapultiert

Rückblickend muss man sagen: Für fast alles. Denn der ruhige Verwaltungschef, engagierte SPDler und frühere Presbyter wurde quasi über Nacht auf eine öffentliche Bühne katapultiert, die er sich freiwillig niemals ausgesucht hätte. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit wurde ein Mädchen in einer Kandeler Drogerie erstochen, der Täter war ihr Ex-Freund, ein afghanischer Geflüchteter. Schnell wurde die Tat von rechtsgerichteten Kreisen instrumentalisiert.

In der Folge gingen bei der Verwaltung zahlreiche Hassmails ein. Bald zogen Tausende Demonstranten durch die Stadt. Poß kritisierte in einem Interview die pauschale Verurteilung von Asylsuchenden „und wurde damit selbst zur Zielscheibe von rechtem Hass. Der Kommunalpolitiker und seine Familie erhielten Todesdrohungen“, hieß es am 26. Mai 2018 in der RHEINPFALZ. Poß zeigte unbeirrt weiter Haltung, auch wenn er sich auf dem Kandeler Marktplatz eines Tages hunderten Demonstranten gegenüber sah, die „Poß muss weg“ skandierten. „Man fragt sich dann schon, wie lange man solche persönlichen Angriffe aushält“, sagt Poß nachdenklich.

Einladung ins Schloss Bellevue

Während dieser Zeit wurde Poß bundesweit bekannt. Eine kuriose Aktion brachte ihn zum Beispiel in die Süddeutsche Zeitung: Bei einer der Demos hatten sich Unterstützer von Poß vor seinem Haus postiert – und sich fast eine Anzeige wegen einer angeblich nicht angemeldeten Versammlung eingehandelt. Auch der heutige Ministerpräsident Alexander Schweitzer, damals SPD-Fraktionsvorsitzender in Mainz, hatte an der Seite von Poß Flagge gezeigt.

Gemeinsam mit anderen Kommunalpolitikern wurde Poß von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in das Schloss Bellevue eingeladen. Das Thema der Unterhaltung: „Gewalt gegen Mandatsträger.“ Im Nachgang zeigte sich der Kandeler Bürgermeister „sehr ermutigt“ – eine Ermunterung, die er gut gebrauchen konnte. Lange fanden die Demos immer am ersten Samstag im Monat statt.

Erst die Pandemie mit ihren Einschränkungen machte dem Spuk ein Ende. Und Poß bekam Corona gleich zu Beginn zu spüren: Nach einer Besprechung in seinem Büro hatten sich mehrere Fachkräfte aus der Verwaltung infiziert. Der Bürgermeister musste sogar im Krankenhaus behandelt werden. „Das ginge ja gut, es hätte auch anders ausgehen können“, sagt Poß.

Zusammenarbeit im Fokus

Aber genug der großen Schlagzeilen: Der Verbandsbürgermeister hat sich viel lieber um die Fortschritte im Hintergrund gekümmert. Das Starkregenschutzkonzept war ihm wichtig, schließlich habe man in Winden gleich zweimal gesehen, wie stark ein kleiner Ort betroffen sein konnte. Auch das Klimaschutzkonzept liegt ihm am Herzen, sowie die interkommunale Zusammenarbeit.

„Das Kirchturmdenken war früher stärker ausgeprägt“, formuliert Poß diplomatisch und erinnert sich mit einem Schmunzeln an die Reaktion anderer Bürgermeister, als er in der Region als erster die Idee einer gemeinsamen Vergabestelle formulierte. Von „Starke Kommune - Starkes Land“, über die Vergabestelle, die schließlich 2019 kam, bis hin zu Leader-Aktivitäten, der Gemeindeschwester plus und der Kooperation der Feuerwehren, die landesweit einzigartig war: „Es macht Sinn über den Tellerrand hinaus zu schauen.“ Aber man brauche Menschen, die mitmachen, betont er.

„Mit den allermeisten Ortsbürgermeistern“ sei die Zusammenarbeit sehr angenehmen gewesen, sagt Poß. Ein Blick in die Terminkalender zeige: „In Steinweiler waren wir am meisten“, Ortsbürgermeister Michael Detzel (CDU) habe sich immer abgestimmt, lobt er. Die politische Farbe habe für ihn sowieso nie eine Rolle gespielt.

Manches bleibt unvollendet

Es liegt im Wesen des Amts, dass man vieles anstößt, aber nicht unbedingt vollendet: „Ich dachte, ich könnte sie noch selbst einweihen“, sagt Poß dann doch ein kleines bisschen wehmütig: Die Grundschulmensa in Kandel wird wohl erst zum Schuljahr 2026/27 fertig, die Grundschule Freckenfeld immerhin noch diesen Sommer. Beim Feuerwehrgerätehaus war von Anfang an klar, dass die Bauabschnitte länger dauern, als seine Amtszeit.

Als Poß in die Verwaltung kam, wurde gerade die E-Schreibmaschine mit Phrasenspeicher eingeführt. Inzwischen ist die Welt eine andere: „Elektronische Akte, papierloses Büro – da hätte ich für mich Probleme“, sagt er ganz offen.

Nun will Poß erst einmal ruhig in den Ruhestand starten. Der Wohnwagen wird also demnächst häufiger rollen – gen Gardasee oder Dänemark, Abstecher zum Sohn in Berlin oder zur Tochter in München inklusive. Natürlich wird es das eine oder andere Engagement und Ehrenamt geben. Aber dann arbeitet der Verbandsbürgermeister a.D. im Hintergrund, nicht auf der großen Bühne.

Termin

In einer feierlichen Sitzung des Verbandsgemeinderats am Donnerstag, 27. März, 19.30 Uhr, in der Bienwaldhalle Kandel, wird Verbandsbürgermeister Volker Poß verabschiedet und sein Nachfolger Mike Schönlaub in das Amt eingeführt. Auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat sein Kommen zugesagt. Die Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen.

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