Kreis Germersheim Kandel: „Frauenbündnis“ von Rechtsextremen unterstützt
„Da hinten ist Bürgermeister Poß,“ zeigte Marco Kurz, Leiter der Demo des Frauenbündnisses Kandel am Samstagnachmittag in Richtung Landauer Straße. Kurz stand auf der Ladefläche eines Kleinlasters auf dem Marktplatz, Poß überquerte die Marktstraße.
Erst zögerlich, dann aber immer entschlossener wandten sich die nach Polizeischätzung 550 Menschen auf dem Marktplatz in die gewiesene Richtung. Die Menge brüllte „Poß muss weg“ und ging auf die Polizeikette zu. Die Polizisten zogen hektisch ihre Helme über, Ordner riefen nach Verstärkung. Die Situation beruhigte sich wieder.
"Abschieben" und "Abschießen" zu hören
Vorangegangen waren mehrere Reden, die in Forderungen wie „Weist den Islam aus“ gipfelten. Die Demo-Teilnehmer reagierten mit „Abschieben“, aus dem Hintergrund war auch ein „Abschießen“ zu hören. Ansonsten lauteten die Parolen wie üblich: „Wir sind das Volk“ und „Merkel muss weg.“ Neu hinzu gekommen ist „Dreyer muss weg.“ Unmittelbar nach der Begegnung mit Poß setzte sich dann der Demonstrationszug des Frauenbündnisses in Bewegung. Allerdings mit einer kleinen Verzögerung: der rechte Aktivist Michael Stecher (Fellbach bei Stuttgart) blickte auf die Männerschar an der Demo-Spitze und verlangt „Frauen nach vorn“. Es dauerte, bis sich zwei, drei Dutzend Frauen einfinden.
Weitgehend friedlich
Der Zug durch die Stadt verlief weitgehend friedlich, obwohl beim Abmarsch der Hooligan-Schlachtruf „Ahu!“ skandiert wurde. Bei der Begegnung mit etwa zehn Antifa-Aktivisten soll es zur einer Rangelei gekommen sein. Die Polizei berichtete von einer Körperverletzung. Zum Abschluss begrüßte Kurz die „Identitäre Bewegung“ und dankte für ihre Unterstützung. Die „Identitäre Bewegung“ gilt als rechtsextrem, sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Unmittelbar nachdem die Rechtspopulisten den Marktplatz geräumt hatten, übernahmen dort etwa 20 „Putzfrauen“ des Bündnisses „Wir sind Kandel“ die Regie und machten mit Besen, Schaufel und Schubkarre den „braunen Dreck weg“.
Ironische Anspielung
Parallel zur Rechtsdemo trafen sich Aktivisten der Kurfürstlichen Antifa als „Männerbündnis Kandel“ – eine ironische Anspielung auf das von Marco Kurz gegründete „Frauenbündnis“ der rechten Szene. Nach Polizeischätzung etwa 220 Männer (und Frauen) skandierten „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“ und zogen vom „Saubrunnen“ in die Raiffeisenstraße. Dort war ihnen von Kreisverwaltung und Polizei die Möglichkeit eingeräumt worden, in 30 Meter Abstand zur Rheinstraße als hörbare Gegendemonstration zum Zug der Rechten aufzutreten. Linke und Rechte trafen letztlich doch noch am Abend am Kandeler Bahnhof bei der Abreise aufeinander, wo es laut Polizei „während einer Spontandemo der bürgerlichen Linken“ zu Verbalattacken und Rangeleien, aber keinen Festnahmen kam.
Mit Tritten und Schlägen angegriffen
Anders in einem Zug von Karlsruhe nach Kandel: Als in Wörth Beamte der Bundespolizei zusteigen wollten, wurden sie laut Polizeibericht von Mitgliedern der linken Szene mit Tritten und Schlägen angegriffen. Der Zug wurde in Wörth festgehalten. Die Polizei erstattete 16 Strafanzeigen unter anderem wegen Haus- und Landfriedensbruchs. Von insgesamt 56 Personen wurden dort Personalien aufgenommen.